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Wie Davos Zug unterliegt, aber eine Ära begründet

In den ersten zwölf Playoff-Jahren teilen Lugano, Bern und Kloten die Titel untereinander auf. 1998 bricht der EV Zug in diese Phalanx ein und holt seinen bis heute einzigen Meistertitel. Die Finalniederlage gegen Zug ist für den HCD bitter, sie markiert für die Landwassertaler aber den Startschuss in eine goldene Ära.

Südostschweiz
Dienstag, 31. März 2020, 11:04 Uhr Goldene Bündner Sportmomente

Im Playoff-Final 1998 war der HC Davos endlich wieder dort angelangt, wo er seinem Selbstverständnis nach hingehört: An der Spitze des nationalen Eishockeys. Und die Sehnsucht nach erfolgreichem Eishockey beim stolzen Bündner Klub war gross. Zuvor, im Frühjahr 1990, fand sich der HCD, dem im Zuge der Professionalisierung der Sportart kurzfristig dasselbe Schicksal wie Rivale Arosa ereilte, in den Niederungen der 1. Liga wieder.

Doch bereits drei Jahre später war der HCD zurück im Oberhaus und auf die Saison 1996/97 hin wurde der junge Engadiner Trainer Arno Del Curto vorgestellt. Und Del Curto fand im Landwassertal ein Gerüst an Spielern vor, auf die er sich über Jahre hinaus verlassen durfte. Beat Equilino, Marc Gianola, Jan und Reto von Arx, Sandro Rizzi oder Ivo Rüthemann. Zudem lotste er Talent Mark Streit von Fribourg-Gottéron nach Davos. Das Team war gut genug, um gleich in den Playoff-Halbfinal einzuziehen.

Ein Meisterteam, das noch keines ist

Ein Jahr später war die Mannschaft noch besser besetzt. Petteri Nummelin und Pawel Torgajew bildeten neu das Ausländer-Trio mit Ken Yaremchuk. Es waren Glücksgriffe, doch die Zeit für den ersten Titel seit 1985 war noch nicht reif. An der Reihe war das erste und bislang einzige Mal der EV Zug, der sich 30 Jahre nach der Klubgründung in der Finalserie gegen Den HCD die Krone aufsetzte.

Zug spielte kanadisch. Die Ausländer (Wes Walz, Bill McDougall, Chris Lindberg, John Miner) und die Trainer (Sean Simpson, Bob Leslie) waren Kanadier, Misko Antisin und Colin Muller ausserdem Doppelbürger. In der Viertelfinalserie drohte dem Qualifikationssieger gegen Rapperswil-Jona das Aus. Die Zuger unterschätzten den Gegner und kamen erst in der Overtime von Spiel 7 weiter. In der Halbfinalserie gegen Ambri-Piotta lag Zug nach einer 1:7-Heimniederlage in Spiel 5 ebenfalls mit 2:3 zurück.

Vom «Whisky-Bill» zum Meisterhelden

Trainer Simpsons Meisterstück war, dass er nach dem 1:7 gegen Ambri an Goalie Ronnie Rüeger festhielt. Rüeger startete als Nummer 2 in die Saison, verdrängte Patrick Schöpf aber zusehends. Rüeger spielte in den Playoffs zwar selten herausragend, doch das Finalduell gegen sein Davoser Pendant Nando Wieser entschied er klar für sich.

Die Hauptrolle spielten aber die Kanadier, angeführt von Topskorer Walz und McDougall, der im Final nicht mehr zu halten war. Es war kein Zufall, dass Problemkinder wie Misko Antisin und McDougall ihre besten Jahre in Zug erlebten. McDougall erzielte in den 20 Playoff-Partien 16 Goals und 11 Assists. Im ersten Final gegen Davos gelang ihm ein Hattrick. Auf den Tag genau ein Jahr vorher hatte sich McDougall während der Halbfinalserie gegen Davos eine wilde Nacht geleistet, die ihm eine Anzeige wegen Trunkenheit am Steuer und im Boulevard den Übernahmen «Whisky-Bill» eintrug.

Goalie-Fehlgriffe verschieben die Rückkehr auf den Thron

Und der HCD? Die Enttäuschung bei Spielern und Fans war nach der verpassten Chance gegen den EVZ riesig. Doch das Gerüst an starken Schweizer Einzelspielern in Del Curtos Ensemble stand. Das Konzept des schnellen und unglaublich intensiven Spiels über vier Linien verteilt ebenfalls. 

Unglückliche Umstände führten dazu, dass man im Landwassertal vier weitere Jahre auf den 26. Meistertitel warten musste. Erst leisteten sich die Davoser mit den ausländischen Goalies Stéphane Beauregard und Petter Rönnkvist Fehlgriffe. Dann musste man die Abgänge von Schlüsselspielern wie Mark Streit (ZSC Lions), Petteri Nummelin (Columbus Blue Jackets) und vorübergehend Reto von Arx (Chicago Blackhawks) verkraften.

Doch aus der eigenen Jugend drückte auch das Jahrzehnt-Talent Andres Ambühl in die erste Mannschaft. Und auf die Saison 2001/02 hin stiess der treffsichere Michel Riesen zum Team – und Leitwolf Von Arx kehrte von seinem Nordamerika-Abenteuer heim. Im Tor stand der Schweizer Lars Weibel. Es war ein Team, das so talentiert war und dermassen ins Rollen kam, dass die ZSC Lions im Playoff-Final gleich mit 4:0 abgefertigt wurden. Der HCD war zurück an der nationalen Spitze. Es folgten unter der Regie Del Curtos fünf weitere Meistertitel (2005, 2007, 2009, 2011, 2015). (krt/sda)

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