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So schlimm hätte es Orlik treffen können

Vergangenes Wochenende ist Armon Orlik kurzzeitig regungslos im Sägemehl liegen geblieben. Bereits wenig später konnte der Maienfelder glücklicherweise Entwarnung geben. Keine Selbstverständlichkeit, wie ein Blick auf vergleichbare Situationen zeigt.

10.05.17 - 16:33 Uhr
Schwingen
Schwinger knallen zuweilen unkontrolliert auf den Rücken.
Schwinger knallen zuweilen unkontrolliert auf den Rücken.
KEYSTONE

Schlimme Unfälle im Schwingsport sind eine Seltenheit. Die Suva-Unfallstatistik aus dem Jahr 2016 offenbart, dass in der Schweiz weniger als vier Prozent der Sportunfälle von Kampfsportarten herrühren. Das Schwingen dürfte innerhalb dieser Gruppe ebenfalls nur ein kleiner Prozentsatz ausmachen.

Trotzdem: Wo gekämpft wird, kommt es zu Verletzungen. Deshalb ist im Schwingsport, wo der Kopfbereich besonders exponiert ist, eine stark ausgeprägte Nackenmuskulatur Voraussetzung. Was den Athleten selbst mit dem Rücken Richtung Boden noch eine Chance auf die Wende gibt, ist auch in Sachen Verletzungsprophylaxe von entscheidendem Nutzen.  

Die Brücke: Diese Verteidigungsstrategie wird von den Schwingern überraschend lange gehalten und erfordert eine Menge Kraft.
Die Brücke: Diese Verteidigungsstrategie wird von den Schwingern überraschend lange gehalten und erfordert eine Menge Kraft.
THEO GSTÖHL

Einer der komplettesten Schwinger der Gegenwart – Armon Orlik – bewahrte vergangenen Sonntag wohl genau diese bärenstarke Nackenmuskulatur vor einer Verletzung mit fatalen Folgen.

Im fünften Gang des Aargauer Kantonalschwingfests in Brugg war der 21-jährige Maienfelder auf den Hinterkopf und Nacken geknallt. Im Anschluss blieb er minutenlang regungslos liegen und hatte bei vollem Bewusstsein, aber mit motorischen und sensorischen Dysfunktionen, bange Momente zu überstehen.


Dass Orlik letztlich ungeschoren davonkam, darf als grosses Glück bezeichnet werden, hatten doch andere Schwinger vor ihm in vergleichbaren Situationen weniger Fortune. Denn die Gefahr ist ein ständiger Begleiter – auch, oder vielleicht gerade im Schwingen:

  • Baar, 2004
    13 Jahre ist es her, seit sich beim Abendschwingfest in Baar das wohl tragischste Ereignis in der Geschichte des Schwingsports zugetragen hat. Der erst 19-jährige Samuel Roos zog sich bei einem missglückten Schwung Verletzungen an der oberen Halswirbelsäule zu. Später erlag er den schweren inneren Verletzungen.
     
  • Brünig, 1960
    Unfälle, die eine Querschnittslähmung zur Folge hatten, sind einige überliefert. Das prominenteste Beispiel trug sich 1960 auf dem Brünig zu. Der aufstrebende Beat Thöni forderte im Schlussgang den zweifachen Schwingerkönig Karl Meli heraus. Nach aufreibendem Kampf schmetterte Meli Thöni schliesslich ins Sägemehl. Dabei kam Thöni so unglücklich auf, dass er wie vom Blitz getroffen liegen blieb und zeitlebens an den Rollstuhl gefesselt war. Schöne Randnotiz: Zwischen Meli und Thöni entwickelte sich danach eine enge Freundschaft.
     
  • Brünig, 2006
    Die Geschichte von Roger Brügger fällt zwar nicht unter das Kapitel «Wirbelsäulenverletzung», ist jedoch ebenfalls von dramatischer Natur. Im zweiten Gang sackte der 130-Kilo-Koloss leblos in sich zusammen. Was zunächst auf einen Herzinfarkt hindeutete, stellte sich als Schlafapnoe heraus. Seither schläft der Berner zwar mit Sauerstoffmaske, erfreut sich aber sonst bester Gesundheit.
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