×

2022 – das Jahr ohne Olympische Spiele in Graubünden

2022 – das Jahr ohne Olympische Spiele in Graubünden

Am 4. Februar beginnen die Olympischen Winterspiele in Peking. Diese hätten auch in Graubünden stattfinden können – wenn die Kandidatur gutgeheissen worden wäre. Wir blicken zurück.

Simone
Zwinggi
10.01.22 - 04:30 Uhr
Mehr Sport
Unerfüllter Traum: Die Bündner Bevölkerung lehnte eine Bündner Kandidatur für die Olympischen Spiele 2022 ab.
Archivbild

Die Ausübung von Wintersport hat in Graubünden Tradition: Der Engadiner Johannes Badrutt etwa lockte das erste Mal im Winter 1964/65 Engländer nach St. Moritz, wo diese die Wintersonne und die sportliche Betätigung im Schnee schätzen lernten. Der Wintertourismus nahm so seinen Anfang. In Davos wurde am 24. Dezember 1934 der erste Bügellift der Welt in Betrieb genommen: der Bolgenlift. 

Auch bei der Austragung von Olympischen Spielen gehört Graubünden zu den Pionieren: So fanden 1928 die zweiten Olympischen Winterspiele der Geschichte in Graubünden statt, genauer in St. Moritz. 1948 wurden die Winterspiele erneut im Oberengadin ausgetragen. Seither aber ist die Schweiz zwar stolz auf all ihre Olympiasieger und Olympia-Medaillen-Gewinner, Gastgeber will sie aber nicht mehr sein.

Wir könnten jetzt olympisch sein

Es war am 3. März 2013, als 41’758 Bündnerinnen und Bündner Nein sagten zu einer Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022. Das entsprach knapp 53 Prozent der abgegebenen Stimmen. Doch das Thema Olympiakandidatur in der Schweiz nahm schon viel früher seine Anfänge. Eine Übersicht:

2. März 1988: Eine Bündner Olympia-Kandidatur wird mit 77 Prozent der Stimmen abgelehnt. 

In den 1990-er-Jahren: Das Wallis bewirbt sich mit einer Kandidatur für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2006 – Sion 2006 lautete der Kandidaturname.

Juni 1999: Sion 2006 erhält vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine Absage. Die Spiele finden 2006 in Turin statt.

Herbst 2010: Swiss Olympic evaluiert, ob eine Schweizer Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022 Sinn machen würde und schreibt interessierte Regionen an, damit diese ihre Meinung kundtun können.

Oktober 2010: Eine Arbeitsgruppe rund um den damaligen FDP-Nationalrat Tarzisius Caviezel will die Olympischen Spiele nach Graubünden holen.

Ende 2011: Der Verein XXIV. Olympische Winterspiele Graubünden 2022 wird für die Vorbereitung und Promotion einer Kandidatur ins Leben gerufen. 

Anfang 2012: Gian Gilli wird Kopf des Pro-Olympia-2022-Teams. 

Überall mit dem olympischen Steinbock unterwegs: Gian Gilli weibelt im ganzen Kanton für eine Bündner Olympiakandidatur.
Archivbild

Anfang September 2012: Der Bundesrat gibt seine Unterstützung für eine Olympiakandidatur bekannt und stellt dazu 30 Millionen Franken in Aussicht und spricht eine Defizitgarantie von einer Milliarde Franken.

September 2012: Auch die Bündner Regierung steht hinter einer Olympia-Kandidatur 2022. Sie führt die positiven wirtschaftlichen Effekte ins Feld: Sie rechne mit einem Beschäftigungseffekt von 12’000 – 15'000 Vollzeitstellen im Kanton und rund 30'000 Stellen in der ganzen Schweiz, macht sie bekannt und beantragt beim Grossen Rat einen Verpflichtungskredit von acht Millionen Franken. Die Regierung rechnet mit Gesamtausgaben bis 2,8 Milliarden Franken, mit Einnahmen von 1,5 bis 1,8 Milliarden Franken und einem Defizit von 1 bis 1,3 Milliarden. Franken.

Herbst/Winter 2012/13: Beide Seiten – Pro und Contra Olympia – sind im ganzen Kanton aktiv.

Die Befürworter sind überzeugt, dass die Spiele dank bereits bestehender Infrastruktur und temporären Bauten, dank jahrelanger Erfahrung bei der Durchführung von Wettkämpfen auf höchster Stufe – etwa in St. Moritz, Davos, Flims/Laax – nachhaltig sein werden. Die Wirtschaft werde einen Aufschwung erhalten und die Infrastruktur im Kanton – Strasse und Bahn – könnte im Zuge dieser Spiele aufgewertet werden.  

Die Gegner, vor allem Umweltverbände, die SP, Juso, Verda Graubünden und der Bündner Heimatschutz, argumentieren, dass Olympische Spiele weder sozial verträglich noch umweltfreundlich seien, dass sie weder wirtschaftlich, ökologisch noch sozial nachhaltig seien. Der Internetauftritt der Olympiagegner ist noch immer aktiv. Dort werden laufend Neuigkeiten zu den aktuellen Olympischen Spielen publiziert.

3. März 2013: Graubünden sagt mit einem Stimmenanteil von rund 53 Prozent Nein zu einer Olympiakandidatur. Das Abstimmungsergebnis zeigt: Je näher die Gemeinden bei den potenziellen Austragungsorten liegen, desto eher war die Bevölkerung für eine Olympiakandidatur zu begeistern. So sagten beispielsweise Davos und St. Moritz Ja zu den Kandidaturbeiträgen.

Nachdem ursprünglich neben Graubünden auch Oslo, Stockholm, Krakau und Lwiw (Ukraine) Pläne für eine Olympiakandidatur hatten, regte sich bei der Bevölkerung dieser Regionen und Länder immer mehr Widerstand. Letztlich reichten nur Almaty (Kasachstan) und Peking eine Kandidatur ein. 

Oktober 2014: Der Bündner Gewerbeverband denkt über eine erneute Olympiakandidatur 2022 nach, nachdem Oslo sich selbst aus dem Rennen nahm.

31.7.2015: An der 127. Session des IOC in Kuala Lumpur wird entschieden: Peking wird Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2022.

Februar 2017: Ein weiteres Mal stimmt das Bündner Stimmvolk über eine Kandidatur für Olympische Winterspiele ab, dieses Mal über jene im Jahr 2026. Auch dieses Mal legt das Bündner Stimmvolk ein klares Nein in die Urne. 

März 2017: Swiss Olympic entscheidet, die Kandidatur Sion 2026 zu lancieren. 

Juni 2018: Die Walliser Stimmbevölkerung sagt Nein zu einer Kandidatur Sion 2026. Damit sind Olympische Winterspiele in der Schweiz (vorerst) vom Tisch.

Ein Blick in die Sterne

Vom 4. bis 20. Februar finden die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking statt. Die Schweizer Delegation stellt in verschiedenen Disziplinen Anwärterinnen und Anwärterinnen auf Medaillen oder gar Siege – allen voran Marco Odermatt, der Schweizer Überflieger im Ski Alpin. 

Im Jahr 2026 werden die Olympischen Winterspiele in Norditalien mit den beiden Hauptorten Mailand und Cortina d’Ampezzo stattfinden. Für die Spiele im Jahr 2030 haben Sapporo (Japan), die USA, Argentinien, Spanien und Georgien ihr Interesse an einer Ausrichtung bekundet. Ob die Schweiz sich jemals wieder als Gastgeber für Olympia präsentieren wird, steht in den Sternen.

Kommentieren

Kommentar senden
Mehr zu Mehr Sport MEHR