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Grosse Namen und grosse Dramen am Spengler Cup

Der Spengler Cup ist nicht nur das älteste Klubturnier der Welt, sondern jeweils auch ein Stelldichein der Stars und ein Ort der speziellen Geschichten. Etwas besonders Kurioses ereignete sich 1984: Nicht weniger als vier Goalies kamen für den HCD zum Einsatz.

Tobias
Kreis
Donnerstag, 21. Mai 2020, 04:30 Uhr Goldene Bündner Sportmomente

Dem Spengler Cup wohnt ein ganz eigener Zauber inne. Es ist die Mischung aus Eishockey auf Spitzenniveau und grosser Show, die das Traditionsturnier in der Altjahreswoche nicht nur für Fans, sondern auch für die Teilnehmer so attraktiv macht.

Seit Dr. Alexander Spengler dieses völkerverbindende Kräftemessen 1923 ins Leben gerufen hatte, machten immer wieder klingende Namen ihre Aufwartung im Kurort. Heute noch gilt Viktor Tichonow als einer der renommiertester Eishockey-Trainer aller Zeiten. Neunmal gewann «Väterchen Tichonow» mit der Sowjetunion als Trainer die WM, dreimal Olympia-Gold – und 1991 mit ZSKA Moskau den Spengler Cup.

Bykow/Chomutow im HCD-Dress

Bereits einige Jahre zuvor war der Spengler Cup geprägt von Stars aus Osteuropa. Ludec Bukac und Stansilav Nevesky, die beim Turnier 1963 mit Spartak Prag antraten, dürften erfahrenen Eishockey-Fans ebenso noch ein Begriff sein, wie Vaclav Nedomansky von Slovan Bratislava (973) oder die beiden Dynamo-Moskau-Spieler Waleri Wassilijew und Alexander Malzew (1992).

Unvergessen auch das russische Fabel-Duo Slawa Bykow/Andrej Chomutow von Fribourg-Gottéron, das bei den Turnieren 1993 und 1994 den HCD verstärkte und diesen zweimal in den Final führte. Die beiden Stürmer gehörten damals zu den besten Spielern der Welt, gaben aber der Schweizer Liga den Vorzug gegenüber einem Engagement in der NHL.

Aus der jüngeren Vergangenheit bleiben die von den NHL-Lockouts geprägten Turniere von 2004 und 2012 in Erinnerung. 2004 gewann der HCD den Spengler Cup mit internationalen Superstars wie Joe Thornton, Rick Nash, Martin St. Louis und Niklas Hagman in seinen Reihen.

Der HCD gewinnt den Final 2004

Der wohl am stärksten besetzte Spengler Cup aller Zeiten fand indes acht Jahre später statt. Der Final zwischen dem Team Canada und dem HC Davos (7:2) mutete schon fast wie ein NHL-Allstar-Game an:

Die Aufstellung des Spengler-Cup-Finals 2012
Canada: Bernier; Noreau, Colaiacovo; Demers, Walser; Kinrade, Roche; Barker, Dupont; Spezza, Tavares, Gagner; Bergeron, Seguin, Smyth; Duchene, Holden, Pouliot; Micfliker, Brett McLean, Williams.

Davos: Genoni (ab 31. Berra); Forster, Diaz; Alatalo, Ramholt; Marha, Back; Schneeberger, Grossmann; Brunner, von Arx Reto, Hofmann; Taticek, Eriksson, Kane; Thornton, Sykora, Bürgler; Sciaroni, Steinmann, Wieser.

Geprägt wird die fast 100-jährige Turniergeschichte des Spengler Cups auch von den Goalies. Nicht nur grosse Namen – etwa derjenige Dominik Haseks, der 1987 mit Pardubice und 2010 mit Spartak Moskau teilnahm – sondern auch grosse Dramen sind vom Davoser Traditionsturnier übermittelt. Besonders spektakulär eine Geschichte des Turniers 1984, wie sie in der Chronik «75 Jahre HC Davos» überliefert ist:

«Gleich vier Torhüter verbrauchte der HC Davos 1984 am Spengler Cup. Gegen Chimik Woskresensk blieb Richi Bucher mit einer Oberschenkelzerrung auf dem Eis liegen. Für ihn kam Beat Ruchti ins Tor, der sich schon im Vormittagstraining eine Seitenbanddehnung am Knie zugezogen hatte und nur mit schmerzstillenden Spritzen fit gemacht werden konnte.

Im folgenden Match gegen Kukla Jihlava stellte Trainer Dan Hobér den Elite-Junioren-Goalie Cédric Lengeacher zwischen die Pfosten. Und als der Nachwuchsspieler von Beinkrämpfen befallen wurde, kam in den Schlussminuten mit Victor Zindel gar noch die Davoser Nummer 4 zum Zug.»

Nati-Goalie wird aus dem Bett geklingelt

Eine weitere Trouvaille aus den Geschichtsbüchern datiert vom Jahr 1992, als der HC Lugano vor dem Finalspiel gegen ZSKA Moskau ohne Torhüter dastand, nachdem sich Christophe Wahl am Vorabend im letzten Gruppenspiel verletzt hatte. Kurzerhand wurde am Morgen der in Biel wohnhafte 153-fache Internationale Olivier Anken angerufen. Die Schweizer Goalie-Legende packte daraufhin seine sieben Sachen und fuhr mit dem Auto die knapp 300 Kilometer nach Davos. Erst kurz vor Spielbeginn traf Anken in Davos ein. Das Spiel war bereits 160 Sekunden alt, als Anken den Platz im Tor der Tessiner einnehmen konnte.

Gelohnt hatte sich die Feuerwehrübung für den HC Lugano zwar nicht, ging der Final gegen die Russen doch mit 2:5 verloren. Anken aber stufte die Feuerwehrübung am Spengler Cup im Herbst seiner Karriere hoch ein: Einmal im Leben im Final eines so grossen Turniers zu spielen, sei für ihn ein besonderer Meilenstein.

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