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«Wir müssen sehr diszipliniert sein»

Seit dieser Woche dürfen auch die Breitensportler hierzulande unter den gegebenen Vorsichtsmassnahmen wieder zusammen trainieren. Ein Augenschein bei den B-Junioren des FC Glarus von Trainer Renato Micheroli.

Paul
Hösli
Samstag, 16. Mai 2020, 04:30 Uhr Trainings des FC Glarus
Spezielle Bedingungen: Die Junioren B des FC Glarus um Trainer Renato Micheroli trainieren in Vierergruppen und mit dem nötigen Abstand.
SASI SUBRAMANIAM

Auf den ersten Blick wirkt alles ganz normal. Die Junioren B des FC Glarus trainieren bei idealem Trainingswetter Passübungen auf dem topgepflegten Buchholzrasen. Trainer Renato Micheroli beobachtet die Jungkicker mit Argusaugen, greift ein, wenn ihm etwas nicht gefällt. «Du musst dem Ball entgegenlaufen und ihn dann mitnehmen», korrigiert der ehemalige NLB-Fussballer Micheroli einen seiner Schützlinge.

Nach zwei Monaten dürfen die Breitensportler ihrem geliebten Hobby wieder gemeinsam nachgehen. So wie vor Corona ist am Donnerstagabend in Glarus aber sehr wenig. «Die Hauptsache ist, dass wir wieder trainieren dürfen und es macht auch unter Einschränkungen Spass. Beim ersten Training am Dienstag waren die Jungs richtig ‘giggerig’ auf den Ball», erzählt Renato Micheroli. Er räumt dennoch ein: «Das achtseitige Schutzkonzept des Verbandes schränkt das Training schon extrem ein und verändert es. Auch die Trainingsplanung und Umsetzung ist mit einem grossen Mehraufwand verbunden. Zum Glück habe ich einen Assistenten, sonst wäre es schwierig.»

Lob für die Gemeinde

«In erster Linie machen wir es für die Jungs, damit sie wieder an die frische Luft gehen und für zwei Abende in der Woche die Spielkonsole auf die Seite legen. Auch mir persönlich tut es gut, meine Frau sagte auch schon, es sei wieder Zeit», sagt der Familienvater und lacht. Um ernsthafter fortzufahren. «Wir sind dem Vorstand sehr dankbar, dass er mit grossem Aufwand das Schutzkonzept des Verbandes umgesetzt hat, und dass die Gemeinde Glarus dies bewilligt hat. Wir sind einer der wenigen Vereine, der momentan trainiert.» Für die Gemeinde findet Renato Micheroli übrigens nur lobende Worte: «Der Zustand der Plätze ist ausgezeichnet. Das ist nicht selbstverständlich, wenn diese für zwei Monate ungenutzt bleiben. Ein grosser Dank an die Verantwortlichen.»

Trainiert werden darf maximal in Vierergruppen plus dem Trainer. So trudeln im Viertelstundentakt die Gruppen auf dem Fussballplatz im Buchholz ein. «Habt ihr die Hände desinfiziert?», ruft Micheroli der zweiten Gruppe zu, als sie auf den Fussballplatz tritt. In globo kehrt diese um und desinfiziert sich die Hände. «Je disziplinierter wir vorgehen, desto früher kehrt die Normalität wieder ein. Es ist zum Schutz von uns allen», sagt der 50-Jährige.

Disziplin sei laut Micheroli auch während des Trainings gefragt, da die jungen Spieler an den verschiedenen Trainingsstationen phasenweise ohne Aufsicht trainieren. «Das erfordert Eigenverantwortung.»

Schule im doppelten Sinn

Sport und der Fussball im Besonderen seien eine Lebensschule, sagt Renato Micheroli. «In der jetzigen Zeit sogar im doppelten Sinne. Ich glaube, die Jungs können auch etwas fürs Leben mitnehmen. Man muss sich unterordnen, unabhängig vom Fussball, auch in der Gesellschaft, zum Wohle von dieser», sagt der Stadtglarner. Und ist überzeugt: «Wenn wir die richtigen Schlüsse aus der jetzigen Situation ziehen, gehen wir noch stärker aus dieser heraus.»

