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Das Deutschland-Trauma ist überwunden – die Schweiz spielt um eine WM-Medaille

Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft steht an der WM in Tschechien im Halbfinal. Mit einer in allen Belangen reifen Leistung besiegt sie Deutschland in Ostrava in einem Abnützungskampf mit 3:1. Die Basis legen die Schweizer im ersten Drittel.

Bernhard
Camenisch
23.05.24 - 18:55 Uhr
Sport
Schweizer Traumstart: Christoph Bertschy jubelt in der 8. Minute, nachdem er in Unterzahl das 1:0 erzielt hat.
Schweizer Traumstart: Christoph Bertschy jubelt in der 8. Minute, nachdem er in Unterzahl das 1:0 erzielt hat.
Bild Peter Schneider

Das Spiel 

Die grosse Frage vor dem Spiel lautet: Wie steht es um die Nerven der Schweizer, die als Favorit in die Partie gehen? Schliesslich haben sie die letzten drei K.-o.-Spiele gegen Deutschland allesamt verloren. Das Team von Nationaltrainer Patrick Fischer beantwortet die Frage schnell und ohne Zweifel. Denn die Schweiz ist auf den Punkt bereit und zeigt keine Spur von Nervosität. Eine erste Powerplaygelegenheit lässt sie zwar aus, doch als Deutschland das erste Mal in Überzahl spielen kann, kommt es zum Optimalfall: Christoph Bertschy erwischt bei einem Entlastungsangriff NHL-Goalie Philipp Grubauer in der nahen Ecke und bringt die Schweiz in Führung (8.).

Diese verleiht zusätzlich Sicherheit. Die Schweizer haben die Partie in Griff. Sie sind enorm aufsässig, machen die Räume zu, attackieren den puckführenden Spieler konsequent und lassen den Gegner nicht in die gefährliche Zone. Und vorne bringt ein druckvoller Shift der Paradeformation das 2:0, erzielt von Nico Hischier (17.).

Die Schweiz kontrolliert das Geschehen auch nach der ersten Pause – und kommt kurz vor Spielhälfte beinahe zum 3:0. Grubauer wehrt gegen Gaëtan Haas stark ab. Kurz darauf kommt Andrea Glauser nach seinem Check gegen John Peterka mit einer Zweiminutenstrafe gut weg. Die Deutschen brauchen in Überzahl aber nur vier Sekunden, um durch Dominik Kahun das Anschlusstor zu erzielen (32.).

Jetzt ist auch Deutschland in der Partie. Fortan ist es ein Duell auf Augenhöhe – oder viel mehr ein Abnützungskampf auf Augenhöhe. Beide Teams sind physisch mit aller Konsequenz am Werk. Und auch die Konzentration bleibt auf beiden Seiten hoch. Deutschland versucht alles, um zum Ausgleich zu kommen, doch die Schweizer machen vor dem eigenen Tor dicht. Und auch mit Weitschüssen kommen die Deutschen kaum durch. So verteidigt die Schweiz die knappe Führung – mit risikolosem aber taktisch reifem Spiel. Als der Gegner alles auf eine Karte setzt und Grubauer auf die Bank holt, trifft Bertschy 58 Sekunden vor der Schlusssirene zum 3:1 ins leere Tor.

Die Bündner / HCD-Spieler

Nationaltrainer Patrick Fischer überrascht mit einer Veränderung in seiner Aufstellung. Er verzichtet auf NHL-Stürmer Philipp Kuraschew und stellt dafür alle acht Verteidiger, die er an der WM dabei hat, auf. Somit sind beide HCD-Abwehrspieler, Michael Fora und Sven Jung, im Einsatz. Fischer spielt aber weitgehend mit sechs Verteidigern. Für Jung gibt es nur eine knappe Minute Eiszeit, für Fora 6:05 Minuten.

Nebst Kuraschew muss auch der Davoser Ken Jäger (Lausanne HC) zuschauen. Nino Niederreiter bildet wie gewohnt die Schweizer Paradereihe mit seinen NHL-Kollegen Nico Hischier und Kevin Fiala. Der Churer steht mehr als 18 Minuten auf dem Eis. HCD-Captian Andres Ambühl stürmt in der vierten Linie neben Gaëtan Haas und Tristan Scherwey. Er kommt inklusive Powerplay auf 15:16 Minuten.

So geht’s weiter

Die Schweizer sind am Finalwochenende dabei und reisen dafür zurück nach Prag, wo sie die komplette Gruppenphase bestritten haben. Im Halbfinal am Samstag bekommen sie es ab 18.20 Uhr mit Kanada zu tun. Die beiden Teams trafen am Sonntag schon in der Vorrunde aufeinander. Die Kanadier gewannen dank drei Powerplaytoren mit 3:2.

Den ersten Finalisten machen am Samstag, 14.20 Uhr, in Prag Schweden und der WM-Gastgeber Tschechien untereinander aus.

Schweiz – Deutschland 3:1 (2:0, 0:1, 1:0)
Ostrava. - 6583 Zuschauer. - SR Brander/Holm (FIN/SWE), Gustafson/Nyqvist (USA/SWE). 
Tore: 8. Bertschy (Ausschluss Ambühl!) 1:0. 17. Hischier (Siegenthaler, Fiala) 2:0. 32. Kahun (Stachowiak/Ausschluss Glauser) 2:1. 60. (59:02) Bertschy 3:1 (ins leere Tor). 
Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 3-mal 2 Minuten gegen Deutschland.
Schweiz: Genoni; Glauser, Josi; Kukan, Siegenthaler, Loeffel, Marti; Fora, Jung; Niederreiter, Hischier, Fiala; Bertschy, Thürkauf, Andrighetto; Simion, Senteler, Herzog; Ambühl, Haas, Scherwey.
Deutschland: Grubauer; Wissmann, Jonas Müller; Moritz Müller, Szuber; Wagner, Kälble; Kahun, Sturm, Tiffels; Peterka, Stachowiak, Reichel; Pföderl, Michaelis, Ehliz; Ehl, Kastner, Tuomie.
Bemerkungen: Schweiz ohne Berra, Jäger, Kuraschew (alle überzählig) und Schmid (Ersatzgoalie). – Pfostenschüsse: 9. Thürkauf, 39. Kahun. – Schüsse: Schweiz 25 (12-9-4); Deutschland 15 (5-5-5). – Powerplay-Ausbeute: Schweiz 0/3; Deutschland 1/4.

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