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Journalismus funktioniert nicht so, wie der EHC Arosa das will

Journalismus funktioniert nicht so, wie der EHC Arosa das will

Reto
Furter
22.01.22 - 04:30 Uhr
Eishockey

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser, Sie haben möglicherweise festgestellt, dass die Medienfamilie Südostschweiz in dieser Zeitung, aber auch online sowie im Radio und TV seit geraumer Zeit nicht mehr über Spiele des EHC Arosa berichtet. Dafür möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen, Ihnen aber auch erklären, weshalb das so ist. 

Die Rolle der Medien ist es, unabhängig darüber zu berichten, was Sie und mich bewegt. Das mag Politik sein, Wirtschaft, das können gesellschaftliche und kulturelle Themen sein, aber natürlich auch sportliche. Wir bestimmen, worüber wir berichten und worüber nicht, und wir bestimmen, wie wir das tun, in welcher Form. Die politischen Parteien haben darauf keinen Einfluss, Unternehmen haben keinen Einfluss und Sportvereine eben auch nicht.

Der EHC Arosa hat uns vor einigen Monaten mit einem teilweisen Stadionverbot belegt, aus Verärgerung darüber, was wir geschrieben hatten. Der EHC Arosa will darum zukünftig entscheiden, wer über die Spiele schreibt und wer nicht. Es erinnert an Hofberichterstattung, wenn jemand versucht, Einfluss auf die unabhängige Berichterstattung zu nehmen und damit Einfluss darauf, was Sie in Zukunft lesen können – oder eben nicht mehr, weil es dem EHC nicht genehm ist.

Es ist klar, dass wir auf solche Forderungen, welche die Medienfreiheit fundamental infrage stellen, nicht eintreten können und wollen. Täten wir das, würden uns in der Folge politische Parteien, Unternehmen, Kulturschaffende und andere Sportvereine ihre Agenda diktieren wollen.

Selbstverständlich führten wir mit der Leitung des EHC Arosa Gespräche und tun das weiterhin, um diese unbefriedigende Situation bald klären zu können. Ich hoffe, Ihnen an dieser Stelle dann erfreulichere Mitteilungen machen zu können.

Reto Furter ist Leiter Chefredaktion der Südostschweiz Medienfamilie und verantwortet Radio, TV, Online und Tageszeitungen in den Kantonen Graubünden, Glarus und St. Gallen. Er ist promovierter Historiker und arbeitet seit 2009 bei Somedia, zuletzt als Leiter Graubünden. Mehr Infos

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Da hat doch der Sportjournalisten-Verband auch noch ein Wörtchen mitzureden, oder ist der so schwach geworden, dass er vor dem Vereinen einbricht? Wäre ja noch schöner, wenn ein Eihockeyklub vorschreiben könnte, was in den Zeitungen geschrieben werden darf!

Walter Huber

Der geneigte SO-Leser hat schon länger verstanden, dass es vorliegend vor allem um persönliche Befindlichkeiten zwischen dem Sportchef der SO, René Weber, und der Führung bzw. einzelnen Exponenten des EHC Arosa geht. Es ist auch für Aussenstehende schon länger ein offenes Geheimnis, dass Weber kein Freund des EHC Arosa ist und dies mit teils äusserst fragwürdiger und tendenziöser Berichterstattung wiederholt kundgetan hat. Solches Tun - zumal in einer faktisch marktbeherrschenden Regionalzeitung - hat nichts Medienfreiheit zu tun, sondern mit für mich offentlichtlichem Missbrauch von medialer Macht. Unabhängige und ausgewogene Berichterstattung sieht definitiv anders aus.

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