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Jesse Mankinen sucht beim HCD das Happy End

Eine Handverletzung, das Verpassen der Play-offs in Finnland – Jesse Mankinen will in Davos eine schwierige Saison versöhnlich abschliessen. Und für den Trainer zum Luxusproblem werden.

Roman
Michel
Freitag, 21. Februar 2020, 10:00 Uhr Eishockey
Jesse Mankinen will mit dem HCD seine schwarze Schweizer Bilanz korrigieren.
MARCO HARTMANN

Der Satz fällt schon nach wenigen Gesprächsminuten. «A little bit shy» sei er. Ein bisschen scheu. Und dann sagt Jesse Mankinen: «Aber so sind wir Finnen doch alle ein bisschen.»

Am Sonntagabend ist Mankinen in Davos angekommen. Am Montag trainierte der 26-Jährige erstmals mit seinen neuen Teamkollegen. Gegen Leader Zug kam er am Dienstag anstelle des geschonten Aaron Palushaj bereits zu seinem Debüt in der National League. Und zumindest phasenweise zeigte der kleingewachsene Stürmer, warum ihn HCD-Sportchef Raeto Raffainer als «Wunschkandidaten» bezeichnete, als er sich vor dem Ende des Transferfensters Mitte Monat nach Alternativen für die Offensive umschaute. Mankinen ist schnell, wendig und vielseitig einsetzbar. Der Finne spielte sowohl im Powerplay als auch im Boxplay. Insgesamt stand er über 21 Minuten auf dem Eis, nur Magnus Nygren und Mattias Tedenby kamen noch länger zum Einsatz.

Schwarze Schweizer Bilanz

Die Niederlage im Spitzenspiel konnte jedoch auch Mankinen nicht verhindern. Das 1:2 reiht sich in seine «schwarze Schweizer Bilanz». Im Herbst verlor er in der Gruppenphase der Champions Hockey League mit seinem Ex-Klub Lahti Pelicans zwei Mal nach Verlängerung gegen Lausanne. Vor vier Jahren scheiterte er mit KalPa Kuopio im selben Wettbewerb in der ersten K.-o.-Runde an Fribourg-Gottéron. «Das Spiel in der Schweiz ist extrem schnell», hat Mankinen in diesen Begegnungen gemerkt. Gänzlich Neuland ist ihm auch der HCD nicht. Gegen Otso Rantakari spielte Mankinen schon in der finnischen Liga. «Und Mattias Tedenby kennt seit seinem Penalty gegen Ambri-Piotta die ganze Eishockey-Welt», sagt Mankinen lachend.

Zurück nach Handverletzung

Mankinen ist nicht der einzige Spieler, der die Pelicans in den letzten Tagen Richtung Schweiz verlassen hat. Mit Verteidiger Topi Jaakola spielt ein ehemaliger Teamkollege seit Mitte Februar für die ZSC Lions. Der Grund für die Wechsel: Die Pelicans liegen in der finnischen «Liiga» derzeit auf Rang 13, die Play-offs sind ausser Reichweite. Dies, nachdem das Team aus dem Süden des Landes die Qualifikation im Vorjahr noch auf Rang 3 abgeschlossen und sich damit erstmals überhaupt für die Champions Hockey League qualifiziert hatte. «Die Verantwortlichen sind unzufrieden und haben sich entschieden, einen Umbruch zu vollziehen», so Mankinen, der zweieinhalb Jahre in Lahti unter Vertrag stand. Weil es in Finnlands höchster Spielklasse zudem keinen Absteiger gibt, ist es nicht unüblich, dass jene Klubs, die die Play-offs verpassen, Spieler abgeben. Sie sparen damit nicht nur die Lohnkosten, sondern ermöglichen auch dem eigenen Nachwuchs mehr Eiszeit.

Nicht nur die Pelicans, auch Mankinen persönlich blickt auf eine schwierige Saison zurück. Im Herbst zog er sich eine Handverletzung zu, musste mehrere Wochen aussetzen und hatte danach Mühe, wieder Tritt zu finden. «In den letzten Spielen ist er heiss gelaufen», hat Raffainer aber beobachtet. Der Engadiner beschreibt den Neuzugang als «sehr kompletten Spieler, der sowohl im Boxplay als auch im Powerplay einsetzbar ist». Auch Mankinen bezeichnet sich als «guten Allrounder». In der Jugend sei er ein typischer «Sniper» gewesen, mittlerweile sieht er sich aber eher als Spielgestalter.

Klare Rolle beim HCD

Sein Engagement in Davos bezeichnet Mankinen auch als Abenteuer. Sein erstes und bisher einziges Ausland-Engagement endete 2017 nach nur wenigen Wochen. Beim KHL-Klub Vityaz Podolsk wurde sein Vertrag schon nach 16 Meisterschaftspartien wieder aufgelöst, weil der 26-jährige Finne die Erwartungen nicht erfüllen konnte. In Davos hat Mankinen einen Vertrag bis Ende Saison unterschrieben. Bis auf Weiteres wohnt er im Hotel.

Wie oft der Stürmer tatsächlich zum Einsatz kommen wird, hängt mitunter auch von den anderen ausländischen Offensivkräften Perttu Lindgren, Aaron Palushaj und Mattias Tedenby ab. Sollte dieses Trio fit bleiben und nicht in ein Tief fallen, wird Mankinen kaum über den Status des Ergänzungsspielers hinaus kommen. Mit engagierten Leistungen wie beim Debüt gegen Zug will Mankinen auf sich aufmerksam machen und so Trainer Christian Wohlwend vor ein Luxusproblem stellen.

Kampf ums Heimrecht – und die Königsklasse
Vier Punkte aus den letzten fünf Runden fehlen dem HCD noch, um sich den Platz in den Top 4 der Tabelle zu sichern – gleichbedeutend mit dem Heimrecht in den Play-offs und der Qualifikation für die Champions Hockey League. Mit Biel treffen die Bündner morgen auswärts auf eines von zwei Teams, das ihnen den Platz unter den besten vier noch streitig machen könnte. Heute gastiert Langnau im Davoser Eisstadion. Otso Rantakari dürfte nach seiner Rückkehr aus Biel sein Comeback im HCD-Dress geben. Verzichten müssen die Davoser hingegen weiter auf Andres Ambühl und Benjamin Baumgartner. Im Hinblick auf die Play-offs hat der HCD in den letzten Tagen ein Duo aus der Swiss League mit B-Lizenzen ausgestattet. Der kanadisch-schweizerische Torhüter Connor Hughes (Langenthal) und der kanadische Stürmer Troy Josephs (Visp) könnten bei einem Ausscheiden ihrer Klubs temporär zu Davos stossen. (rmi)

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