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Schweizer Ironman-Titelrekordhalter Ronnie Schildknecht plant um

Langdistanz-Triathlet Ronnie Schildknecht (40) verschiebt wegen der Corona-Pandemie seine geplante Abschieds-Saison auf 2021.

Agentur
sda
Dienstag, 12. Mai 2020, 14:34 Uhr Triathlon
Der elffache Ironman-Titelgewinner Ronnie Schildknecht (im Archivbild von der Ironman-WM 2018) will 2021 in seinem 42. Altersjahr noch ein letztes Mal angreifen
Der elffache Ironman-Titelgewinner Ronnie Schildknecht (im Archivbild von der Ironman-WM 2018) will 2021 in seinem 42. Altersjahr noch ein letztes Mal angreifen
KEYSTONE/EPA/BRUCE OMORI

Schildknecht, der als neunfacher Gewinner der Rekord-Champion des Ironman Switzerland und mit insgesamt elf Titeln der Schweizer Ironman-Rekord-Titelgewinner bei den Männern ist, gab seine Planänderung in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bekannt.

Ronnie Schildknecht, vor ein paar Monaten kündigten Sie fürs laufende Jahr Ihre Abschiedssaison an.

«Das war auch mein ursprünglicher Plan. Die Corona-Pandemie wirbelte nun aber alles durcheinander. Auch die Ironman-WM auf Hawaii wird, so wie es aussieht, nicht stattfinden in diesem Jahr. Deshalb entschied ich mich nun, meinen Abschied erst 2021 zu geben.»

Sie könnten theoretisch noch in diesem Jahr den Halb-Ironman von Rapperswil-Jona zu ihrem Abschiedsrennen erklären, falls dieses am Ersatzdatum 13. September auch wirklich durchgeführt wird.

«Wenn in diesem Jahr Rapperswil-Jona noch ausgetragen wird, werde ich dort sicher auch antreten. Es wäre aber nicht mein Abschiedsrennen. Ich fand gegenüber den Sponsoren, aber auch gegenüber mir selbst, dass ich einen guten Abschluss machen kann und will. Und falls es in Thun 2021 ein Männer-Rennen bei den Profi gibt, möchte ich gerne dort und somit am Ironman Switzerland mein Abschiedsrennen geben. Der Ironman Switzerland hat meine Karriere geprägt. Ein Ironman-Abschied im eigenen Land wäre schön, auch wenn dies nun nicht mehr in Zürich der Fall ist. Ich möchte aber in Thun nicht nur einfach dabei sein, sondern will vorne mitmischen und nach Möglichkeit gewinnen. Ich würde auch nicht ausschliessen, im Falle einer Qualifikation für Hawaii im Oktober 2021 auch dort nochmals zu starten.»

Dafür müssten Sie in ihrem 42. Altersjahr wahrscheinlich zum zehnten Mal den Ironman Switzerland gewinnen. Jenseits der 40 bei den Männern noch auf Weltklasse-Level Ironman-Triathlon bestreiten zu können, ist schwierig, aber nicht unmöglich. Der sechsfache Ironman-Weltmeister Dave Scott war mit 42 noch Ironman-WM-Zweiter auf Hawaii, der Amerikaner Andy Potts schaffte es auch noch jenseits der 40 auf Hawaii in die Top Ten oder gewann wie der Neuseeländer Cameron Brown auch noch selbst Ironman-Wettkämpfe. Tauschen Sie sich mit solch erfolgreichen Veteranen aus?

«Ja, das ist so. Ich kenne Potts und Brown gut. Brown sagte mir, dass er mit dem Alter einfach mit dem Training nie richtig aussetze, also quasi keine Ruhewoche einschalte, stets aktiv bleibe. Dies geht sicher, wenn man zumeist gesund ist. Und in dieser Beziehung hatte ich in meiner bisherigen Karriere Glück. Ich war nur wenig verletzt. Es verhält sich aber schon so, dass man als älterer Athlet mehr einschätzen muss, wie viel erträgt es, um sich nicht zu verletzen. Früher musste ich mich nur fragen, wie viel und was es braucht, um in Form zu kommen.»

Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass der Ironman auf Hawaii in diesem Jahr im Oktober doch noch stattfindet.

