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Sponsor will den HCD betreiben

Den Präsidenten bezeichnet er als «Flegel», dem Klub wirft er schwere Vertragsuntreue vor – Investor Peter Buser teilt heftig gegen den HC Davos aus und droht gar mit einer Betreibung. Die Partnerschaft des Klubs mit Busers Stiftung droht zum Fiasko zu werden.

Roman
Michel
Samstag, 06. Juni 2020, 04:30 Uhr Buser-Deal droht im Fiasko zu enden
«Mein Kopf ist Geld»: Peter Buser schiesst auf Facebook gegen Gaudenz Domenig.
OLIVIA AEBLI-ITEM

Wäre die Geschichte nicht derart ernst, sie hätte Potenzial für das Drehbuch einer Seifenoper. In der Hauptrolle: Peter Buser. Bankier, Buchautor, Dichter, Konzertveranstalter und Mäzen. So steht es im Lebenslauf auf seiner Website. Und seit vergangenem November: Investor beim HC Davos mit seiner Stiftung Res Ubique Foundation. Von einer «einzigartigen Partnerschaft, die Kultur und Sport zusammenbringt», schrieb der Klub, als er die Partnerschaft bekannt gab. Präsident Gaudenz Domenig sprach an der Pressekonferenz von einem «spannenden Abenteuer».

Ein Abenteuer ist die Partnerschaft tatsächlich geworden. Das lässt sich bereits nach wenigen Monaten feststellen. Nicht in dem Stil aber, wie es sich die Beteiligten wohl erhofft hatten. Und mit zunehmender Dauer wird das Drehbuch noch absurder. Noch grotesker. Die jüngste Folge: Die Drohung einer Betreibung durch Buser und dessen Stiftung von über drei Millionen Franken. Diesen Betrag soll Buser gemäss eigenen Angaben im November als Vorleistung für die Durchführung von klassischen Konzerten in Davos auf das Konto des HCD überwiesen haben. So steht es auf Busers Website unter dem Titel «Deliktfall HC Davos». Der 83-Jährige wirft dem Klub darin in einer chronologischen Aufzählung «schwere Vertragsuntreue» vor. Domenig bezeichnet er als «Flegel», der jede vernünftige Zusammenarbeit verweigern würde.

Das Ego im Vordergrund

Buser gilt als Exzentriker, der gerne provoziert. Und doch ist klar: Der HCD hat ein Problem. Die Partnerschaft mit Busers Stiftung könnte zum Fiasko werden, nachdem der Solothurner Millionär im Dezember mit seinem frauenverachtenden Auftritt in der Sendung Sportpanorama bereits für landesweite Empörung sorgte. Acht Jahre läuft die Partnerschaft des HCD mit der Res Ubique Foundation, rund acht Millionen Franken sollen in dieser Zeit gemäss Buser nach Davos fliessen. Es ist Geld, dass der HCD – gerade in der aktuellen Lage – gerne entgegennimmt. Busers Auftritte stürzen den Klub allerdings in ein Dilemma zwischen Moral und Geld. Die Reputation des Rekordmeisters ist angekratzt, auch wenn Domenig betont, dass der HCD nicht mit der Privatperson Buser, sondern mit dessen Stiftung einen Vertrag unterzeichnet hat. Es sei ihre Sache, zu entscheiden, ob Buser als Stiftungsrat noch tragbar ist. Nur: In der Öffentlichkeit kommt diese Unterscheidung kaum an. Aus Buser ist längst der HCD-Buser geworden. Um seine Stiftung scheint es ihm bei seinem Engagement in Davos nur in zweiter Linie zu gehen. Im Vordergrund steht sein eigenes Ego. Den Massensport bezeichnet Buser auf Facebook als «Übel unserer Zeit». An Sport sei er nicht interessiert. Ende November trug er an der Pressekonferenz in Davos dennoch einen HCD-Fanschal.

«Frei erfundener Unsinn»

Auslöser für Busers jüngsten Rundumschlag dürfte ein Logo-Streit sein. Gemäss Vertrag hätte der Schriftzug seiner Stiftung am Davoser Eisstadion angebracht werden sollen. Bis heute ist dies nicht geschehen, obwohl der Millionär seinen finanziellen Verpflichtungen nachgekommen ist. Allerdings gibt es eine Erklärung dafür: Die Namensänderung der Res Ubique Foundation zu Buser World Music Forum Foundation ist trotz Ankündigung bisher nicht geschehen, der neue Namen entsprechend auch im Handelsregister nicht registriert. «Wir können nicht Werbung für eine Stiftung machen, die es nicht gibt», sagt Domenig. Entsprechend irritierend seien für ihn Busers Vorwürfe. Man habe angeboten, den bestehenden Namen der Stiftung am Stadion anzubringen. Dies sei aber nicht gewünscht worden. Überhaupt glaubt Domenig, dass Buser schon seit der Ausstrahlung des Beitrags im Sportpanorama verärgert ist, weil der HCD-Präsident sein Frauenbild nicht teilte. «Das war wohl der Auslöser», so Domenig. Dass Buser dem Wirtschaftsanwalt nun gar vorwirft, einen Komplott mit SRF geschmiedet zu haben, um vom Erfüllen des Vertrags abzulenken, bezeichnet Domenig als «absurd» und «frei erfundener Unsinn». Auch die von Buser erwähnte Vorleistung von über drei Millionen Franken stimme in dieser Höhe nicht.

Fortsetzung folgt …

Ob das neue Logo der Stiftung einst tatsächlich seinen Platz an der Fassade finden wird, ist unklar. Mittlerweile formt sich auch in der Politik Widerstand gegen die Pläne. Eine Gruppe von Parlamentariern hat der Davoser Regierung Ende Mai eine Motion eingereicht, mit der Forderung, dass der Name Peter Buser «an keinem Ort» am Eisstadion angebracht werden darf (diese Zeitung berichtete). Als Eigentümerin verlange die Gemeinde, dass für das Hallensponsoring «minimale ethische Standards» eingehalten werden müssen. Auch weitere Teile der Partnerschaft zwischen dem HCD und Buser dürften in naher Zukunft kaum umgesetzt werden können. In Davos waren klassische Konzerte von Weltniveau geplant. Unter dem aktuellen Zwist scheint fraglich, ob es gelingt, namhafte Künstler für einen Auftritt im Landwassertal zu verpflichten.

Die letzte Folge im Drehbuch Buser/HCD ist also noch nicht geschrieben. Auf seiner Website schreibt Buser unter dem jüngsten Beitrag «Deliktfall HC Davos»: Fortsetzung folgt in den nächsten Tagen. Ein Happy End scheint derzeit weit weg.

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