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Spanien lernt schnell

Spanien, der Viertelfinal-Gegner der Schweiz am Freitag in St. Petersburg, kommt an dieser EM mit einer neu formierten Mannschaft immer besser in Fahrt.

Agentur
sda
30.06.21 - 05:00 Uhr
Fussball

Wie kurz der Weg im Fussball von Versagern zu Hoffnungsträgern ist, wissen die spanischen Spieler spätestens nach den letzten Tagen ganz genau. In den ersten beiden EM-Partien enttäuschte der Weltmeister von 2010 auf der ganzen Linie. In Sevilla, wo die Spanier gegen Schweden und Polen versuchten, ihr Kombinationsspiel aufzuziehen, hagelte es Kritik. Es war zu oft ein monotones Ballgeschiebe ohne richtige Torgefahr.

Luis Enrique hielt trotzdem an seiner Taktik fest, an diesem «Tiqui-Taca», dem die Spanier ihre grössten Erfolge verdanken. Es sei ihm nie durch den Kopf gegangen, etwas Grundlegendes zu verändern, versicherte der 51-Jährige, der den FC Barcelona zwischen 2014 und 2017 zu zwei Meistertiteln und einer Champions-League-Trophäe coachte. Der Lohn für seine Beharrlichkeit waren ein 5:0 gegen die Slowakei im abschliessenden Gruppenspiel und das 5:3 nach Verlängerung gegen dem WM-Zweiten Kroatien im Achtelfinal.

Dass Enrique seinen Weg konsequent geht, überrascht nicht. Er fällte schon bei der Ernennung des EM-Kaders riskante Entscheid. Er nominierte nur 24 anstatt der erlaubten 26 Spieler und verzichtete auf den einen oder anderen Routinier, in erster Linie auf Abwehr-Haudegen Sergio Ramos. Dafür steht in der Innenverteidigung mit Aymeric Laporte ein gebürtiger Franzose, der beim Weltmeister nie eine Chance erhielt.

Die wundervolle Lektion

Die Abwehr ist nicht das Prunkstück der Spanier. Das hat auch viel damit zu tun, dass, wenn der Gegner in die Nähe des Strafraums kommt, meistens höchste Gefahr herrscht. Das hat sich auch gegen die Kroaten gezeigt, die in den letzten Minuten der regulären Spielzeit mit einem Sturmlauf noch zwei Tore erzielten und die Verlängerung erreichten.

«Diese zehn Minuten sind eine Lektion für uns», sagte Enrique nach dem Match. «Wir müssen immer unsere Stärken ausspielen und uns nicht in die Verteidigung zurückdrängen lassen. Wir müssen den Ball zirkulieren lassen, nach vorne spielen.» Es sei aber eine wundervolle Lektion: «Weil sie von einem Sieg begleitet ist.»

Der Sieg gegen Kroatien fiel überzeugender aus, als das Resultat vermuten lässt. Eine Stunde lang kombinierte Spanien nicht nur, sondern erspielte sich auf viele Torchancen. Der Sturm mit Pablo Sarabia, Alvaro Morata und Ferran Torres überzeugte, das Mittelfeld um den nach seiner Corona-Infektion zurückgekehrten Sergio Busquets zeigte sich ballsicher.

Aufbau und Reifeprozess

Dass die Steigerung von Spanien ab dem Match gegen die Slowakei einhergeht mit der Rückkehr von Busquets, dürfte kein Zufall sein. Der 125-fache Internationale ist das defensive Gewissen und mit Abstand der erfahrenste Spieler in einer Mannschaft, in der im Achtelfinal am Montag nur zwei weitere Akteure in der Startformation standen, die mehr als 30 Länderspiele absolviert haben.

«Wir verbessern uns von Spiel zu Spiel», freute sich Captain Busquets. Und Morata ergänzte: «Wir mussten eine neue Mannschaft aufbauen und sind in einem Reifeprozess. Wir können gegen jeden gewinnen, aber auch verlieren.» Bislang stellte sich Spanien allen Widrigkeiten erfolgreich, wie etwa gegen Kroatien dem Fehler von Goalie Unai Simon, der zum 0:1 führte, oder der Baisse zum Ende der regulären Spielzeit.

Der Blick nach vorne fällt bei den Spaniern noch vorsichtig aus. «Die Schweiz spielt auf einem hohen Niveau», sagt Enrique, der mit seinem Team 2020 in der Nations League zweimal gegen die Mannschaft von Vladimir Petkovic gespielt hat (1:0 und 1:1). Die erst zweite Niederlage im 23. Länderspiel gegen die Schweiz würde nicht nur das Out bedeuten, sondern wohl auch das spanischen Pendel wieder mehr in Richtung Versager ausschlagen lassen.

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