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Auch ohne Giger wird es ein attraktiver Ricken-Schwinget

137 Schwinger, davon mehrere Eidgenossen und acht aus dem Glarnerland, steigen zum 61. Ricken-Schwinget ins Sägemehl. Favorit ist Reto Nötzli – sofern er denn antreten kann.

Südostschweiz
Montag, 06. August 2018, 04:30 Uhr Premiere für Rychen
Christof Kirchmeier (hinten, hier gegen Lars Rotach) ist einer der acht Glarner Schwinger auf dem Ricken.
JAKOB HEER

Am Donnerstag erreichte die Organisatoren die Hiobsbotschaft: Aushängeschild Samuel Giger schwingt morgen Sonntag nicht auf dem Ricken. Dies nicht, weil der 20-jährige Thurgauer, der in dieser Saison schon vier Kranzfeste gewonnen hat, wegen fehlenden Interesses von seiner Zusage abgewichen ist. Der Grund ist, dass der Bündner Armon Orlik verletzungsbedingt auf das gleichentags stattfindende Nordwestschweizer Teilverbandsfest verzichten muss. Nun schickt der Nordostschweizer Schwingerverband Giger als Sieganwärter nach Basel. Der zweite Vertreter aus dem NOS-Gebiet ist der Glarner Roger Rychen.

Nötzli ist noch unentschlossen

Ohne Samuel Giger steigt Reto Nötzli zum Topfavoriten am Ricken-Schwinget auf: Allerdings steht hinter seiner Teilnahme noch ein Fragezeichen. Der 28-jährige Eidgenosse aus Pfäffikon verletzte sich am 8. Juli am Rigi-Schwinget und verzichtete wegen der noch nicht ganz ausgeheilten Blessur am letzten Sonntag auf das Bergkranzfest auf dem Brünig. Er trainierte am Donnerstagabend erstmals seit einer Woche wieder und entscheidet kurzfristig, ob er auf dem Ricken an den Start geht. Der Ricken-Sieger von 2014 wäre jedenfalls ein Gewinn für das Fest.

Auch wenn Samuel Giger nicht dabei ist, wäre ein Thurgauer Sieger am Sonntag gar keine so grosse Überraschung. Denn Domenic Schneider, dem bereits 44-jährigen Stefan Burkhalter und dem wieder erstarkten Tobias Krähenbühl ist ein Sieg absolut zuzutrauen. Bisher gewannen erst zwei Thurgauer das Schwingfest auf dem Ricken: Enrico Matossi (1992) und Manuel Strupler (2007).

Ebenfalls dabei sind einige erstklassige Raufer aus der zweiten Reihe, die zum Teil Eidgenossen-Format haben. Zu ihnen gehören der mächtige Zürcher Samir Leuppi, Ruedi Eugster aus Quarten, die Appenzeller Martin Roth und Dominik Schmid, die Toggenburger Michael Rhyner und Beat Wickli oder der Märchler Florian Hasler.

Oertig kommt wieder in Form

Als Titelverteidiger tritt einer aus dem gastgebenden Schwingerverband Rapperswil und Umgebung an: Dominik Oertig. Der 22-jährige Uzner musste heuer nach einer Verletzung am «Baselstädtischen» im Mai viel Geduld aufbringen und verpasste einige Kränze. Obwohl ihm vor zwei Wochen auch auf dem Weissenstein nicht alles gelang, zeigte er dort einen guten Wettkampf, der ihm Auftrieb geben dürfte. So wurde sein hochstehender Gang mit Stoos-Sieger Lario Kramer vom Fachpublikum als einer der schönsten des Tages bezeichnet. Und sein Hüfter zum Abschluss gegen den Eidgenossen Remo Stalder erinnerte ganz an den Oertig aus dem Vorjahr.

Er und seine «Rapperswiler» Kollegen leisteten diese Woche wieder Schwerarbeit beim Aufstellen der Infrastruktur für das Ricken-Schwingfest. Trotzdem darf man von ihnen am eigenen Bergfest die eine oder andere Sonderleistung erwarten.

Glarner Oktett

Sonderefforts haben auch die acht antretenden Glarner Schwinger vor. Christian Jöhl, Christof Kirchmeier, Michael Laager (alle Mollis), Reto Landolt (Näfels), Christian Pianta (Mollis), Beni Rhyner (Ennnenda), Christian Schnyder (Näfels) und Mario Tschudi (Ennenda) möchten sich auf dem Ricken gut in Szene setzen.

Bodenständiger Rahmen

Am Ricken-Schwinget hat es auch für eine andere urwüchsige Sportart Platz: Das Steinstossen mit dem 45 Kilogramm schweren Rickenstein für die Männer wird wiederum ergänzt durch einen Wettkampf der Frauen mit einem leichteren Stein. Nach dem fünften Gang der Schwinger treten die besten Steinstosser jeder Kategorie zum Final vor «grossem» Publikum an.

Das Schwingfest wird wie immer durch Fahnenschwinger und Alphornbläser, Platz-Örgeler und eine Ländlerkapelle begleitet. Das traditionelle Ricken-Menü «Suppe mit Spatz» darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Es wird auch heuer von Küchenchef Ueli Steiner aus Schänis mit seinem fachkundigen Team in dem grossen «Kochkessi» auf Platz zubereitet und von den Schwingern serviert.

Premiere für Rychen

Zum ersten Mal in seiner Laufbahn geniesst Roger Rychen Gastrecht am Nordwestschweizerischen Teilverbandsfest. 2015 hatte er am Innerschweizerischen in Seedorf, 2017 am Südwestschweizer in Kerzers teilnehmen dürfen. Am Berner und Nordwestschweizer Teilverbandsfest war Rychen noch nie. Nun strebt der Glarner am Rheinknie seinen ersten NWS- Teilverbandskranz an. An einem auswärtigen Teilverbandfest dürfen nur je zwei Schwinger (bei einem Jubiläum drei) der anderen vier Verbände teilnehmen. Ein Schwinger darf nur maximal ein auswärtiges Teilverbandsfest pro Jahr besuchen. (JH)

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