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Haas: «Ich bin stolz auf meinen Weg»

Gaëtan Haas verdient sich dank seiner defensiven Verlässlichkeit einen neuen Vertrag bei den Edmonton Oilers. In der kommenden Saison möchte er mehr Akzente in der Offensive setzen.

Agentur
sda
Sonntag, 03. Mai 2020, 20:00 Uhr Eishockey
Gaetan Haas jubelt auch in der nächsten Saison für die Edmonton Oilers
Gaetan Haas jubelt auch in der nächsten Saison für die Edmonton Oilers
KEYSTONE/AP/Jeff McIntosh

Haas ist froh, dass er sich keine Gedanken mehr über die nahe Zukunft machen muss. Am vergangenen Mittwoch wurde bekannt, dass er auch in der kommenden Saison für die Oilers spielt. Er erhielt einen Einweg-Vertrag über ein Jahr, womit er auch bei einer Abschiebung in die AHL den vollen Lohn von 915'000 Dollar erhalten würde. Das war sein Ziel. «Es ist ein gutes Zeichen für mich, dass es so schnell ging», erklärt Haas am Telefon gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Grosse Diskussionen gab es nicht, «wir waren von A bis Z auf der gleichen Linie.»

Mit seiner ersten Saison in der besten Liga der Welt ist Haas im Grossen und Ganzen zufrieden. Er erachtet es als «sehr positiv», dass er in 58 Spielen zum Einsatz kam und nur für zwei Partien zum Farmteam Bakersfield Condors musste. «Aber klar möchte ich mehr spielen.» Der WM-Silbermedaillengewinner von 2018 stand bloss 9:42 Minuten pro Partie auf dem Eis, was es erschwerte, einen guten Rhythmus zu finden. Das war mit ein Grund für die magere offensive Ausbeute von je fünf Toren und Assists. Ein anderer war, dass Haas den Fokus in erster Linie darauf legte, keine Fehler zu machen. «Ich wollte zeigen, dass sie auf mich zählen können. Jedoch riskierte ich dadurch zu wenig», gibt sich der 28-jährige Center selbstkritisch.

Zwar hätte Haas schon als Junior nach Nordamerika gehen können, dannzumal fühlte er sich aber noch nicht bereit dafür. «Ich bin stolz auf meinen Weg», stellt er klar. Als nächsten Schritt will er eine bessere Mischung aus defensiver Stabilität und offensivem Mut finden. Schliesslich ist ihm bewusst, dass er vorne produktiver werden muss, um sich mehr Eiszeit zu verdienen. «Und je mehr du spielst, umso wohler fühlst du dich», sagt Haas.

Die Umstellung auf die kleineren Eisfelder war für ihn zu Beginn «nicht einfach.» Er erhielt aber die nötige Zeit, was ihm bewies, «dass sie auf mich zählen.» In der NHL seien die Details im Vergleich zur National League noch wichtiger. «Schon bevor du den Puck erhältst, musst du wissen, was du machen willst.» In welchem Bereich konnte er am meisten profitieren? «Sicher mental. Auf dem Eis kämpfst du viel. Das sind die grössten zwei Punkte.»

Zu den Teamkollegen von Haas gehört mit Connor McDavid der derzeit wohl beste Spieler der Welt. Auch der Deutsche Leon Draisaitl, mit 110 Punkten (43 Tore) aktueller Topskorer der Liga, ist einer der Topshots. Mit ihm tauscht Haas ab und zu SMS aus. «Connor ist offen für alle. Er ist ein ruhiger Typ, wenn er aber etwas sagt, hören alle zu. Leon hörst du etwas mehr in der Garderobe. Er hat sehr hohe Ansprüche an sich selber. Wenn er einen schlechten Pass spielt oder das Tor nicht trifft, wird er hässig.» Was konkret kann er von McDavid abschauen? «Bei Connor gibt es so viele Highlight-Treffer, die nur ihm gelingen.» Er mache Dinge, die man nicht üben könne. Aber klar versuche er, so viel wie möglich von ihm zu profitieren.

Als Rookie war Haas viel mit anderen Rookies zusammen. Im Hotel teilte er jeweils ein Zimmer mit dem Schweden Joakim Nygard, auch mit dem Dänen Patrick Russell stand er oft Kontakt. Zur Zusammengehörigkeit im Team sagt Haas: «Es ist schon ein bisschen anders (als in der Schweiz), da 40 Spieler um 20 Plätze kämpfen. Man muss schon etwas auf sich selber schauen.»

Edmonton ist eine traditionsreiche Franchise, der letzte von fünf Stanley-Cup-Triumphen liegt aber schon 30 Jahre zurück. In den vergangenen 13 Saisons erreichten die Oilers nur einmal die Playoffs - 2017 bedeutete der Viertelfinal Endstation. Dennoch spürt Haas bei den Fans keine Ungeduld. «Die Leute leben fürs Eishockey». Insofern möchte das Team noch so gerne etwas zurückgeben und befand sich diesbezüglich bis zum Unterbruch der Saison als Zweiter der Pacific Division auf einem guten Weg. Was die Fortsetzung der Saison betrifft, macht sich Haas keine grossen Gedanken: «Ich schaue auf das, was ich kontrollieren kann.» Und das ist, sich so gut wie möglich fit zu halten.

Haas ist erst vor zweieinhalb Wochen zusammen mit seiner Freundin aus Edmonton in die Schweiz zurückgekehrt, da zunächst nicht absehbar war, wie lange die Quarantäne für die NHL-Spieler dauert. Die Heimreise ging aufgrund der aktuellen Situation deutlich länger als normal, er trug Handschuhe und eine Schutzmaske. «Es hatte fast keine Leute am Flughafen, ich fühlte mich jedoch sicher», erzählt Haas. Am Dienstag liess er sich eine aufgrund eines gebrochenen Fingers eingesetzte Platte entfernen. Dennoch wäre er bereit, wenn die Saison weitergehen würde. Immerhin ist die nahe Zukunft so oder so gesichert.

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