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Oertig geht ohne Kranz, aber mit breiter Brust nach Zug

Wegen eines Bänderrisses im rechten Arm hat Dominik Oertig einen Grossteil der Kranzfestsaison verpasst. Am «Eidgenössischen» kann der 23-Jährige aus Uznach wieder fit antreten – und mit viel Selbstvertrauen.

Bernhard
Camenisch
Donnerstag, 22. August 2019, 23:18 Uhr Vor dem «Eidgenössischen»

Vor drei Jahren erlebte Dominik Oertig in Estavayer-le-lac seine Feuertaufe an einem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest. Und auch wenn er von dort das Gefühl kennt, vor über 50 000 Zuschauern zu schwingen, sagt der Uzner mit Blick auf die kommenden Tage: «Zug ist wieder eine andere Nummer als Estavayer.» Für ihn selber ist das «Eidgenössische» heuer wegen des Austragungsortes zusätzlich speziell. Oertig kennt sich in Zug und der dortigen Gegend aus – aus gutem Grund: Seit wenigen Wochen ist er mit Sandra verlobt. Oertigs Partnerin kommt aus Sins. Die Aargauer Gemeinde grenzt an den Kanton Zug und ist nur wenige Kilometer von der Schwingerarena in Zug entfernt.

Anfahrtswege ausgekundschaftet

Dominik Oertig wird denn die kommenden zwei Nächte auch nicht im Lager des Nordostschweizer Schwingerverbandes verbringen, sondern bei seinen Schwiegereltern in spe. «Ich habe mir verschiedene Wege von ihnen zum Festgelände schon angeschaut, um am Samstagmorgen möglichst keine Zeit zu verlieren», sagt er und verrät, dass er den Wecker auf fünf Uhr stellen werde. Dass er die private Unterkunft bevorzugt, begründet Oertig auch damit, dass er sich so etwas zurückziehen könne. Er weiss noch gut, wie er in den Stunden vor dem Anschwingen von Estavayer wegen permanentem Autolärm nur schwerlich Schlaf bekam.

«Nachdem 2017 fast alles gepasst hatte, durchlief ich in den letzten zwei Saisons einen Lernprozess. Das gehört dazu.»

Wenn der Uzner dann morgen zweieinhalb Stunden nach dem Aufstehen in die Arena einmarschiert, wird er in der Minderheit der 276 Schwinger sein. Denn Dominik Oertig ist in der laufenden Saison noch kranzlos. Der Grund ist, dass er sich gleich beim Auftakt der Kranzfest- saison am 5. Mai verletzte. Im letzten Gang vom Thurgauer Kantonalen zog er sich im Duell mit Mario Schneider einen Bänderriss am rechten Ellbogen zu. Eine Operation war nicht nötig, doch Oertig wurde eine Schwingpause von sechs bis sieben Wochen verordnet.

Weil der Berufsalltag aber nicht ruhen konnte, kam er nicht darum herum, seinen Arm zu belasten, was den Heilungsprozess erschwerte. Als Landwirt arbeitet Oertig im 60-Prozent-Pensum im heimischen Betrieb. Bei Eichenberger Gartenbau in Gommiswald ist er zudem im Stundenlohn als Landschaftsgärtner angestellt.

Kein Selektionsdruck

Immerhin musste Oertig kein überstürztes Comeback erzwingen. Weil ihm aus dem Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV) signalisiert worden war, dass er – falls gesund – auch ohne Kranz fürs «Eidgenössische» selektioniert werden würde, brauchte er nicht zu zittern. Es war ein Zeichen von Anerkennung – eines, das sich der 1,83 Meter grosse Sennen-schwinger aber auch verdient hat.

Denn Dominik Oertig hat schon in sehr jungen Jahren bewiesen, zu was er im Stande ist. Als er im Mai 2014 seinen ersten Kranz gewann, war er 18-Jährig. Der Durchbruch gelang ihm in der Saison 2016 mit drei Kränzen, inklusive jenem am Nordostschweizer Schwingfest. Im Jahr darauf steigerte sich Oertig auf sechs Kränze und feierte im August 2017 auf dem Ricken seinen ersten Festsieg.

«Ich weiss, was möglich ist. Wenn ich einen guten Tag habe, muss ich mich vor keinem fürchten.»

In die zurückliegende Saison kam er wiederum gut rein, ehe ihn eine Rippenprellung einbremste. Seinen letzten von bisher 14 Kränzen eroberte der Uzner am 12. August des letzten Jahres. Nervös ist er wegen dieser Durststrecke nicht, er kann sie selber am besten einordnen: «Nachdem 2017 fast alles gepasst hatte, durchlief ich in den letzten zwei Saisons einen Lernprozess. Das gehört dazu und gleicht sich im Laufe der Zeit aus.»

Auch wenn es nach ausgestandener Ellenbogenverletzung noch nicht mit einem Kranz klappte, hat Dominik Oertig keinerlei Grund zum Zweifeln. «Es waren etwas Pech und auch taktische Fehler dabei. Mit meinen Leistungen an den Schwingfesten war ich aber durchs Band zufrieden», erklärt er. Er erwähnt starke Gänge wie jenen auf dem Weissenstein, als er den Eidgenossen Florian Gnägi bodigte.

Oertig-Tradition geht weiter

Dass er wieder gesund und vollständig erholt ist, lässt Oertig in Zug mit breiter Brust antreten: «Ich weiss, was möglich ist. Wenn ich einen guten Tag habe, muss ich mich vor keinem fürchten», sagt er. Um sich im Sägemehlring wohlzufühlen und gut schwingen zu können, muss er aber über Spritzigkeit und Explosivität verfügen. «Ob ich das habe, wird sich erst im Verlauf des Tages herausstellen. Das kann man nicht immer beeinflussen.»

Vater Hans (30 Kränze) und Cousin Adrian (40 Kränze) haben dafür gesorgt, dass der Name Oertig auf der Schwingerliste von «Eidgenössischen» längst Tradition ist. Diese setzt Dominik Oertig mit seiner zweiten Teilnahme fort. Bei der Premiere vor drei Jahren war für ihn mit einem Sieg, einer Niederlage und vier Gestellten nach dem Ausstich Schluss. Diesmal will er sich damit nicht zufriedengeben. Ansonsten hält er sich aber bedeckt: «Ich habe mir ein Ziel gesetzt, möchte dieses aber für mich behalten», sagt er.

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