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Matteo Badilatti: Ein Phänomen aus dem Puschlav

Als 20-Jähriger hat Matteo Badilatti das Radfahren entdeckt. Heute, fünf Jahre später, gehört er bereits zu den stärksten Bergspezialisten des Landes.

Tobias
Kreis
Donnerstag, 31. August 2017, 05:00 Uhr Rad
Matteo Badilatti diesen August an der Vuelta a Colombia.
CICLISMO EN LINEA

10‘000 Trainingsstunden sind vonnöten, um es in einer kompetitiven Sportart zum Profi zu schaffen. Das sagt die Trainingswissenschaft. Bei Radfahrer Matteo Badilatti scheint es deutlich schneller zu klappen. Obwohl bereits 25 Jahre alt und damit im besten Sportleralter, dürfte der Gesamtumfang seiner Trainingsstunden auf dem Rad etwa die Hälfte betragen.

Er sei zwar ein sportbegeistertes Kind gewesen und habe allerlei ausprobiert, «das Radfahren habe ich aber erst 2012 entdeckt», sagt Badilatti. Zunächst pedalierte der Mann aus Poschiavo als Ausgleich zum BWL-Studium an der Universität St. Gallen, wo er 2016 das Bachelor-Diplom erlangte, «dann trainierte ich mehr und mehr und begann an Rennen teilzunehmen.»

Klein und leicht: Badilatti fühlt sich in den Bergen am wohlsten.
FEDERATION COLOMBIANA DE CICLISMO

Mittlerweile sitzt Badilatti 20 Stunden pro Woche im Sattel. Überwiegend im Puschlav und im Veltlin, wo er die nahegelegenen Pässe rauf und runter jagt. Dabei trägt er das Trikot des Veloclubs Mendrisio-PL Valli Mapei.

Komplettes Neuland

50 Rennen wird Badilatti Ende 2017 bestritten haben, die meisten davon in Italien, Frankreich und der Schweiz. Eine Ausnahme bildete die Vuelta a Colombia in den ersten beiden Augustwochen. Swiss Cycling hatte eine Einladung der Organisatoren erhalten. Als einer der besten Bergfahrer des Landes gehörte Badilatti zum Aufgebot des Schweizer Verbands.

Erstmals durfte er sich an einer zweiwöchigen Rundfahrt beweisen und sich dabei gegen die stärksten Talente des Radsportlandes Kolumbien messen – ein unvergessliches Erlebnis: «In zwölf Etappen absolvierten wir um die 1700 Kilometer mit weit über 20'000 Höhenmetern. Zweimal war das Ziel auf über 3500 Metern über Meer gelegen. Auf dieser Höhe Rennen zu bestreiten war für uns Europäer komplettes Neuland.»

In Kolumbien war Badilatti (ganz links) Teil der Schweizer Auswahl.
CICLISMO EN LINEA

Rang 78 belegte Badilatti am Schluss. Ein Resultat, das jedoch keinerlei Aussagekraft besitzt, hatte er doch bei einem Sturz auf dem neunten Teilstück viel Zeit und Kraft verloren. «Rückblickend bin ich sehr zufrieden damit, dass ich das Rennen beenden und damit wichtige Erfahrungen für die Zukunft machen konnte», sagt der Puschlaver.

Den Traum leben

Erfahrungen sind genau das, was Badilatti derzeit haufenweise sammeln möchte. Denn in den kommenden Jahren will er voll auf die Karte Radsport setzen. Seit dem Abschluss des Studiums sei er Profi – und genau so stellt er sich auf die Zukunft vor: «Von seiner Passion leben zu können, ist schliesslich jedermanns Traum.»

Ob Spätstarter Badilatti seine Ziele in den nächsten Jahren wird verwirklichen können, hängt nicht zuletzt von etwaigen Vertragsangeboten ab, wenn im Oktober die Wettkampfsaison zu Ende geht. Bis dann wird er noch einige Male im Einsatz stehen. Am 10. September zum Beispiel beim Bergrennen Chur-Arosa, bei dem er vergangenes Jahr Rang 3 belegte.

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