Die jungen Spieler würden sich mehrheitlich an die Regeln halten. «Beim ersten Training musste ich manchmal noch eingreifen, aber es klappt immer besser», sagt Micheroli.

Talentierte Glarnerin

Unter den knapp 20 Jugendlichen im Alter von 16 und 17 Jahren befindet sich auch ein Mädchen. Unüblich bei einem Fussballteam in diesem Alter. «Delia Cescato ist eine Juniorin, die nun bei Rapperswil-Jona spielt. Die St. Galler trainieren nicht, so hat sie angefragt, ob sie bei uns mitmachen darf.» Natürlich dürfe sie, sagt Micheroli. «Sie ist sehr talentiert und das momentane Training ohne Körperkontakt kommt ihr sicher entgegen. Technisch kann sie mit den Jungs mithalten», zeigt sich Micheroli vom Talent der 17-Jährigen angetan.

Sie könnte durchaus die nächste Nationalspielerin aus dem Glarnerland werden, ist der Fussballkenner überzeugt.

Die Hose zwickt

Der Platz füllt sich zusehends, immer mehr Gruppen stossen zum Training. Der Spass ist unüberhör- und sehbar. Ausser bei einem Spieler, der immer wieder an seiner Hose zupft. «Ich muss diese blöde Trainerhose ausziehen, das geht so nicht», fühlt sich in dieser offenbar unwohl. Ansonsten läuft das Training mehr oder weniger normal ab. «Wir können Pass- und Koordinationsübungen bis hin zum Schusstraining machen. Das Spielen fehlt aber schon», so Micheroli. Den Ball in die Hand nehmen darf nur der Torhüter, wie im Fussball üblich.

«Die Trainingsutensilien etwa fasse nur ich an. Diese muss ich nach jedem Training reinigen und desinfizieren», umschreibt Micheroli den Mehraufwand. Aber er mache es gerne, für «seine» Jungs – und derzeit Mädchen.

Kein Handshake

Nach dem Training gibt es zur Verabschiedung natürlich keinen Handschlag, Kontakt ist ja verboten. Auch die Garderoben sind geschlossen, die Spieler kommen umgezogen auf den Platz und duschen zuhause. «Es ist sicher komisch, das Gesellige bleibt auf der Strecke. Aber es ist nun mal so, uns bleibt nichts anderes übrig, als die Anweisungen zu befolgen», sagt Micheroli. Am wichtigsten sei, dass die Jungkicker den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen konnten und sich alle an die Hygiene- und Abstandsregeln halten würden. Damit bei den Fussballern im Buchholz in Glarus wieder möglichst schnell der normale Alltag einkehren kann.

Einige Turner trainieren zusammen, andere individuell

Im Gegensatz zu den Fussballern trainieren die Turner des TV Glarus a.S. derzeit nicht gemeinsam. Die Turnhallen in Glarus bleiben bis nach den Sommerferien für die allgemeine Nutzung für Vereine geschlossen, ausser es besteht eine genügende Dringlichkeit. Dann kann man bei der Gemeinde eine Bewilligung beantragen. Der Vorstand des TV Glarus arbeitet zurzeit an einem Schutzkonzept. In der Zwischenzeit liegt es an jedem einzelnen Vereinsmitglied, sich persönlich fitzuhalten. Reguläre Trainings werden wohl bis nach den Sommerferien keine stattfinden.

Die Sportler des Turnvereins Näfels hingegen haben diesen Mittwoch zum ersten Mal nach neun Wochen wieder gemeinsam trainiert. Das Training stand grundsätzlich ganz im Zeichen des Kraftaufbaus und Ausdauer – unter Einhaltung der Hygienevorschriften, wie der Verein in einer Mitteilung schreibt. Die Turner erschienen bereits umgezogen auf den Sportplatz und genossen ihre verdiente Dusche in den eigenen vier Wänden. (red)

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Ist ja klar :Das der Zustand der Plätze gut ist,wenn nicht darauf gespielt wird.Anderst rum sehen Plätze meistens nicht gut vor dem Tor aus, wenn jede Woche oder jede zweite ein Match darauf ist.Trotz allem dem FC Glarus eine gute "Rest Saison."