Endspurt Richtung Heim-WM
Das Schweizer Nationalteam scheint trotz der Nebengeräusche im Hinblick auf die Heim-WM auf dem richtigen Weg zu sein. Eine besondere Geschichte schreibt dabei die Nomination von Yannick Frehner.
Das Schweizer Nationalteam scheint trotz der Nebengeräusche im Hinblick auf die Heim-WM auf dem richtigen Weg zu sein. Eine besondere Geschichte schreibt dabei die Nomination von Yannick Frehner.
Am 15. Mai bestreitet die Schweiz in Zürich in der Neuauflage des letztjährigen WM-Finals gegen den Titelhalter USA ihr erstes Spiel an der Heim-WM. Im Fokus steht dabei auch die Frage, ob die Affäre um den ehemaligen Nationaltrainer Patrick Fischer und dessen gefälschtes Covid-Zertifikat tatsächlich ohne Auswirkungen auf die Mannschaft bleibt. Am Mittwoch geriet Fischer wieder in die Schlagzeilen, nachdem ein schriftlich gegebenes Interview zu früh veröffentlicht worden war.
Hat dies nochmals Unruhe ausgelöst? «Nein, ich finde nicht», sagt Goalie Leonardo Genoni vor seiner zwölften WM-Teilnahme im Gespräch mit Keystone-SDA. «Wir haben das Thema sehr oft und auch ausgiebig besprochen. Das war gut und wichtig. Irgendwann sagten wir aber auch, dass wir nach vorne schauen müssen. Das haben alle gemacht. Am Ende müssen wir an der WM spielen und nicht diskutieren.»
Den 5:4-Sieg nach Penaltyschiessen gegen Finnland vom Donnerstag bezeichnet der 38-jährige Routinier als «recht wichtig». Dies auch deshalb, weil die Schweizer an der WM zum Abschluss der Vorrunde erneut auf die Nordländer treffen. «Das ist sehr gut für den Kopf.» Gleichzeitig habe man gemerkt, dass einige Spieler erstmals seit längerer Zeit wieder im Einsatz standen.
Verbesserungspotenzial sieht Genoni in der defensiven Zuordnung, als auch im offensiven Zusammenspiel. «Wir müssen noch etwas mehr Intensität hineinbringen. Aber ich habe keine Angst, das kommt noch. Ich habe das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind.» Besonders gefreut hat er sich darüber, wie sich seine Vorderleute aufgeopfert haben: «Ich glaube, ich habe in einem Vorbereitungsspiel für eine WM noch nie so viele geblockte Schüsse gesehen.»
Cadieux mit Fischer in Kontakt
Zurück zu Fischer. Jan Cadieux, der ihn aufgrund der Affäre schon vor der Heim-WM als Nationaltrainer beerbt hat, ist nach wie vor immer wieder in Kontakt mit seinem Vorgänger. Zuletzt telefonierte er am Sonntagabend mit ihm. «Ich schätze ihn sehr. Nach meinem ersten Sieg (als Nationaltrainer) war, glaube ich, die erste SMS, die ich gekriegt habe, von Patrick Fischer. Ich bin auch dank ihm nun hier. Er hat mich immer unterstützt.» Auf die Frage, ob sie auch während der WM miteinander sprechen werden, antwortet Cadieux: «Wir reden nicht über die Mannschaft, sondern über andere Dinge.» Das unterstreiche Fischers Klasse.
Cadieux äusserte sich auch zu ZSC-Stürmer Sven Andrighetto, der am 25. März im dritten Playoff-Viertelfinalspiel gegen Lugano eine Hirnerschütterung erlitten hat und seither nicht mehr spielen konnte.
«Er ist auf einem guten Weg. Wir müssen jedoch intelligent sein und wollen kein Risiko eingehen.» Die Hoffnung besteht, dass Andrighetto am Wochenende gegen Schweden oder Tschechien zumindest zu einem Einsatz kommt. «Das ist das Ziel, wenn alles optimal läuft», so Cadieux.
Offen bleibt die Situation um Philipp Kurashev. «Ich würde gerne sagen, ich hoffe, dass es klappt», so Cadieux. «Er wird in den nächsten Tagen weitere Untersuchungen machen, um zu sehen, ob sich seine Situation verbessert hat. Wir müssen schauen, wie lange wir mit einem Entscheid über ihn warten können.»
Dass gegen die Finnen trotz des Sieges vor allem defensiv noch nicht alles funktionierte, erklärt Cadieux auch mit den vielen personellen Wechseln. Allein in dieser Woche wurden 13 neue Spieler integriert. «Wir wissen, dass man nicht von Anfang an top sein kann.» Entscheidend sei, sich täglich zu steigern, betont Cadieux.
Die späte Gewissheit
Einer der 13 Neuen ist Yannick Frehner, der gegen Finnland im Alter von 28 Jahren sein erstes Länderspiel bestritt. «Das ist die Belohnung für meine Saison, aber es ist schon verrückt», sagt der Davoser Stürmer, der insbesondere in den Playoffs mit fünf Toren und vier Assists in 17 Partien überzeugte.
Frehner wusste zwar, dass er ein Kandidat für die WM ist. Die definitive Zusage erhielt er aber erst in der Nacht auf Montag. Cadieux schrieb ihm am Sonntagabend um 23.30 Uhr eine Nachricht. «Eigentlich wollte ich schon schlafen», erzählt Frehner. «Aber ich bin nochmals aufgewacht, habe aufs Handy geschaut und Jan um halb eins zurückgerufen.» Danach sei ans Schlafen kaum mehr zu denken gewesen, sagt er lachend.
Ist das Nati-Aufgebot eine Art Entschädigung für die mit dem HCD in der Verlängerung im entscheidenden siebten Finalspiel erlittene Niederlage gegen Fribourg-Gottéron? «Entschädigung ist das falsche Wort», sagt Frehner. «Es gibt mir einfach einen neuen Fokus, eine Ablenkung. Wenn das hier vorbei ist, muss ich das Ganze dann wirklich richtig verarbeiten. Es tut immer noch extrem weh.»
Die Chance im Nationalteam sieht er als «super Erfahrung». Und an Energie mangele es ihm nicht: «Wenn diese fehlen würde, wäre etwas falsch.» Zwar würde in der kommenden Woche sein Physiotherapie-Studium weitergehen, am liebsten würde er dieses aber noch etwas länger auf Eis legen und am 15. Mai beim WM-Start dabei sein.