«Als Swiss-League-Klub wäre es riesig»
Jorden Gähler ist der Einzige, der den Titel im Schweizer Eishockey-Cup noch verteidigen kann. Dafür müssen die Lakers im Halbfinal an Ajoie vorbei.
Jorden Gähler ist der Einzige, der den Titel im Schweizer Eishockey-Cup noch verteidigen kann. Dafür müssen die Lakers im Halbfinal an Ajoie vorbei.
So nah sind die SCRJ Lakers einem nationalen Titel auf höchster Stufe noch nie gekommen. Zwei Siege fehlen, um die Trophäe im Schweizer Cup hochzustemmen.
Auf dem Weg in die Halbfinals eliminierte das Team von Trainer Jeff Tomlinson auswärts den Ligakonkurrenten Winterthur (2:0) und danach mit furiosen Leistungen vor Heimpublikum die Favoriten Lugano (3:0) und Zug (5:1).
Im Halbfinal kommt es heute (Beginn 19.45 Uhr) in Rapperswil-Jona zum Duell gegen den HC Ajoie. Dieser schaltete sogar drei National-League-Klubs aus (Lausanne, ZSC Lions und SCL Tigers). Erstmals seit der Wiedereinführung des Cups in der Saison 2014/15 wird ein unterklassiges Team im Final stehen – sowohl für die Lakers als auch für Ajoie ist es eine einzigartige Gelegenheit.
Veränderte Ausgangslage
Für Lakers-Verteidiger Jorden Gähler ist klar: «Es ist wie ein Play-off-Spiel und wird der bisher schwierigste Match der gesamten Saison.» In den Viertel- und Achtelfinals konnten die Lakers als Underdog unbeschwert aufspielen. Heute ist dies anders. «Alle erwarten von uns, dass wir nach Lugano und Zug auch Ajoie schlagen», erklärt Gähler. «Wie in den beiden Runden zuvor wollen wir unkompliziert spielen. Doch diesmal müssen wir das Spiel machen.»
Auch wenn die Rapperswiler als Leader in der Meisterschaft 19 Punkte Vorsprung auf das viertplatzierte Ajoie aufweisen, sehen sich Gähler und seine Teamkollegen nicht als Favoriten. Von den bisherigen drei Direktbegegnungen dieser Saison gewannen sie jenes zu Hause und eines auswärts, die Jurassier waren in ihren beiden Heimspielen aber das bessere Team.
Der 24-jährige Gähler ist als letzter Spieler, der den Titel verteidigen kann, im Cup verblieben. Im Vorjahr gewann er mit dem EHC Kloten. Als Leihgabe vom Partnerteam EHC Winterthur war er im Achtelfinal gegen Biel und beim 5:2-Finalsieg gegen Servette eingesetzt worden.
Dass er jetzt wieder die Chance hat, in den Cup-Final einzuziehen, möchte er nicht auf sich beziehen. Mit ihm habe dies nichts zu tun, sagt er stoisch.
Bescheiden und selbstkritisch
Diese Aussage passt zum Naturell des Uzwilers. Er geht sogar noch weiter: Darauf angesprochen, dass er mit plus 15 die sechstbeste Plus-Minus-Bilanz der gesamten Swiss League und die beste aller Lakers-Verteidiger hat, bemerkt Gähler: «Das sind nur Zahlen, bei denen auch viel Zufall mitspielt. Es ist krass, über welche Qualität unsere Verteidigung verfügt. Sie wäre ohne mich nicht schlechter.»
Gählers Bescheidenheit ist nicht einfach so dahingeredet, sie ist ehrlich und glaubhaft. Seine Wurzeln mögen ihren Teil dazu beitragen, denn die Eltern seiner Mutter kamen als Flüchtlinge aus dem Tibet in die Schweiz. Gählers Grossmutter lebt heute als Nonne im Kloster.
Kulinarisch ist der 24-Jährige seiner Teilherkunft verbunden, als seine Lieblingsküche nennt er die tibetische. Zu einem Besuch im Tibet ist es aber noch nicht gekommen. «Wir würden gerne mit der ganzen Familie hingehen. Aber weil wir keine geführte Reise machen wollen, ist uns das Visum bisher verwehrt geblieben», erklärt Gähler.
Viel dazugelernt
Keine Steine werden hingegen seiner sportlichen Laufbahn in den Weg gelegt. Der Verteidiger ist froh, dass er sich vor einem Jahr für einen Wechsel zu den Lakers entschied. Er habe in dieser Saison schon so viel gelernt wie in den vier vorangegangenen Jahren zusammen, sagt Gähler.
Dass er nicht an seine offensiven Werte aus der letzten Saison mit Winterthur (23 Punkte in 35 Spielen) herankommt, ist ihm komplett egal: «Ich habe bei den Lakers eine andere, defensivere Aufgabe. Mein Defensivspiel war vor meinem Wechsel nicht gut genug, und es muss nach wie vor besser werden. Ich mache mit den Coaches jede Woche viel Videostudium.»
Läuft alles wie gewünscht, wird auf dem Video des heutigen Spiels der Jubel der Lakers über den Final-Einzug zu sehen sein. «Als Swiss-League-Klub wäre es riesig, wenn wir das schaffen», sagt Gähler. Er weiss aber auch: «Wir müssen alles geben. Fünf Prozent weniger reicht nicht.»


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