Wie beim «Eidgenössischen»: Glarner jagen Rhyners Bestmarke
Vor 30 Jahren hat Albrecht Rhyner am Unspunnen-Schwinget den zwölften Platz belegt. Diese Marke will Roger Rychen übertreffen, während Reto Landolt alle sechs Gänge schwingen möchte.
Vor 30 Jahren hat Albrecht Rhyner am Unspunnen-Schwinget den zwölften Platz belegt. Diese Marke will Roger Rychen übertreffen, während Reto Landolt alle sechs Gänge schwingen möchte.
Der Unspunnenschwinget geht auf den Zusammenbruch der alten Eidgenossenschaft, verbunden mit der Abkanzelung des Berner Oberlands vom Kanton Bern, zurück. Schultheiss Niklaus Friedrich von Mülinen, ein reicher Schlossherr, verfolgte den Gedanken, mit einem Fest die Städtischen aus Bern und die Alphirten wieder zu vereinen. Von Mülinen hoffte, durch ein Nationalfest im grossen Stil die Zusammengehörigkeit der einzelnen Kantone stärken zu können. Dazu lud er alle Könige aus ganz Europa ein. Den Schwingern wurde gar ein Startgeld von fünf Franken bezahlt (und das im Jahr 1805). So fand 1805 das erste Alphirtenfest statt, und 1808 folgte das zweite.
Der Unspunnen-Schwinget war seit jeher ein Zweikampf zwischen den besten Bernern und Innerschweizern, und die Nordostschweizer waren lange Zeit gar nicht zugelassen. Seit 1976 steht der Anlass unter dem Patronat des Eidgenössischen Schwingerverbandes. 1987 ging ein langersehnter Wunsch des Schwingklubs Interlaken in Erfüllung. Der Unspunnen-Schwinget wurde in den Statuten des Eidgenössischen Schwingerverbandes verankert und gilt seither wie der Kilchberger Schwinget als Anlass mit eidgenössischem Charakter. Unspunnen und Kilchberger finden alle sechs Jahre statt, im Wechsel mit dem Eidgenössischen Schwingfest, das alle drei Jahre (das nächste Mal 2019 in Zug) ausgetragen wird.
Rang zwölf für Rhyner
Auf das Jahr 1987 geht auch eine gute Glarner Platzierung zurück. Albrecht Rhyner, der sich zwei Jahre später in Stans zum Eidgenossen krönen liess, war am Unspunnen mit zwei Siegen und zwei Gestellten auf Rang 12f gekommen. Im sechsten Gang vergab Rhyner eine bessere Platzierung mit einer Punkteteilung gegen den Berner Hünen Walter Stoll. Frühere Teilnahmen von Glarner Schwingern am Unspunnen sind schwer eruierbar, da erst 1987 erstmals alle Spitzenschwinger aus allen fünf Teilverbänden am Start waren. Dies wäre zwar schon 1981 der Fall gewesen, doch weil im gleichen Jahr der NOS-Verband seine besten Leute (Arnold Ehrensperger, Hans Hämmerli, Ernst Schläpfer, Kurt Schneiter) zuvor an ein auswärtiges Teilverbandsfest entsandt hatte, wurden diese für den Unspunnen-Schwinget gesperrt. Die Teilnehmerzahlen, die der Eidgenössische Schwingerverband vorgab, waren teilweise konfus. So waren 1993 nur 17 Nordostschweizer zugelassen. Dadurch schaffte kein Glarner die Selektion. Zum Vergleich: Bei der diesjährigen Austragung sind 31 NOS-Schwinger am Start.
«Die Blessuren von der Schwägalp sind vergessen. Nun freue ich mich auf den geschichsträchtigen Anlass.»
