Neuland in Lappland
Erstmals durfte Desirée Steiner am Freitag beim Langlauf-Weltcupstart im finnischen Ruka-Kuusamo präsent sein. Dass sie dies mit 26 Jahren tut, dokumentiert den Werdegang mit Hindernissen der Davoserin.
Erstmals durfte Desirée Steiner am Freitag beim Langlauf-Weltcupstart im finnischen Ruka-Kuusamo präsent sein. Dass sie dies mit 26 Jahren tut, dokumentiert den Werdegang mit Hindernissen der Davoserin.
Aufstieg in der Hierarchie
Steiner ist in der Equipe von Trainerin Karoline Moen Guidon im letzten Winter plötzlich zur Leistungsträgerin avanciert. Und die seit der vergangenen Saison federführende Tochter des früheren Engadiner Weltklasseathleten Giachem Guidon legt die Messlatte bei ihrer Athletin hoch an. «Sie hat einen sehr, sehr guten Sommer hinter sich», sagt Moen Guidon vor dem Aufbruch in den hohen Norden am vorsaisonalen Medientermin von Swiss-Ski. Steiner pflichtet dem bei, auch sie fühlt sich bereit für den nächsten Schritt.
Mehr Teamgedanke
Bleibt die Frage, weshalb im Vorjahr unter der Ägide der vormals in Norwegen engagierten neuen Trainerin ein Leistungssprung gelang. Rückblende: Steiner hatte mit einem 12. Rang an den Junioren-Weltmeisterschaften im Goms 2018 ein gewisses Potenzial angedeutet. Der heikle, in der Ausdauersportart Langlauf Jahre beanspruchende Übergang zu den Aktiven schien indes in einer Sackgasse zu enden. «Durch Trainer Toni Livers und die neue Gruppe habe ich vor zwei Jahren die Freude am Langlauf wiederentdeckt», sagt Steiner.
Ihre Trainerin wählt einen ähnlichen Ansatz. In ihrer Analyse des Zustands des Schweizer Frauenlanglaufs stellte sie fest, «dass Athletinnen wie Desirée Steiner im Trainingsalltag zu sehr auf sich alleine gestellt waren und nicht vorankamen.» Steiner lobt den neu herrschenden Teamspirit und sagt: «Karoline bringt jene Lockerheit mit, die uns allen guttut.»
Das neue Kollektivdenken liess Steiner im letzten Winter erstmals dezent an die Pforte zur Weltklasse anklopfen. Als essenzielles Standbein in ihren Bemühungen erwies sich der Sprint. Sowohl in Falun als auch in Lahti glückte ihr in der Schlussphase des vergangenen Winters der Sprung ins Halbfinale im Weltcup. Und wer einmal dort war, der hat Appetit auf mehr. Sie sagt: «Ich weiss nun, wie es sich anfühlt, einen Halbfinal zu bestreiten. Jetzt plane ich, noch ein wenig frecher aufzutreten.»
Eine Festlegung auf den Sprint ist derweil nicht geplant. Steiner definiert sich als in beiden Stilarten kompetitive Allrounderin, wobei sie lieber in der klassischen Technik unterwegs ist. Ihr Faible für den Distanzbereich offenbarte sie im vergangenen Winter an der Tour de Ski, dem prestigeträchtigen Mehrtagespektakel des Langlaufs über den Jahreswechsel. Rang 16 im Massenstartwettkampf in Val di Fiemme sowie Gesamtrang 21 dokumentieren ihre Ambitionen.
Grosses Pensum geplant
Nun beginnt im hohen Norden der schwierige Winter der Bestätigung. Es soll der Weg einer langen Reise sein. Ja, Steiner sei als Athletin in ihrem Team vorgesehen, die im Idealfall mehr oder minder die komplette Weltcupsaison absolvieren soll, betont Moen Guidon. Steiner bringt bei diesen Bemühungen nicht bloss ihren warm gelaufenen grossen «Motor» mit, sie betont auch ihre Resilienz für den Langlaufsport. Krank sei sie sehr selten. Das sind definitiv ideale Voraussetzungen für die nächste Evolutionsstufe in der Loipe.
Nachdruck eines Textes von Johannes Kaufmann aus der SO mit Genehmigung.
Seit dem Gespräch mit Désirée Steiner fanden die Wettkämpfe in Ruka statt. Steiner erreichte Platz 45 über zehn Kilometer sowie Rang 37 im Sprint.
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