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«Es war die perfekte Saison»

«Es war die perfekte Saison»

In Méribel findet für Marco Odermatt eine von A bis Z gelungene Weltcup-Saison mit dem Sieg im Riesenslalom ihr Ende. Am Tag danach verfolgt der Nidwaldner den abschliessenden Slalom als Zuschauer.

Agentur
sda
20.03.22 - 16:40 Uhr
Ski alpin
Marco Odermatt war der Überflieger der Saison, er will aber möglichst so weiterleben wie bisher
Marco Odermatt war der Überflieger der Saison, er will aber möglichst so weiterleben wie bisher
KEYSTONE/URS FLUEELER

Schon seit vielen Wochen durfte sich Marco Odermatt des grossen Triumphs gewiss sein. So immens war nach seinen Glanzleistungen en masse in diesem Winter der Vorsprung auf die ersten Verfolger. Nach jedem Rennen mehr, das er auf dem Weg zum Saisonende abhaken konnte, sah sich der 24-Jährige deshalb gefragt, was er im Angesicht des bevorstehenden Triumphs im Gesamtweltcup denn verspüre. Immer wieder sagte er: «Nicht viel.»

Noch am letzten Mittwoch, nach seinem 2. Platz in der Abfahrt in Courchevel, als er auch mathematische Gewissheit hatte, sprach Odermatt von «wenig Emotionen», die bei ihm zu diesem Zeitpunkt vorhanden seien. Drei Tage später kam er in Méribel dann erstmals in Kontakt mit der Kristallkugel - allerdings vorerst «nur» mit der kleinen für den überlegenen Triumph im Riesenslalom-Weltcup. «Diese Kugel direkt nach einem Sieg in Empfang nehmen zu können, war umso schöner und sehr cool», sagte der Saison-Dominator danach.

Anstossen mit Familie und Freunden

Feste soll man feiern, wie sie fallen. Am Samstag gönnte sich Odermatt das erste Bier nur wenige Minuten nach seiner Zieldurchfahrt und noch im Zielraum, viele weitere sollten es dann noch im Verlaufe des Tages - gefestet wurde zunächst in einer ein bisschen abgelegenen Berghütte - und Abends werden. Als Konsequenz daraus trug der Nidwaldner am Sonntag zumeist eine dunkle Sonnenbrille. Das sei keineswegs eine Spätfolge der Feier, sondern «natürlich wegen der hellen Sonne», fand Odermatt mit einem grossen Schmunzeln im Gesicht einen durchaus plausiblen anderen Grund.

An Leuten, die mit ihm in Méribel feiern und anstossen wollten, fehlte es zumindest nicht. Von Mutter Priska über Vater Walter bis zu vielen Freunden und Fanclub-Mitgliedern - alle waren sie gekommen, um Odermatt im letzten Saisonrennen zu unterstützen. Und sie alle wurden nochmals verwöhnt, fuhr der Riesenslalom-Olympiasieger doch als Halbzeit-Leader souverän zum siebten Saisonsieg. Es war ein schon fast kitschiges Ende dieser Weltcup-Saison, die Odermatt Ende Oktober in Sölden ebenfalls mit einem Riesenslalom-Sieg perfekt lanciert hatte.

«Grosse Kugel endlich in meinem Besitz»

Am Sonntag durfte er dann endlich auch Hand anlegen an die grösste Trophäe im Skirennsport. «So lange wurde darüber gesprochen, nun ist sie endlich in meinem Besitz. Dass am Schlusstag der Saison nochmals für mich die Nationalhymne gespielt wird, macht es noch spezieller», freute sich der mitsingende Odermatt am Sonntag im Zielraum.

Der Überflieger des zu Ende gegangenen Alpin-Winters nahm auch nochmals Bezug auf «die für mich perfekte Saison. Angefangen mit dem Auftaktsieg in Sölden, dem Triumph in Adelboden, Olympia-Gold in Peking, den zwei angestrebten Kugeln im Gesamt- und Riesenslalom-Weltcup, dann hier beim Weltcup-Finale nochmals drei Podestplätze und zum Abschluss nochmals der Sieg. Es hat alles so funktioniert, wie ich mir das erhofft hatte.» Selber schaue er es zwar nicht so an, aber wenn jemand anderes einen solchen Winter absolvieren würde, «dann fände ich das sehr beeindruckend».

Die Hoffnung auf Privatsphäre

Er sei, das sagen alle Teamkollegen und Trainer, auch mit wachsendem Erfolg bodenständig und der Gleiche geblieben wie zuvor. Odermatt selber empfindet das nur als selbstverständlich. «So verbrauche ich keine zusätzliche Energie, wie wenn ich mich verändern würde.» Er wolle auch künftig versuchen, die schönen Momente zu geniessen. «Ich hoffe sehr, dass ich diese Lockerheit beibehalten kann und man mir eine kleine Privatsphäre lässt.»

Odermatt spricht davon, weiterhin auch abseits der Pisten ein halbwegs normales Leben führen können. «Das sollte doch möglich sein, und ich zähle da auch etwas auf die Schweizer», appelliert Odermatt an seine Fans, ihn nicht gleich überall vereinnahmen zu wollen.

Bevor es für ihn «irgendwo an die Wärme» in die Ferien gehe, stünden noch zwei, drei intensive Wochen an, so der erst fünfte Schweizer Gesamtweltcupsieger. «Neben all den Sponsoren- und Medien-Verpflichtungen will ich den kommenden Tagen auch noch Ski testen und trainieren.» Ein Rennen bestreitet Odermatt auch noch. An den Schweizer Meisterschaften in St. Moritz will er sich den Riesenslalom nicht entgehen lassen.

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