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Ehemals deutsche Tugenden bei Schweizer Nationalmannschaft

Ehemals deutsche Tugenden bei Schweizer Nationalmannschaft

Martin Maleck ist Teamarzt der Schweizer Nationalmannschaft. Der Bündner mit deutschen Wurzeln spricht über ehemals deutsche Tugenden bei den Schweizern.

Südostschweiz
vor 2 Monaten in
Fussball

Die Schweiz hat gegen Weltmeister Frankreich Schweizer Fussballgeschichte geschrieben. Dass die Mannschaft nach dem 1:3-Rückstand nochmals zurückkam, die Verlängerung überstand und im Penaltyschiessen nach zuvor 120 Minuten Spielzeit gewann, sei aber keineswegs ein Zufall, sagt Martin Maleck.

In seiner 20-jährigen Tätigkeit als Teamarzt beim Schweizer Fussballverband hat er eine Wandlung festgestellt. «Die Siegermentalität, die früher die deutsche Mannschaft ausmachte, kann man nun bei unserem Team sehen. Den unbedingten Siegeswillen, den wir im Spiel gegen Frankreich gezeigt haben, ist eine grosse Stärke». Gerade wenn ein Spiel in die Verlängerung oder ins Elfmeterschiessen gehe, komme diese Stärke zu tragen, so Maleck weiter.

Hinzu komme die starke Physis. Abgesehen vom Italien-Spiel, seien die Schweizer eine jener Mannschaften, die am meisten Kilometer pro Spiel abspule. Und im Spiel gegen Frankreich sei augenfällig gewesen, dass die Schweizer physisch stärker gewesen seien. «Wir sind stolz darauf, dass die Spieler extrem fit in das Spiel gehen und wenn die Kräfte des Gegners nachlassen, wir physisch überlegen sind. Das war auch im Frankreich-Spiel so.»

Erholung als Teamarbeit

Ein Spiel wie gegen Frankreich sei nicht nur körperlich, sondern auch mental stark belastend. Nun liege der Fokus darauf, die Batterien – physisch wie mental – wieder aufzuladen. Das sei eine Teamarbeit, die in diesen Tagen mehrere Fachleute beschäftige: vom Physio, über den Mentaltrainer bis zum Sportwissenschaftler und dem Teamarzt. Wie trainiert wird, wie viel Erholungszeit es braucht und wie regeneriert wird, sind Fragen, die im Team besprochen werden.

Sowohl der Schweiz als auch Spanien stehen bis und mit Freitag vier Tage zur Erholung zur Verfügung. Wichtig war laut Maleck, dass auch Spanien im letzten Spiel über 120 Minuten spielen musste.

Einen Nachteil seit Turnierbeginn hat die Schweiz gegenüber Spanien, was die Distanzen betrifft, welche nach jedem Spiel zurückgelegt werden mussten. Von Baku ging es fürs zweite Spiel nach Rom, dann wieder zurück nach Baku, um im Achtelfinale in Bukarest anzutreten. Fürs Viertelfinalspiel gegen Spanien reiste die Schweiz nach St. Petersburg. Währenddessen spielte Spanien alle Gruppenspiele zu Hause in Sevilla und bestritt das Achtelfinale in Kopenhagen. «Das macht uns die Arbeit sicher nicht leichter», bestätigt Maleck.

Der gebürtige Berliner zieht den zweiten Vergleich zu seinem Heimatland Deutschland. Diese hätten alle Gruppenspiele zu Hause in München bestreiten können, beschweren sich dann aber dass sie vor dem England-Spiel nicht im Wembley hätten trainieren können. Die Schweizer hingegen zeigen trotz der Vielreiserei auch hier eine ganz andere Mentalität, wie Maleck erklärt: «Für uns war das immer eine Art Motivation. Wir sagten uns: Jetzt erst recht!»

Die ehemals deutschen Tugenden, die der Teamarzt nun bei den Schweizern ausmacht, könnten das Team weit bringen, ist Maleck überzeugt. «Es war schon früher alles möglich. Nun ist es aber noch möglicher.»

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