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Ein ganz «Böser» – aber nur im Sägemehl

In Dübendorf ist am Montag, 27. Januar 2020, der in Uznach aufgewachsene einstige Spitzenschwinger und langjährige Funktionär Karl (Kari) Oberholzer nach kurzer Krankheit im 84. Altersjahr verstorben. Ein Nachruf.

Linth-Zeitung
Dienstag, 04. Februar 2020, 04:30 Uhr Nachruf Karl Oberholzer

von Willi Giger

Karl Oberholzer gehörte in den 50er- und 60er-Jahren zu den ganz «Bösen» im Lande. Mit genau 100 eroberten Kränzen ist der fünffache Eidgenosse und 27-fache Kranzfestsieger bis heute der erfolgreichste Schwinger im Rapperswiler Verband. Mit ihm verliert die Schwingerzunft aber nicht nur einen hervorragenden Schwinger, sondern vor allem einen Kameraden, der schon im Sägemehl durch seine Fairness, seine sportliche Einstellung und seine sprichwörtliche Bescheidenheit auffiel.

Im Rebenretsch in Uznach mit sechs Brüdern aufgewachsen, lernte Oberholzer auf der Wiese vor seinem Elternhaus die Kunst des Schwingens, die er in den nächsten Jahren stetig weiterentwickelte.

Nach der Schulzeit machte der gross gewachsene Bauernbub die Lehre als Maurer und arbeitete sich später als Polier und Bauführer in dieser Branche hoch. Nach der Heirat mit Leonie Scherrer vom Restaurant Gemsli in Uznach zog die junge Familie mit ihren beiden Kindern Karl und Nelly ins Züribiet, wo sie später an der Buenstrasse in Dübendorf ihr Eigenheim beziehen konnten. Trotz diesem Domizilwechsel blieb «Kari» seinem Schwingerverband Rapperswil und Umgebung als Aktiver und Funktionär – unter anderem als Aktuar, Technischer Leiter, Präsident und langjähriger Festwirt am Rickenschwinget – treu. Bis zu seinem Tod besuchte er alle Anlässe in seinem Stammklub, meistens in Begleitung seiner Frau Leonie.

Zwei Schlussgänge an eidgenössischen Festen

Schon als 20-Jähriger, 1956 am «Glarner-Bündner», sicherte sich der technisch vielseitige Sennenschwinger den ersten von 27 Kranzfestsiegen. Dazu stand er noch 26 Mal im 2. Rang, oft hinter seinem grossen Rivalen Karl Meli, gegen den er auch den Schlussgang am «Eidgenössischen» 1961 in Zug verlor. Leider musste er auch am Kilchbergerschwinget 1957 gegen den Berner Hans Münger unten durch, vor allem weil er mit einem Wettkampfgewicht von rund 90 Kilogramm körperlich unterlegen war. Dieses Handicap machte «Kari» meistens mit einer selbst entwickelten Technik und grosser Spannkraft mehr als wett. Rund 100 Mal erreichte er einen Schlussgang. Er gewann nebst den Kranzfesten auch mehr als 50 Regional- und Verbandsfeste. So triumphierte er unter anderem neun Mal am Rapperswiler Verbandsfest.

Bis heute wohl unerreicht war sein technisches Repertoire, das alle Standschwünge vom Kurz bis zum Hüfter Übersprung, Gammen, usw. beinhaltete. Dazu kamen seine Spezialitäten – der Fussstich, der Kniestich, der Armzug-Seitfallwurf, das Tannerschwüngli – und noch einiges mehr an Finten und Griffen, die man heute leider kaum mehr sieht.

Bilderbuchkarriere bis ins Zentralkomitee des ESV

Noch als Aktiver führte Karl Oberholzer den «Rapperswiler» Verband als Präsident und war gleichzeitig zehn Jahre lang Technischer Leiter des St. Galler Kantonalverbandes – etwas, das man sich heute kaum mehr vorstellen kann. Trotz seiner hohen beruflichen Belastung als Bauführer in der Region Zürich ging seine Karriere am grünen Tisch weiter im NOS-Verband, von 1980 bis 1984 als Technischer Leiter und anschliessend als Präsident. Von Amtes wegen durfte er in dieser Zeit auch im Zentralkomitee des Eidgenössischen Schwingerverbandes Einsitz nehmen und betreute dort das Ressort Finanzen.

Mit «Kari» Oberholzer verliert nicht nur seine Familie ein Vorbild mit grossem Herzen, auch die Schwingerwelt trauert um einen Grossen. Trotz all seinen Erfolgen im Sägemehl bleibt uns aber «Kari» vor allem wegen seiner Bescheidenheit, seiner treuen Kameradschaft, seiner Hilfsbereitschaft und seiner Güte in allerbester Erinnerung.

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