Reto Berra: «Ich habe in den Himmel geschaut, zu meinem Vater»
In der Sekunde des gewonnenen Meistertitels blickt Fribourgs Goalie Reto Berra gen Himmel und denkt an seinen verstorbenen Vater. Ein besonders emotionaler Moment für den 39-jährigen Zürcher.
In der Sekunde des gewonnenen Meistertitels blickt Fribourgs Goalie Reto Berra gen Himmel und denkt an seinen verstorbenen Vater. Ein besonders emotionaler Moment für den 39-jährigen Zürcher.
Auf dem Eis macht Reto Berra einen geradezu stoischen Eindruck. Nach dem gewonnenen Meistertitel brechen aber alle Emotionen aus dem 1,94 m grossen Koloss heraus, während hinter ihm die Freiburger Fans im Davoser Eistempel seinen Namen skandieren.
Unter Tränen erzählt er, was ihm durch den Kopf ging, als Lucas Wallmark in der Verlängerung den Siegtreffer erzielte. «Ich habe in den Himmel geschaut, zu meinem Vater», verrät der gebürtige Bülacher. «Bei meinem ersten Meistertitel (2009 mit Davos) war er noch da, jetzt ist er im Himmel, und in den letzten Wochen habe ich mich ihm näher gefühlt, habe ich ihn extrem viel gespürt. Das ist wunderschön.»
Unglaublicher Captain und noch viel besserer Mensch
Eine andere Person streicht Berra gleich zu Beginn ebenfalls speziell heraus. Den Freiburger Captain Julien Sprunger, der in seinem 1186. NL-Spiel, alle für Gottéron, doch noch Meister wurde. «Er hat es so verdient, er ist ein unglaublicher Captain und ein noch viel besserer Mensch», schwärmt Berra. «Andere werden irgendwann frustriert, dass es nie klappt. Aber er ist ein unglaublicher Mensch mit allen Leuten, egal, von wo sie kommen.»
Druck habe er selber im Übrigen in diesem alles entscheidenden Spiel keinen verspürt. «So ein Spiel ist kein Druck, das ist absolut eine Freude», versichert der dreifache WM-Silbergewinner. «Das Wichtigste ist, dass man auf das Leben vertraut, dass schon das Richtige passiert.»
Dem Hockey so viel untergeordnet
Dafür tut er auch sehr viel. «Ich bin geradezu verbissen, ordne dem Hockey so viel unter und habe in allen Bereichen extrem hart gearbeitet», betont er. «Ich bin jetzt 39, das war vielleicht meine allerletzte Chance, noch einmal Meister zu werden. Dass es nun so aufgeht, das zeigt einfach, dass, wenn man Vertrauen hat, alles möglich ist.»
Mit dieser Hingabe hat sich Berra in den acht Jahren, seit er aus der NHL in die Schweiz zurückgekehrt und in Freiburg gelandet ist, in die Herzen der Fans gespielt. Bereits beim zweitletzten Finalspiel am Dienstag zuhause wurde er von den Fans extra nochmals aufs Eis zurückgeholt und nahm die Ovationen gerührt entgegen. Nun geht er auf dem Höhepunkt. Auf die kommende Saison wechselt er noch einmal in seine Heimat zurück, zu Kloten.