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Grünfeld hat schönsten Rasen

Grosse Ehre für Platzwart Stefan Rüdisüli und sein Team. Die Swiss Football League hat den Rasen im Stadion Grünfeld als besten im Schweizer Profifussball beurteilt – vor jenen von Basel, Zürich oder Bern.

Pascal
Büsser
07.04.18 - 04:30 Uhr
Fussball

Dass «sein» Rasen in einem Top-Zustand ist, wusste Stefan Rüdisüli. «Schliesslich betreiben wir einen grossen Aufwand im Unterhalt», sagt der Leiter des dreiköpfigen Teams, das sich um die Sportanlage Grünfeld sowie die Fussballplätze Lido und Wagen kümmert. Dass die Qualität des Rasens im Stadion Grünfeld 2017 aber gar jene der Super-League-Clubs übertroffen hat, das überraschte Rüdisüli dann doch. Und macht ihn stolz. «Bei den grossen Klubs wie Zürich, Basel oder Bern kümmern sich mehrere Personen allein um den Hauptplatz», sagt Rüdisüli. «Wir pflegen zu dritt zehn Plätze.» Als Platzwarte zur Seite stehen ihm Daniel Mathis und Toni Thoma. Wobei Rüdisüli die wichtigen Entscheidungen fällt und die Verantwortung dafür trägt.

Liga schickt Experten vorbei

Erhoben hat die Qualität die Swiss Football League, die den Spielbetrieb in den beiden höchsten Ligen der Schweiz mit je zehn Teams organisiert. «Die Liga schickt bei allen zur gleichen Jahreszeit mit kurzfristiger Anmeldung einen Fachmann vorbei, der fast einen Tag lang den Hauptrasen begutachtet und Proben nimmt», erklärt Rüdisüli. Im Grünfeld sei der Experte im letzten Herbst vorbeigekommen, als die Meisterschaft in vollem Gang war.

Dabei würde der Rasen nach diversen Kriterien beurteilt wie Scherfestigkeit, Bewurzelung, Wasserdurchlässigkeit oder Rasenbestand – sprich: ist der Rasen dicht, grün und eben. Damit es oben gut aussehe, sei die Qualität der Wurzeln im Boden entscheidend, erklärt Rüdisüli. Beim gestrigen Besuch im Grünfeld sticht er kurzerhand ein kreisförmiges Stück Rasen aus dem Boden, um das gute Wurzelwerk zu zeigen.

400 000 Löcher im Rasen

Für ein Jahr darf sich nun Rüdisüli «Greenkeeper of the year» nennen, wie die Stadt mitteilt. Eine offizielle Preisverleihung oder Preisgeld seitens der Liga gebe es allerdings nicht. Ja nicht einmal ein Diplom. Die Liga hat ihn lediglich mit einem Brief über das gute Abschneiden in der Rasenbeurteilung informiert.

Für Rüdisüli ist die Auszeichnung vor allem «Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind, den wir mit grossem Aufwand betreiben». Vor fünf Jahren habe man die Organisation nochmals professionalisiert. Praktisch jeden Tag steht er auf der Anlage, um nach «seinem» Rasen zu schauen. Bei der Rasenpflege handelt es sich um eine kleine Wissenschaft. Um bei der Nährstoffzufuhr den richtigen Mix zu finden, lässt Rüdisüli ein- bis zweimal im Jahr Bodenproben durch ein Labor auswerten. Etwa dreimal im Jahr wird der Boden «gelüftet». Eine Spezialmaschine sticht im Abstand von 13 Zentimetern rund 400 000 Löcher in den Boden. «Damit lockern wir den Boden, damit das Wasser besser abfliesst, und ermöglichen zudem den Luft-Gas-Austausch», erklärt Rüdisüli.

Natürlich pflege er mit seinem Team alle Plätze intensiv, den Hauptplatz aber etwas mehr. Gut einen Viertel der Zeit investiere er in den Stadionrasen. Dessen normaler Unterhalt kostet laut Stadt, der die Anlage gehört, rund 40 000 Franken im Jahr.

Nun ab nach Katar?

Angeeignet hat sich Rüdisüli, der ursprünglich aus der Landwirtschaft kommt und inzwischen seit 30 Jahren bei der Stadt arbeitet, sein Handwerk bei der täglichen Arbeit und in Weiterbildungen.

Hat der 56-Jährige nach der jüngsten Auszeichnung nun höhere Ambitionen? Etwa auf ein Engagement bei einem Super-League-Klub? «Ich warte jetzt auf ein Angebot für die WM in Katar», entgegnet er mit einem Augenzwinkern. Um dann nachzuschieben: «Mir gefällt es bei der Stadt, sie ist ein guter Arbeitgeber.»

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