1999 schaffte Martin Huber (Glarus) die Qualifikation, Fridolin Beglinger war Ersatzschwinger. Huber realisierte gegen Benoit Zamofing einen Sieg. Für den Ausstich reichte dies jedoch nicht. 2006 und 2011 war der Glarner Verband zweimal durch Fridolin Beglinger, heutiger Technischer Leiter des Glarner Schwingerverbandes, vertreten. Er war es auch, der als letzter Glarner Schwinger den Ausstich (alle sechs Gänge) erreichte. «Auf meinen Auftritt 2006 bin ich besonders stolz. Es war einer meiner besten Wettkämpfe in meiner gesamten Laufbahn», betont der Molliser. Dies Aussage unterstreicht das Notenblatt: Beglinger duellierte sich mit den Eidgenossen Willy Graber, Hanspeter Pellet und zuletzt mit Thomas Zaugg. Damals wurde noch auf dem alten Festplatz bei der Bergruine geschwungen. «Dieser Platz hat mir viel besser gefallen. Die Arena war sehr eng, alles nahe beieinander und von der Stimmung her vergleichbar mit dem Brünig-Schwinget.» Es gibt aber noch einen zweiten Grund, weshalb Beglinger der alte Standort besser gefällt. An seine zweite Teilnahme 2011 auf der Höhenmatte verbinden Beglinger nämlich weniger gute Erinnerungen. Beglinger musste den Wettkampf wegen einer Schulterverletzung vorzeitig aufgeben. 2011 fand der Unspunnen-Schwinget erstmals auf der Höhenmatte statt. Die altehrwürdige Arena bei der Bergruine zwischen Interlaken und Wilderswil, wo das Fest seit der Gründung seinen Platz hatte, erfüllte die Sicherheitsvorschriften nicht mehr.
Rychen erneut gegen Sempach
Betrachtet man Beglingers Notenblatt von 2006, kommt morgen Sonntag auf die beiden Glarner Teilnehmer Reto Landolt und Roger Rychen eine geballte Ladung an Gegnern zu. Rychens Selektion stand ausser Frage. Der Molliser gewann 2017 sieben Kränze, darunter jene an den Bergfesten auf dem Stoos und Brünig sowie als Gast beim Südwestschweizer Teilverbandsfest. Vor Wochenfrist auf der Schwägalp hatte er im sechsten Gang Pech, als ihm das siegbringende Resultat nicht gegeben wurde. Wie seine Begleiter vor Ort war Rychen nach dem Fest nicht ganz zufrieden. «Zudem handelte ich mir auf der Schwägalp ein paar Blessuren ein. Doch das ist abgehakt. Nun freue ich mich, dass ich erstmals am geschichtsträchtigen Anlass in Interlaken an den Start gehen darf.»
Dieser wird traditionell vom Speaker der Nation, Dagoberth Cahannes, mit den Worten «Mannä id Hosä» um 8 Uhr eröffnet. Roger Rychen trifft im Anschwingen auf einen der bösesten Berner, Thomas Sempach. Ein Duell, das es erst vor Wochenfrist im fünften Gang auf der Schwägalp gegeben hat – mit dem besseren Ende für den Emmentaler. Rychen bietet sich nun die Gelegenheit für eine Revanche.
Ziel ist der Ausstich
Überraschender ist die Selektion von Reto Landolt. Der Näfelser erschwang heuer drei Kränze. «Mit dieser Selektion rechnete ich wirklich nicht», sagt der Zimmermann. Zum Vergleich: Der mittlerweile zurückgetretene Peter Horner realisierte 2011 auch drei Kränze, wurde damals fürs Unspunnen aber nicht berücksichtigt. «Der gute Auftritt im Klöntal, wo er den Schlussgang erreichte, hat Reto bei der Selektion sicherlich geholfen», betont Fridolin Beglinger. Landolt hat sich für den Saisonhöhepunkt ein klares Ziel gesteckt: «Ich will alle sechs Gänge absolvieren.»
Etwas höher liegt die Messlatte beim eidgenössischen Kranzschwinger Roger Rychen. «Ich traue ihm drei Siege zu. Gewinnt er vier Duelle, darf man sehr zufrieden sein», äussert sich Beglinger zu seinem Zugpferd. Beglinger selbst ist 2017 ebenfalls wieder mit dabei – im Betreuerstab des NOS-Teams.
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