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Kanadas Powerplay ist zu gut: Die Schweiz kassiert an der WM ihre erste Niederlage

Die Schweizer Siegesserie an der Eishockey-WM in Tschechien ist im sechsten Gruppenspiel von den Kanadiern beendet worden. Entscheidend war bei der 2:3-Niederlage in Prag eine grosse Strafe gegen Kevin Fiala im Mitteldrittel.

Bernhard
Camenisch
20.05.24 - 01:34 Uhr
Sport
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Schlagabtausch: Der Schweizer Jonas Siegenthaler (links) und Doppeltorschütze Dylan Cozens geraten aneinander.
Bild Petr David Josek / Keystone

Das Spiel

Die Prague-Arena ist an diesem Pfingstonntagabend fest in Schweizer Hand. Die 17268 Zuschauerinnen und Zuschauer sorgen für eine gewaltige Stimmung, und sie sehen zwischen den beiden einzigen noch unbesiegten Teams in der Prager WM-Gruppe ein Spektakelspiel. Von der ersten Sekunde geht es intensiv zur Sache. 

In der 27. Minute übertreibt es aber Kevin Fiala, als er Dylan Cozens auf offenem Eis mit dem Knie erwischt. Der Schweizer kassiert dafür eine Fünfminuten- und Spieldauerdisziplinarstrafe. Zwar muss auch ein Kanadier für zwei Minuten raus und kann sein Team nach Ablauf dieser Strafe darum nur drei Minuten Powerplay spielen. Das reicht den Nordamerikanern, die mit lauter NHL-Spielern antreten, aber, um mit den Treffern zum 2:2 durch Cozens (28.) und zum 3:2 durch Nick Paul (30.) den Match zu drehen. Zwischen diesen beiden Toren scheitert Sven Andrighetto mit einem Penalty an Jordan Binnington. 

Schon das erste Tor der Partie erzielt Cozens in der 2. Minute in Überzahl. Die Schweizer lassen sich vom Fehlstart nicht beirren und gleichen in ihrem ersten Powerplay aus. Torschütze ist in der 12. Minute Fiala. Die Führung gelingt der Schweiz in der 26. Minute. Romain Loeffel ist mit einem Schuss von der blauen Linie erfolgreich – auch, weil die Unparteiischen den Stockschlag von Calvin Thürkauf unmittelbar davor übersehen.

Die Bündner / HCD-Spieler

Im Vergleich zum Spiel am Samstag, dem 8:0-Sieg gegen Dänemark, nimmt der Schweizer Nationaltrainer in seiner Aufstellung nur eine Änderung vor: Als siebter Verteidiger kommt Michael Fora vom HC Davos zum Einsatz. Sein Klubkollege Sven Jung ist dafür überzählig. Beim 2:1 holt sich Fora, der 11:03 Minuten spielt, einen Assist.

Im Sturm bildet der Churer Nino Niederreiter (20:52 Minuten Eiszeit) wiederum die erste Linie mit Kevin Fiala und Center Nico Hischier. Der Davoser Ken Jäger stürmt in der zweiten Formation neben Philipp Kuraschew und Sven Andrighetto. Es ist aber HCD-Captain Andres Ambühl, erneut als 13. Stürmer auf dem Matchblatt, der hauptsächlich Jägers Platz einnimmt. Während Jäger auf 2:18 Minuten Einsatzzeit kommt, sind es für Ambühl 17:50. Er spielt auch in der ersten Powerplayformation mit Niederreiter, Nico Hischier, Kevin Fiala (dessen Platz nimmt nach dem Restausschluss Andrighetto ein) und Roman Josi.

Stimmen zum Spiel

Calvin Thürkauf, Schweizer Stürmer, zur Strafe von Kevin Fiala: «Solche Dinge passieren. Er wollte den Check machen und traf den Gegenspieler unglücklich. Shit happens. Insgesamt können wir stolz sein auf unserer Leistung.»

John Tavares, kanadischer Stürmer und Captain, zur Stimmung in der Arena: «Die Schweizer Fans haben für mächtig Stimmung gesorgt. Für uns war es ein Vorgeschmack auf das, was uns am Dienstag gegen Tschechien erwartet. Das ist schon ganz anders als in der NHL, wenn hier die Leute stehen und herumspringen. Aber das zeichnet eine WM ja aus. Für uns ist es toll, hierher zu kommen und die Energie zu fühlen, welche die europäischen Fans mitbringen – und zu erleben, wie sie sich fürs Eishockey begeistern.»

So geht’s weiter

Nach dieser Niederlage ist klar: Gruppensieger können die Schweizer nicht mehr werden. Denn zumindest an Kanada kommen sie nicht mehr vorbei. Damit ist auch klar, dass die Schweiz für ihren Viertelfinal am Donnerstag nach Ostrava reist. Denn nebst den Kanadiern bleiben auch die Tschechen in Prag – auch wenn der WM-Gastgeber hinter der Schweiz Gruppendritter werden sollte. Nach einem Ruhetag bestreiten die Schweizer ihr letztes Gruppenspiel am Dienstag, 20.20 Uhr, gegen Finnland. Für den amtierenden Olympiasieger und Weltmeister von 2022 steht in dieser Partie womöglich der Einzug in die Viertelfinals auf dem Spiel.

Schweiz - Kanada 2:3 (1:1, 1:2, 0:0)
Prag. – 17303 Zuschauer. – SR Heikkinen/Hribik (FIN/CZE), Briganti/Nikulainen (USA/FIN).
Tore: 2. Cozens (Tavares, Mangiapane/Ausschluss Marti) 0:1. 12. Fiala (Hischier, Josi/Ausschluss Oleksiak) 1:1. 26. Loeffel (Thürkauf, Fora) 2:1. 29. Cozens (Mangiapane, Tavares/Ausschluss Fiala) 2:2. 31. Paul (Mangiapane, Cozens/Ausschluss Fiala) 2:3.
Strafen: 3-mal 2 plus 5 Minuten (Fiala) plus Spieldauer (Fiala) gegen die Schweiz, 5-mal 2 Minuten gegen Kanada.
Schweiz: Genoni; Glauser, Josi; Kukan, Siegenthaler; Loeffel, Marti; Fora; Bertschy, Thürkauf, Scherwey; Niederreiter, Hischier, Fiala; Kuraschew, Jäger, Andrighetto; Simion, Senteler, Herzog; Ambühl.
Kanada: Binnington; Parayko, Power; Severson, Guhle; Oleksiak, Zellweger; Mercer, McBain, Tanev; Dubois, Tavares, Hagel; Bedard, Paul, McCann; Mangiapane, Cozens, Bunting; Guenther.
Bemerkungen: Schweiz ohne Haas (angeschlagen), Berra, Jung (beide überzählig) und Schmid (Ersatzgoalie). – 30. Andrighetto scheitert mit Penalty an Binnington. – Schüsse: Schweiz 22 (9-7-6); Kanada 23 (6-11-6). – Powerplay-Ausbeute: Schweiz 1/5; Kanada 3/5.

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