×

Und wo bleibt der grösste Verband?

Und wo bleibt der grösste Verband?

Samuel Giger, Damian Ott und Fabian Staudenmann sind Kilchberger Sieger, alle mit der gleichen Punktzahl. In ihrer Entwicklung sind die drei jungen Bösen allerdings nicht gleich weit.

Agentur
sda
vor 2 Wochen in
Schwingen
Samuel Giger hat ein Niveau erreicht, das kaum noch eine  Steigerung zulässt
Samuel Giger hat ein Niveau erreicht, das kaum noch eine Steigerung zulässt
KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER

Am weitesten ist Samuel Giger. Er hat aber auch etwas Vorsprung, denn er ist mit seinen 23 Jahren zwei Jahre älter als Ott und Staudenmann. Zugleich ist der Thurgauer so weit, dass es kaum noch weiter gehen kann. Mit den acht Festsiegen in einer einzigen Saison (sieben Kranzfeste, dazu der noch bedeutendere Kilchberger Schwinget) hat Giger einen Plafond erreicht. Nur Jörg Abderhalden in seiner besten Saison (2004) hatte ebenfalls so oft triumphiert. Giger fehlt einzig noch der Königstitel. Kann er seine Form konservieren, wird er für das Eidgenössische im August 2022 in Pratteln der hohe Favorit sein.

Damian Ott hat von allen jungen Schwingern in dieser Saison die grössten Fortschritte gemacht. Es waren Fortschritte mit Riesenschritten. Er siegte auf dem Weissenstein, am Schwarzsee und in Kilchberg mit ausgezeichneten Notenblättern. Er wurde bereits so hart eingeteilt wie ein starker Eidgenosse. Mit seinem Körperbau, seiner Athletik und seiner Beweglichkeit ist der St. Galler Hüne das, was Schwingerkönig Matthias Sempach als den idealen Schwinger der neuen Zeit bezeichnet. Waren vor der langen Pause infolge der Pandemie Orlik, Giger, Reichmuth und Wicki die alles und alle überragenden Schwinger der neuen Generation, so weitet sich die exklusive Gruppe dank Ott zu einem Quintett aus. Der beste Schwinger ohne eidgenössischen Kranz ist Ott sowieso.

Fabian Staudenmann, ebenfalls ein Langer, ist in der Entwicklung nicht ganz so weit wie Ott. Aber der Berner Mittelländer Eidgenosse hat das Rüstzeug, um über den Triumph am Kilchberger Schwinget hinaus alles zu erreichen. Wie Ott gewann er in dieser Saison zwei Kranzfeste, wenngleich «nur» zwei Berner Gauverbandsfeste.

Phänomenale Erfolglosigkeit des ISV

Der Innerschweizer Verband ISV ist der mit Abstand grösste Teilverband des ESV. Aber Grösse bedeutet in diesem Fall keineswegs Stärke. Im Gegenteil, die chronische Erfolglosigkeit der Schwinger von Wiggen bis Galgenen ist phänomenal. Ein einziges Mal stellten sie den Schwingerkönig (Heinrich «Harry» Knüsel 1986), und seither gewannen sie zwei Revanche-Feste: Eugen «Geni» Hasler 1990 in Kilchberg und Martin Grab 2006 am Unspunnen in Interlaken.

Die nunmehr 17 Kilchberger Schwinget seit 1927 haben 19 Sieger hervorgebracht. Acht von ihnen sind Nordostschweizer, sieben sind Berner. Auch hier ist die Innerschweizer Beteiligung mit drei Siegern im Verhältnis bescheiden. Einer von ihnen war erst noch Hans Kopp - ein gelernter Berner, der in die Zentralschweiz nach Engelberg zügelte.

Hoffnung auf eine nachhaltige Besserung und auf den Erfolg, den die dem Schwingsport zugewandte Region verdient, gibt es jedoch. Joel Wicki ist unter den Allerbesten. Am Eidgenössischen 2019 stand ihm nur Christian Stucki in der Sonne, und am Samstag in Kilchberg war der Entlebucher, in dieser Saison von Verletzungen beeinträchtigt, noch nicht ganz der Alte. Die Innerschweizer hätten noch ein zweites heisses Eisen im Feuer, Pirmin Reichmuth. Aber der junge Zuger ist ebenso seit längerem verletzt wie der hoffnungsvolle Schwyzer Michael Gwerder. Am effektiven Rückstand des ISV hätten Reichmuth und Gwerder allerdings kaum etwas ändern können, denn auch die anderen zwei grossen Verbände konnten am Kilchberger Schwinget wegen Verletzungen nicht in bester Besetzung antreten. Den Bernern fehlten beispielsweise Christian Stucki und Michael Wiget, den Nordostschweizern Armon Orlik.

Dennoch gute Hoffnung

Werden Wicki und Reichmuth wieder vollständig gesund, dürfen die Innerschweizer der eidgenössischen Saison mit Zuversicht entgegenblicken. Wicki und Reichmuth sagten schon vor längerem, dass sie wenig oder nichts (mehr) spüren von der schädlichen Rivalität unter den Innerschweizer Kantonalverbänden, wie sie aus früheren Jahren und Jahrzehnten allgemein bekannt war. Die beiden müssen es am besten wissen. Wicki ist Luzerner, Reichmuth Zuger.

Kommentieren

Kommentar senden
E-Paper
Kennt ihr schon "wuchanendlich"?
Mit dem neuen "Südostschweiz"-Newsletter jeden Donnerstag die besten Freizeittipps im Postfach.
Nicht mehr fragen