«Eine Massenveranstaltung mit den Altersklassen-Athleten sehe ich nicht. Mit dem letztjährigen Profifeld ein reines Profirennen durchzuführen wäre sicher eine Variante. Oder den Event in den Februar mit Profi und Altersklassen-Athleten verschieben.»

Wie kamen oder kommen Sie eigentlich als Familienvater und Athlet persönlich durch die Corona-Krise?

«Es gab zu Beginn viele Ungewissheiten, auch wegen der Schule. Inzwischen scheint alles ein bisschen unter Kontrolle. Als Athlet änderte sich mein Tagesablauf nicht enorm durch die Corona-Pandemie. Ich konnte immerhin weitertrainieren, abgesehen vom Pool-Schwimmen. Die Sponsoren haben nun natürlich schon entsprechende Kürzungen vorgenommen. Man merkt, dass die Firmen durch den Shutdown am Leiden sind. Die Situation ist für alle nicht einfach.»

Sie haben Ihre Nach-Karriere mit einigen Projekten quasi schon aufgegleist. Sie managen beispielsweise mit dem Deutschen Sebastian Kienle den Ironman-Weltmeister von 2014.

«So ist. Ebenso beispielsweise auch den ehemaligen amerikanischen Ironman-WM-Zweiten Ben Hoffman oder Imogen Simmonds (die zweitbeste Schweizer Langdistanz-Triathletin hinter Daniela Ryf - Red.). Dann wirke ich auch noch als Triathlon-Teammanager. Da ich auch ein gutes Netzwerk in die USA habe, bin ich zudem beispielsweise auch Mitgründer eines amerikanischen Regeneration-Drinks auf weiblicher Hanfbasis CBD, der entzündungshemmend und bei der Erholung hilft. Auch bin ich bei einem Start-Up eines Dresses dabei, der Messdaten der Körpertemperatur unter Höchstleistung angibt. Die entsprechenden Parameter können vom Training in den Wettkampf übertragen und zielgerecht gesteuert werden. Das sind alles so Sachen, die einerseits auf mich zugetragen wurden, die mich andrerseits selbst interessieren und die mir auch ein Einkommen ermöglichen.»

Wenn Sie schon jetzt auf Ihre Laufbahn zurückblicken würden. Was waren die bislang schönsten Erinnerungen und wann verzeichneten Sie einen markanten Tiefpunkt?

«Es gab mehrere schöne Erfolge. Die wiederholten Bestätigungen meiner Siege am Ironman Switzerland beispielsweise. Und dann natürlich der vierten Rang an der Ironman-WM von 2008. Eine grosse Enttäuschung war für mich meine Aufgabe am Ironman Switzerland von 2017 aufgrund einer Wadenverletzung.»

Bei den Schweizer Ironman-Männern zeichnet sich ein Nachwuchs-Problem ab. Sven Riederer trat bereits zurück, Sie werden dies nächstes Jahr tun und Ruedi Wild dürfte wohl auch nicht mehr allzu lange weitermachen. Dasselbe trifft auf Philipp Koutny zu. Und hinter dem «Benjamin» unter den Besten, dem zweifachen Ironman-Switzerland-Gewinner Jan van Berkel (34), stösst kein Jüngerer mit Titel-Potenzial nach.

«Florin oder Andrea Salvisberg könnten bald einmal auf die Langdistanz wechseln und hätten sicher das Potenzial für Ironman-Siege. Ich denke aber, dass es wieder 20 Jahre gehen wird, bis ein Schweizer elf oder mehr Ironman-Titel gewinnen können wird. Ich bin sicher zufrieden mit meiner Karriere. Dass ich in Hawaii die Top 3 nicht knackte, ist sicher ein Wermutstropfen. Doch vielleicht erhalte ich ja nächstes Jahr nochmals eine Chance, wenn ich den Ironman Switzerland gewinne.»

Haben Sie denn Gewissheit, dass es beim Ironman Switzerland 2021 in Thun auf jeden Fall ein Männer-Rennen geben wird.

«Das müssen wir einfach hinkriegen. Ich habe persönlich einen guten Draht zur Ironman-Zentrale in die USA. Ich will mich auf jeden Fall dafür einsetzen, dass im nächsten Jahr in Thun auch wieder ein Männer-Profifeld vorgesehen ist. Ich denke, dass sich da auch Jan van Berkel für einen entsprechenden Kampf mobilisieren lassen wird.»

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