Der Arzt, dem die Spieler und Trainer vertrauen
Der FC Weesen spielt in der 2. Liga regional eine überragende Vorrunde. Von den acht Spielen haben die Gasterländer sieben gewonnen und erst sieben Gegentore erhalten. Mitverantwortlich dafür ist auch der Defensivspieler Patrick Widmer. Aber auch sonst ist der Glarner bei seinen Mitspielern sehr gefragt.
Der FC Weesen spielt in der 2. Liga regional eine überragende Vorrunde. Von den acht Spielen haben die Gasterländer sieben gewonnen und erst sieben Gegentore erhalten. Mitverantwortlich dafür ist auch der Defensivspieler Patrick Widmer. Aber auch sonst ist der Glarner bei seinen Mitspielern sehr gefragt.
Eigentlich komme es nach jedem Training vor, dass seine Teamkollegen einen medizinischen Rat und auch gleich eine Diagnose von ihm wollen, sagt Patrick Widmer mit einem Lachen. Er studiert im vierten Jahr an der Uni Zürich Medizin und ist Verteidiger beim FC Weesen, derzeit souveräner Tabellenführer in der 2. Liga, Gruppe 1. Von den acht bisherigen Saisonspielen haben die Gasterländer sieben gewonnen. Erst am vergangenen Spieltag konnte Ruggell den Weesnern die ersten Punkte (1:1) der laufenden Vorrunde abknöpfen. «Uns auf gute Gegner einzuschwören, fällt uns oft nicht schwer. Aber gegen vermeintlich schwächere schon, da haben wir sicher noch Steigerungspotenzial», sagt der 26-jährige Widmer.
Kaum steigerungsfähig ist die Defensivleistung der Weesner. In den acht Spielen kassierten sie lediglich sieben Gegentreffer, keine 2.-Liga-Mannschaft in der Ostschweiz hat weniger zugelassen. «So zu gewinnen, macht für einen Defensivspieler natürlich noch mehr Spass. Als Verteidiger merkt man bei uns, dass man nicht alleine ist. Die ganze Mannschaft arbeitet defensiv», erklärt Patrick Widmer.
Kann offensiv mehr bewirken
In dieser Saison ist Widmer als Rechtsverteidiger aufgestellt. Eigentlich sei er die ganze Fussballerkarriere als Innenverteidiger aufgelaufen. «Ich wollte eine neue Herausforderung. Innenverteidiger war mir fast zu langweilig, zu statisch.» Als Aussenverteidiger könne er viel mehr in der Offensive bewirken. «Diese Position gefällt mir sehr gut», so Widmer.
Gefallen findet er auch am neuen Trainer Philipp Egli. Der Schänner hat vor dieser Spielzeit das Ruder von Vaclav Pechoucek übernommen. «Der Tscheche hat uns nicht mehr erreicht, unter ihm war eine Monotonie eingekehrt. Der Trainerwechsel kam zum richtigen Zeitpunkt», freut sich Widmer über den frischen Wind, den Egli reingebracht hat. «Er kann jeden Spieler abholen und auf seine Bedürfnisse eingehen. Menschlich ist er herausragend. Auf diesem Niveau vermutlich etwas vom Wichtigsten. Speziell auch dann, wenn man aufsteigen will.»
Der ruhende Pol in Weesens Verteidigung macht keinen Hehl daraus, die Spieler wollen aufsteigen. Die Qualität, in der laut Widmer toll harmonierenden Mannschaft, ist vorhanden. «In den vier Jahren, in denen ich nun bei Weesen spiele, wurde diese kontinuierlich gesteigert. In dieser Saison vor allem auch in der Breite des Kaders», so seine Diagnose. Jeder könne jeden ersetzen, sagt er, um mit einem Schmunzeln zu ergänzen: «Man muss bei keinem Angst haben, er könne etwas vermasseln, wenn er eingewechselt wird.»
Die Wochen der Wahrheit
Die laufende Saison weist verblüffende Ähnlichkeiten mit der Weesner Aufstiegssaison 2007/08 auf. Damals noch in der 3. Liga, gewannen die Weesner bis auf eines – ein 1:1 gegen Flums – sämtliche Spiele der Vorrunde. «Ich wünsche mir, dass wir es dem damaligen Team gleichtun können. Wir sind mit dem bisher Erreichten zufrieden und erfüllen unser definiertes Ziel, ein Spitzenteam zu sein.» Ob Weesen dies auch wirklich ist, werden die kommenden beiden Spiele gegen die direkten Konkurrenten Altstätten am Sonntag und sechs Tage später gegen Wid-nau zeigen. «Wir fühlen uns in der Favoritenrolle wohl und wollen mindestens vier Punkte holen», so die klare Ansage von Widmer.
Seit diesem Sommer wohnt der Schwandner mit seiner Freundin in Weesen. Er möchte eines Tages seine eigene Praxis eröffnen. Bis es so weit ist, wird Patrick Widmer auf dem Platz zur Stelle sein, wenn Hilfe benötigt wird. «Würde einer die Zunge verschlucken, wüsste ich zumindest, was zu tun ist.» Und auch ohne eigene Arztpraxis steht er seinen Kollegen mit medizinischem Rat weiterhin zur Seite. So wie kurz nach dem Interview, als Mitspieler David Kuzel einen benötigte.
Paul Hösli ist Leiter Sport bei den «Glarner Nachrichten» in Ennenda. Er ist seit 1997 bei der «Südostschweiz», im Jahr 2013 wechselte er intern von der Druckvorstufe in die Redaktion. Zuerst in einem 40-Prozent-Pensum und seit 2016 zu 100 Prozent. Mehr Infos
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