Der spezielle Weg von Dario Rohrbach
Dario Rohrbach hat einen steinigen Weg hinter sich. Am Donnerstag dürfte er im Rahmen der Euro Hockey Tour im Alter von 26 Jahren sein Debüt im Nationalteam geben.
Dario Rohrbach hat einen steinigen Weg hinter sich. Am Donnerstag dürfte er im Rahmen der Euro Hockey Tour im Alter von 26 Jahren sein Debüt im Nationalteam geben.
Nach seinem ersten Training mit der Nationalmannschaft zieht Dario Rohrbach zuerst die Ausrüstung aus und erscheint dann gut gelaunt mit einem Shake zum Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Der Stürmer der SCL Tigers hat einiges zu erzählen, er ist ein perfektes Beispiel dafür, dass viele Wege nach oben führen können.
Viele Wechsel
Nach dem Umzug nach Willisau schloss sich Rohrbach dem EHC Sursee an. Danach spielte er für Langenthal, Olten und Dragon Thun, ehe er mit 14 Jahren zu den SCL Tigers wechselte. Nach drei Jahren bei den Emmentalern kommt es zum Bruch, worauf er die Karriere in Basel fortsetzt, das bei der U20 nicht in der höchsten Kategorie spielt. Immerhin kommt er auch in der 1. Liga im Fanionteam zum Einsatz.
Rohrbach spricht, auf die Juniorenzeiten zurückblickend, von einem «turbulenten Werdegang». Einerseits führt er die vielen Vereine darauf zurück, dass er an einem Ort aufgewachsen ist, in dessen Nähe es keinen Klub gab, den er als geeignet erachtete, um dort die ganze Juniorenzeit zu verbringen. Anderseits habe es an gewissen Orten nicht mehr gepasst.
«Ich war als Jugendlicher sicher nicht der am einfachsten zu coachende Spieler», sagt Rohrbach und fährt fort: «Es half mir aber auch, dass ich eine Zeitlang bei den Junioren nicht auf dem höchsten Niveau spielte. Dadurch konnte ich phasenweise ohne taktische Fesseln agieren und so die im Eishockey nötigen Instinkte entwickeln.»
Spät gewachsen
Seine verzögerte Entwicklung führt er auch darauf zurück, dass er sehr spät gewachsen ist, ihm viele in der körperlichen Entwicklung einiges voraus waren. Er hofft, dass er mit seinem Werdegang für den einen oder anderen, dem es ähnlich geht wie ihm damals, ein Vorbild ist. «Im Profibereich sind alle ähnlich gross, schnell und stark, dann sind andere Tools gefragt.»
Rohrbach gibt aber zu, im Alter von 17, 18 Jahren nicht daran geglaubt zu haben, mal in der National League geschweige denn in der Nationalmannschaft aufzulaufen. Im November 2017 wurde er mit 19 Jahren von Basel zu den Ticino Rockets in die Swiss League ausgeliehen. Im darauffolgenden Dezember durfte er mit dem U20-Nationalteam an die WM in Buffalo reisen, wo er zwei Tore erzielte.
Tausch als Glücksfall
2018 erhält er bei Ambri-Piotta einen Vertrag für die höchste Liga. Er kann sich dort aber nicht durchsetzen, auch weil er 2019/20 fast die gesamte Saison verletzungshalber verpasst hat. «Die erste Saison war vielversprechend, als ich dann nach der Verletzung zurückkam, merkte ich, wie rasch es auf diesem Niveau geht und musste in der Folge zunächst hintenanstehen», blickt Rohrbach zurück. 2021 ging er zu Ajoie. «Dort war es im ersten Jahr nach dem Aufstieg für alle Beteiligten eine schwierige Saison.»
Im Januar 2022 wechselte er im Tausch mit Kay Schweri zu den SCL Tigers, was sich als Glücksfall entpuppte. «Es war für beide Seiten ein Volltreffer», sagt Rohrbach. «Der Klub erlebte nach Corona schwierige Jahre und benötigte wie ich einen Neuanfang. Sowohl das Team als auch ich entwickelten sich seither schrittweise weiter.» Bei Rohrbach wird dies durch die Skorerwerte untermauert: In den ersten beiden Saisons bei Langnau gelangen ihm 15 (7/8) respektive 19 (8/11) Punkte, in der laufenden Meisterschaft hält er nach 44 Spielen bei neun Toren und 18 Assists. Damit ist er der zweitbeste Skorer der Emmentaler und der zehntbeste Schweizer insgesamt.
Viel im mentalen Bereich gearbeitet
«Ich bekam von Anfang an eine gute Rolle», sagt Rohrbach. Zudem gelang ihm im psychischen Bereich ein grosser Schritt vorwärts. Er arbeitet seit fast drei Jahren mit einer Mentaltrainerin zusammen. «Viele Spieler besitzen die nötigen Skills, es hapert jedoch oft daran, diese dann abzurufen, wenn es zählt», so Rohrbach. «Mich mit jemanden regelmässig auszutauschen, beispielsweise darüber zu sprechen, wie man mit Drucksituationen am besten umgeht, hat mir extrem geholfen. Irgendwann löst sich der Knoten und man spielt freier auf. Zuvor überlegte ich vielleicht zu viel und dadurch fehlte manchmal die nötige Millisekunde, um das Richtige zu machen.»
Rohrbach betont, dass das Mentale mit ständiger Arbeit verbunden sei. «Wenn du etwas genug oft repetierst, glaubst du es irgendwann», sagt Rohrbach. Er führt ein Tagebuch mit mittel- und langfristigen Zielen, schreibt auch solche für Spiele auf - maximal drei Punkte. Zudem praktiziert er Visualisierungen, in dem er sich in gewisse Situationen hineinversetzt.
Nun will er aber erst einmal die Spiele in der Euro Hockey Tour geniessen. Die erste Partie am Donnerstagabend gegen Finnland findet in Langnau statt, einen besseren Ort für den Einstand im Nationalteam könnte es für ihn nicht geben. «Ich habe lange auf diesen Moment hingearbeitet, jeder geht seinen eigenen Weg», betont Rohrbach.