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Wasen im Emmental als Auftakt einer grossen Karriere

Heute vor 17 Jahren, am 11. Mai 2003, feiert Schwingerkönig Christian Stucki mit dem Triumph am Emmentalischen Schwingfest in Wasen den ersten Kranzfestsieg. Es ist der Auftakt einer grossen Karriere.

Agentur
sda
Montag, 11. Mai 2020, 09:21 Uhr Schwingen

Nach dem Premierensieg schrieb die nationale Sportagentur, dass Stucki wohl früher oder später ein ernsthafter Anwärter für den Gewinn des Schwingerkönig-Titels sein werde. Zu diesem Zeitpunkt dachte der damals 18-jährige Seeländer allerdings noch nicht so weit, dieser Erfolg habe ihm aber auf jeden Fall Auftrieb gegeben.

Allerdings war für ihn der Sport im Sägemehl damals nicht alles. Stucki spricht von «Jugendsünden. Ich hatte viel Freude am Schwingen, wollte aber auch das Leben geniessen und mit Kollegen ausgehen.» Richtig Klick machte es nach dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2013 in Burgdorf, an dem er nach einer Niederlage im Schlussgang gegen Matthias Sempach den 2. Platz belegte.« Zwar hatte er schon vorher gut trainiert, jedoch ging er nach diesem Erfolg alles noch professioneller an. Im vergangenen August gelang ihm mit dem Triumph am »Eidgenössischen" in Zug die Krönung.

«Vielleicht hätte es eher geklappt, wenn ich früher mehr investiert hätte. Es ist ja aber dennoch gut herausgekommen, ich kann zufrieden sein mit meinen Erfolgen», sagt Stucki am Telefon gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. So zieren 42 Kranzfest-Siege und 128 Kränze sein eindrückliches Palmarès. Der Erfolg in Zug hatte allerdings nicht unbedingt erwartet werden können, da Stucki im Mai 2019 einen Innenbandriss im linken Knie erlitt und erst drei Wochen vor dem Anlass in Zug sein Comeback gab. Das war für ihn insofern ein Vorteil, «als ich aus dem Fokus rückte und dem Ganzen relativ entspannt entgegen schauen konnte.» Ausserdem fielen bei ihm die körperlichen Strapazen weg, die eine Saison mit sich bringt.

Stucki, der im Dezember zum «Schweizer Sportler des Jahres» gekürt wurde, wird nun noch mehr erkannt. Ist das manchmal mühsam? «Das ist von der Tagesform abhängig. Wir sind alle Menschen, können nicht immer gut aufgelegt sein. Manchmal mache ich gute Miene zum quasi bösen Spiel. Es ist aber nicht so, dass es lästig wäre oder ich mich immer genervt fühle. Das gehört dazu, wenn man in der Öffentlichkeit steht.»

Ohnehin ist Stucki jemand, der alleine schon von der Statur her auffällt - er ist 1,98 m gross und im Bereich von 140 kg schwer. Er fiel schon als Kind aus dem Rahmen. Wurde er deswegen manchmal gehänselt? «Gehänselt würde ich nicht sagen. Ich war schon früher immer ein 'lieber Chaib'. Manchmal war ich fast zu lieb und wehrte mich zu wenig.» Aber wie passt dieser Charakter mit dem Schwingen zusammen, in dem die Sportler als «die Bösen» bezeichnet werden? «Der Kampf Mann gegen Mann ist etwas anderes wie das alltägliche Leben, da kann ich schon umstellen. Aber sicherlich wäre es manchmal nicht schlecht, wenn die Charakterzüge anders wären.»

Neben dem Kampf Mann gegen Mann fasziniert Stucki am Schwingen das Ringsherum, die Kollegenschaft. «Im Sägemehl ist man Feind und zehn Minuten später witzelt man zusammen in der Garderobe», so Stucki. Dass er nun seine Leidenschaft wegen dem Coronavirus nicht ausleben kann - bis Ende August wurden sämtliche Kranzfeste abgesagt -, «ist schon ziemlich schwierig. Es ist aber auch eine Erleichterung da. Die Ungewissheit war das, was auf die Moral geschlagen hat. Nun können wir auf die nächste Saison umplanen.»

Führt die verlorene Saison dazu, dass er die Karriere nun um ein Jahr verlängern wird, schliesslich kann aus dem Schwingerkönig-Titel einiges Kapital geschlagen werden? «Das habe ich mir auch schon überlegt. Bis Pratteln (dort findet 2022 das Eidgenössische statt) mache ich sicher weiter. Dann schaue ich, wie es geht. Es ist aber sicher nicht unvorstellbar, eine weitere Saison anzuhängen.» Schliesslich kennt Stucki seinen Körper mittlerweile so gut, dass er genau weiss, wann er ihm was zumuten kann und wann er Erholung benötigt.

Das alles ist aber Zukunftsmusik. Zurzeit geniesst er es, nicht mehr so viele Verpflichtungen zu haben und mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können. Drei Tage pro Woche ist er als Lastwagenfahrer unterwegs, ansonsten kümmert er sich um die zwei Kinder und hilft er seiner Frau «so gut als möglich» im Haushalt. «Das ist sicher ein positiver Aspekt der ganzen Krise», sagt Stucki.

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