Biasca kämpft um einen Platz im WM-Team
Eben noch steht Attilio Biasca im Playoff-Final auf dem Eis, nun rückt mit der Nationalmannschaft die Heim-WM in den Fokus. Der 23-Jährige ist einer der Gewinner der Saison.
Eben noch steht Attilio Biasca im Playoff-Final auf dem Eis, nun rückt mit der Nationalmannschaft die Heim-WM in den Fokus. Der 23-Jährige ist einer der Gewinner der Saison.
Am vergangenen Donnerstag haben sich die Spieler von Fribourg-Gottéron und Davos in der Finalissima noch einen erbitterten Kampf um den Meistertitel geliefert, nun begrüssen sie sich herzlich im Hotel Allegra in Kloten. Kurz darauf machen sie sich auf den Weg Richtung Flughafen. Die Schweizer bestreiten ab Donnerstag in Ängelholm im Rahmen der Euro Hockey Tour die letzten drei Vorbereitungsspiele, bevor es am 15. Mai gegen Olympiasieger und Weltmeister USA in Zürich an der Heim-WM erstmals ernst gilt.
Erster Gegner ist am Donnerstag Finnland, ehe das Team am Samstag und Sonntag auf Gastgeber Schweden respektive Tschechien trifft. Cheftrainer Jan Cadieux hat für die letzte Vorbereitungswoche neun Spieler der beiden Finalisten aufgeboten, unter ihnen Fribourgs Stürmer Attilio Biasca, der mit Jahrgang 2003 zusammen mit Nicolas Baechler der Jüngste im Kader ist.
«Wichtig zu träumen»
Für Biasca wäre es die erste WM-Teilnahme, und diese zu Hause zu erleben, wäre für ihn natürlich umso schöner. «Es ist ein Privileg, hier sein zu dürfen», sagt er gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dass die Erwartungen nach zwei WM-Silbermedaillen hoch sind und offen vom Titel gesprochen wird, bezeichnet er als «guten Druck». Gleichzeitig betont er: «Es ist sicher wichtig zu träumen, das braucht es auch. Wichtiger ist aber, was du bis dorthin machst.»
Biasca hob sich früh durch seine Einstellung von vielen anderen ab. Auch neben dem Eis arbeitete er fokussiert und stellte viele Fragen. «Ich bin ein sehr neugieriger Mensch, insbesondere bei Leuten, die wissen, wovon sie sprechen», sagt er. «Ich liebe einfach den Sport und möchte jedes kleinste Detail aus mir herausholen. Wenn ich nach der Karriere zurückblicke, möchte ich nicht sagen: 'Ich hätte dort härter arbeiten, dies anders machen können.'»
Am Mentalen gearbeitet
Deshalb arbeitet Biasca seit letztem Sommer mit einer Sportpsychologin zusammen. Dabei hat er gelernt, den Moment mehr zu geniessen. «Je mehr du es schätzt, auf diesem Niveau zu spielen, desto leichter fällt dir alles. Es sollte immer so sein wie als Kind. Das ist jedoch nicht einfach zu erreichen, es ist ein Prozess. Wenn du neu in der Liga bist, willst du dich beweisen, hörst auf vieles von aussen und machst dir zu viele Gedanken. Am meisten Druck mache ich mir jedoch selbst. Wenn du das besser managen kannst, wird alles einfacher. Wir spielen Eishockey nicht wegen des Geldes - du willst einfach Freude haben.»
Biasca hat auch davon profitiert, seine Komfortzone zu verlassen, indem er seinen Jugendverein Zug verliess und zu Fribourg wechselte. Dieser Schritt sei nicht einfach gewesen, sagt er, da er dem EVZ viel zu verdanken habe. «Ich hätte bleiben können, dann wäre ich einfach der Junge geblieben.» Der Wechsel habe ihn als Menschen reifer und als Spieler besser gemacht.
Viel Vertrauen und gute Gespräche
In der Qualifikation der National League erzielte Biasca 15 Tore - nur vier Schweizer waren erfolgreicher. Dazu kamen zwölf Assists. In den Playoffs steuerte er drei Treffer und insgesamt vier Skorerpunkte bei. Besonders profitierte er vom Vertrauen von Erfolgscoach Roger Rönnberg. Er spielte meist in einer Linie mit Christoph Bertschy und Henrik Borgström.
Über Rönnberg sagt er: «Er ist sehr fordernd und hat eine neue Kultur hineingebracht. Neben dem Eis ist er ein wirklich lieber Mensch. Ich konnte bisher noch nie so gut mit einem Trainer privat reden. Das macht vieles einfacher. Er hat auch eine sehr sanfte Seite. Zudem finde ich es mega cool, wie er denkt. Am ersten Tag hat er gesagt, dass wir Meister werden - er hat einen selbstbewussten, positiven Ehrgeiz. Das hat uns den Glauben gegeben.»
Dieser Glaube führte tatsächlich zum ersten Meistertitel von Fribourg, der entsprechend gefeiert wurde. «Es waren definitiv die drei besten Tage meines Lebens. Ich hatte die ganze Zeit Gänsehaut. Die Freude der Leute zu sehen und das mit ihnen zu teilen, war unglaublich. Man sah, wie die Region dafür lebt», sagt er.
Vom Fan zum Teamkollegen
Nach der intensiven Finalserie - «es ist unglaublich, wie klein der Unterschied war» - stellt sich die Frage nach dem Energiehaushalt. «Ich bin noch jung und hatte etwas Pause. Es war physisch und mental eine intensive Phase. Da lernst du umso mehr, wie du deinem Körper helfen kannst. Ich bin jedenfalls wieder bei 100 Prozent.»
Biasca freute sich zudem auf die Schweizer NHL-Stars, mit denen er noch nie zusammenspielte. Als er 2016 am traditionellen Pee-Wee-Turnier in Québec teilnahm, sah er dort eine Partie zwischen den Montreal Canadiens und den Nashville Predators und machte ein Foto mit Roman Josi. Nun ist er im selben Team wie er. «Es ist crazy, wo ich nun bin», sagt Biasca.
Das i-Tüpfelchen wäre der WM-Titel - und dann hätten im Gegensatz zum Playoff-Final nicht nur die Spieler von Fribourg Grund zum Strahlen, sondern auch die Davoser.