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Lara Gut-Behrami kann wieder die höchsten Ziele anpeilen

Lara Gut-Behrami kann wieder die höchsten Ziele anpeilen

Lara Gut-Behrami reiht im Super-G Sieg an Sieg und erinnert mit ihren Podestplatzierungen auch in Abfahrt und Riesenslalom wieder an die jene Fahrerin, die 2016 die grosse Kristallkugel gewonnen hat.

Agentur
sda
vor 2 Monaten in
Ski alpin
Lara Gut-Behrami, zuletzt innert acht Tagen in drei verschiedenen Disziplinen viermal auf dem Podest, kann wieder die höchsten Ziele anpeilen
Lara Gut-Behrami, zuletzt innert acht Tagen in drei verschiedenen Disziplinen viermal auf dem Podest, kann wieder die höchsten Ziele anpeilen
KEYSTONE/AP/Giovanni Auletta

Der Vergleich mit der eigenen, so erfolgreichen Vergangenheit drängt sich nach Lara Gut-Behramis jüngster Erfolgsserie regelrecht auf. Im Winter 2016/17 war es, dem ersten nach ihrem Gesamtweltcupsieg, als die Tessinerin letztmals drei Super-G-Triumphe in Folge feierte. Diese Serie, die in Lake Louise begann und in Val d'Isère und Garmisch ihre Fortsetzung fand, riss erst Ende Januar 2017 in Cortina d'Ampezzo.

Im Dolomiten-Skiort, wo in Kürze die Weltmeisterschaften beginnen, hatte Gut-Behrami am Vortag die Abfahrt gewonnen. Im Super-G lag sie bei der letzten Zwischenzeit mit riesigem Vorsprung vor der nachmaligen Siegerin. Dann aber passierte das Malheur, als sie bei annähernd Tempo 100 mit ihrem rechten Arm hart an einem Tor anschlug und stürzte. Schmerzhafte Prellungen am Oberarm und Oberschenkel waren die Folge.

Gut eine Woche später war die Tessinerin dank viel Physiotherapie und unzähligen Massage-Stunden für den Auftakt der Heim-WM in St. Moritz immerhin so weit wieder hergestellt, dass sie im Super-G zu Rang 3 fuhr. Bronze jedoch wertete Gut-Behrami, die an Grossanlässen schon sechs Podestplätze, aber noch keine Goldmedaille vorzuweisen hat, als Enttäuschung. Umso mehr sie damals in ihrer Spezialdisziplin den Saison-Auftakt dominiert hatte. «Natürlich hätte ich am liebsten Gold geholt», gab sie nach dem WM-Super-G zu.

Doch es sollte im Engadin für die damals 25-Jährige aus Comano noch viel schlimmer kommen. Sie erlitt wenige Tage später beim Einfahren für den WM-Kombinations-Slalom einen Riss des vorderen Kreuzbandes am linken Knie. Diese schwere Verletzung sorgte - trotz schnellstmöglicher Rückkehr im Oktober 2017 in Sölden - für eine Zäsur in der Karriere. Erst zweieinhalb Jahre später, Ende Februar 2020 bei ihrem Abfahrts-Doppelsieg in Crans-Montana, stand Gut-Behrami wieder in einer anderen Disziplin als im Super-G auf dem Weltcup-Podest.

Auf diese Saison hin kriegte die mittlerweile 29-fache Weltcupsiegerin das Gesamtpaket aus Kopf, Physis und Material, welches für Erfolge unerlässlich ist, endlich auch im Riesenslalom wieder zusammen. Ein wichtiger Teil in diesem Erfolgs-Puzzle kommt ihrem Trainer Alejo Hervas zu. Der im Frühjahr 2019 zu ihr gestossene Spanier, der von Swiss-Ski angestellt ist, habe ihr «sehr dabei geholfen, mich zu entwickeln und dass ich mich auch körperlich wieder so wohl fühle», sagte Gut-Behrami vor eineinhalb Wochen bei den Heimrennen in Crans-Montana.

Was sie erreichen kann, wenn sie sich rundum wohl fühlt, illustrieren die vergangenen Tage perfekt: im Wallis Abfahrtsrang 2 und der überlegene Super-G-Sieg - beides trotz heftigen Rückenschmerzen -, danach der 2. Platz im Riesenslalom von Kronplatz und nun in Garmisch ein weiterer ungefährdeter Triumph im Super-G. Wer in vier Rennen hintereinander innert acht Tagen und in drei verschiedenen Disziplinen immer mindestens Zweite wird, der kann wieder wieder höchste Ziele anpeilen.

Auch wenn sie am Samstag in Bayern verständlicherweise verneinte, trotz nur noch 62 Punkten Rückstand auf Leaderin Petra Vlhova schon an den Gesamtweltcup zu denken, («denn den gewinnt man nicht jetzt, sondern erst im März»), sind Parallelen zur Zeit vor fünf Jahren nicht von der Hand zu weisen. Es war im Dezember 2015, als die Tessinerin letztmals eine vergleichbare Erfolgsserie hinlegte. Damals triumphierte sie in Val d'Isère zunächst in Kombination und Abfahrt. Danach folgten zwei Riesenslaloms. In Courchevel wurde sie Zweite, in Lienz siegte sie. Am Ende des Winters erhielt Gut-Behrami als erste Schweizerin seit Vreni Schneider (1995) die grosse Kristallkugel überreicht.

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