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Rigets ramponierte Rippe trübt die Ambitionen

Sechs Jahre musste sich der Schänner Tobias Riget gedulden, um zum dritten Mal an einem «Eidgenössischen» schwingen zu können. Nun ist er kurz davor, doch die Voraussetzungen könnten besser sein.

Bernhard
Camenisch
Donnerstag, 22. August 2019, 09:45 Uhr Vor dem «Eidgenössischen»

Es passierte am Nordostschweizer Schwingfest am 30. Juni: Tobias Riget verletzt sich im vierten Gang im Duell gegen den Eidgenossen Tobias Krähenbühl an einer Rippe. Er schwingt zwar sichtlich angeschlagen weiter, wird aber nach wenigen Sekunden besiegt und gibt das Fest daraufhin auf. Später wird eine starke Rippenprellung diagnostiziert.

«Bis dahin war ich auf dem richtigen Weg. Die Formkurve zeigte nach oben», sagt Riget. Drei Feste hatte er zuvor in diesem Jahr mit dem Kranz verlassen. Seit dem Unfall in Hallau ist die Saison des 27-Jährigen aus Schänis auf den Kopf gestellt. Einmal, am 20. Juli am Bergkranzfest auf dem Weissenstein, unterzog er sich noch wettkampfmässig einem Belastungstest. Nach dem dritten Gang musste er es sein lassen. Nur zwei Schwingtrainings hat Riget seit dem NOS bestritten. Trotz eines Korsetts aus Tapes hatte er dabei Schmerzen. Schweren Herzens verzichtete er zuletzt auf den Ricken- und Schwägalp-Schwinget.

Zwei Saisons fast komplett weg

Mit Verletzungen hat sich Tobias Riget in seiner Karriere schon oft und lange herumschlagen müssen. Zwei Saisons musste er fast vollständig aufs Schwingen verzichten. Zunächst weitete sich eine Schambeinentzündung, die Ende 2015 aufgetreten war, auf die Adduktoren aus. Im Frühling 2016 brach er die Saison, die ihn ans «Eidgenössische» nach Estavayer hätte führen sollen, ab. «Ich konnte kaum noch Sport machen, und wenn, musste ich am nächsten Tag dafür büssen.» Auch in seiner täglichen Arbeit als Logistiker machten sich die Schmerzen bemerkbar.

Weil es nicht besser wurde, unterzog sich Riget im Februar 2017 schliesslich einer Operation. «Das war die beste Entscheidung meines Lebens», sagt er rückblickend. Im April desselben Jahres wagte er beim «Rapperswiler» Verbandsschwingfest das Comeback. Zu früh, wie sich herausstellte. Riget zog sich einen Muskelfaserriss zu. Ende Mai holte er am St. Galler Kantonalschwingfest in der Eishalle von Rapperswil-Jona den Kranz, danach beendete er die Saison.

«Ich habe immer gesagt, dass ich zurückkehre, wenn ich die Chance dazu erhalte. Ich brauche das Schwingen!»

Von den gesundheitlichen Rückschlägen liess sich Riget nicht unterkriegen. «Ich habe immer gesagt, dass ich zurückkehre, wenn ich die Chance dazu erhalte. Ich brauche das Schwingen!» Auf die Saison 2018 hin war der 1,90 Meter grosse und 112 Kilogramm schwere Athlet, der liebend gerne Fussball spielt, endlich wieder fit. Sieben seiner bisher 25 Kränze hat er seither gewonnen. Riget ist nicht nur eines der derzeitigen Aushängeschilder im «Rapperswiler» Verband, er ist auch dessen Technischer Leiter. Das Amt hat er von Martin Glaus übernommen, der seine Karriere im November 2016 beendete. «Ich erledige das Administrative, leite aber keine Trainings. Denn Trainings leiten und selbst schwingen geht nicht», erklärt Riget.

Als Technischer Leiter hätte er sich gewünscht, dass sich von den «Rapperswiler» Schwingern mehr fürs «Eidgenössische» in Zug qualifizieren würden als Pirmin Gmür, Dominik Oertig und er selbst. Als eine Erklärung erwähnt Tobias Riget das Verletzungspech, das gleich mehrere aus dem Team in diesem Jahr heimgesucht hat, darunter auch seinen vier Jahre jüngeren Bruder Florian.

Erstes «Eidgenössisches» mit 18

Für Tobias Riget wird Zug das dritte «Eidgenössische» nach 2010 und 2013. Beide Male hatte er nach acht Gängen 72,75 Punkte auf seinem Notenblatt. Vor neun Jahren war er in Frauenfeld mit seinen 18 Jahren einer der jüngsten Teilnehmer. Er erinnert sich, wie es ihm kalt den Rücken runter lief, als er in die Arena einmarschierte, und auch, wie er in das Fest startete: «Ich gewann frei von der Leber weg gleich die ersten beiden Gänge. Danach bezahlte ich Lehrgeld.» Drei Jahre später ging er mit hohen Erwartungen an sich selbst nach Burgdorf und dem Ziel, den Kranz zu gewinnen. Dies gelang ihm nicht. Er sei mental noch nicht so weit gewesen, blickt der Schänner zurück.

«Die Verletzung kann auch eine Chance sein, weil ich überhaupt keinen Druck habe.»

Vor dem Saison-Highlight in Zug fühlt Tobias Riget, wie das Kribbeln von Tag zu Tag zunimmt. «Ein ‘Eidgenössisches’ ist eben sehr speziell und kein normales Schwingfest», sagt er. Aber da sind halt auch die Ungewissheit mit seiner Rippe und die alles andere als ideale Vorbereitung. «Wäre ich gesund, wäre ich ambitionierter», macht er sich nichts vor. Aber: «Die Verletzung kann auch eine Chance sein, weil ich überhaupt keinen Druck habe.»

Nichts erzwingen

Klar ist, dass Riget fitgespritzt werden muss, wenn er durch den Wettkampf kommen will. «Mit ärztlicher Hilfe sollte ich schmerzfrei sein. Das muss ich, denn sonst bin ich blockiert.» Und dies nicht nur im Bereich der Rippen, sondern vor allem im Kopf. Und so gerne Riget in der Zuger Arena schwingen will – klar ist für ihn, dass er nichts erzwingen wird. Er sagt: «Wenn ich vor dem Anschwingen merke, dass es nicht geht, muss ich ehrlich zu mir selber sein. Dann gebe ich lieber einem gesunden Schwinger die Chance, mitzumachen.»

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