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Trump-Anhänger verteufeln Superstar Taylor Swift

Die MAGA-Welt Donald Trumps hat der Pop-Ikone Taylor Swift den «Heiligen Krieg» erklärt. In den Fiebersümpfen der rechten Influencer brüten vor dem Super-Bowl-Finale irre Verschwörungstheorien.

Südostschweiz
31.01.24 - 22:05 Uhr
Schweiz & Welt

von Thomas J. Spang

Der Narzisst platzt vor Eifersucht über den Erfolg Taylor Swifts, die allein auf Instagram 279 Millionen Anhänger hat. Die «Swifties» genannten Fans der Musikerin sind jünger und zahlreicher als Donald Trumps Make-America-Great-Again-Anhänger. Seinetwegen schalten nicht mehr Leute den Fernseher ein, sondern ab. Weshalb die grossen Nachrichtenkanäle Trumps Kundgebungen längst nicht mehr live übertragen.

Swift politisiert ihre Fans

Ganz anders der «Halo»-Effekt der blonden Sängerin, die den Footballstar der Kansas Chiefs, Travis Kelce, dated. Als sie sein Team bei den Siegen gegen die Baltimore Ravens und zuvor die Chicago Bears im Stadion anfeuerte, brachte Swift Millionen weibliche Fans mit. Die Einschaltquote unter den 18- bis 24-jährigen Frauen stieg um Zweidrittel an. Mit fast 25 Millionen Zuschauern toppte das Spiel gegen die Bears jede andere TV-Sendung auf der Mattscheibe. Mit ihrer Eras-Tour durch 20 US-Städte verdiente Taylor mehr Geld, als Trump angesichts der Gerichtsurteile gegen ihn vermutlich noch flüssig hat. Weshalb nicht er, sondern die Milliardärin im Dezember als «Person des Jahres» auf dem Titel des «Time»-Magazines landete. Dass die Pop-Ikone bei den Wahlen 2020 Joe Biden unterstützte, stösst bei dem mutmasslichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner besonders übel auf.

Vor dem Super-Bowl-Finale in Las Vegas am 11. Februar schrillten in der MAGA-Welt alle Alarmglocken auf. Die Strategen in Trumps Wahlkampfteam sind besorgt über den möglichen Einfluss Swifts auf ihre Fans. Jüngstes Beispiel: Nach einem Aufruf auf Instagram, sich zum Wählen zu registrieren, brachen bei «Vote.org» vorübergehend die Server zusammen. Der Dienst verzeichnete allein 35 000 Registrierungen an einem Tag. Das Magazin «Rolling Stone» berichtet, Trump und seine Berater hätten Swift den «Heiligen Krieg» erklärt. Es gehe darum, ihren Einfluss auf die Heerscharen an treuen «Swifties» zu neutralisieren, bevor sie Biden für seine Wiederwahl offiziell unterstütze.

Rechte entwickeln wilde Ideen

Seitdem spriessen die verrücktesten Verschwörungserzählungen aus dem Boden der rechten Fiebersümpfe in den elektronischen Medien. Demnach sind Swifts sagenhafter Erfolg, die Beziehung zu Kelce und der Triumph der Kansas Chiefs alles nur Teil eines grossen Plots, Biden erneut ins Weisse Haus zu verhelfen. Dass die Chiefs bereits ohne Swift in den letzten drei von vier Super-Bowl-Endspielen standen, scheinen die Trump-Anhänger vergessen zu haben.

Der MAGA-Lautsprecher Rogan O’Handley, sagt gar einen dritten Weltkrieg voraus, wenn die San Francisco 49ers nicht den Titel holen. «Ihr müsst gewinnen», appelliert O’Handley, der ernsthaft meint, bei einem Sieg der Chiefs würden Swift und Kelce für Biden durch die USA touren. Dessen Wiederwahl führe dann zu einer apokalyptischen Kette an Ereignissen mit Millionen Toten.

Die Trump-Influencerin Laura Loomer macht ihrerseits eine psychologische Beeinflussungskampagne der Demokraten aus. «Die benutzen Taylor Swift als Postermädchen für ihre Pro-Abtreibung Wählermobilisierung.» Ein Gesprächspunkt der MAGA-Welt, den auch Jesse Watters aufgreift. Der Fox-Moderator verkauft seinen Zuschauern, dass die Pop-Ikone vom Pentagon für die psychologische Kriegsführung im Inneren in Stellung gebracht worden sei. Ehrlicher war da der Appell von Moderatorin Jeanine Pirro, die während Trumps Zeit im Weissen Haus als Beraterin tätig war. «Halt Dich aus der Politik raus, wir wollen Dich da nicht sehen.»

Darauf zielt offenbar auch die Einschüchterungskampagne mit sexualisierter Gewalt gegen Swift auf der Onlineplattform X ab. Das Netzwerk flutete seit vergangener Woche mit Deepfakes genannten Montagen von pornografischen Darstellungen mit dem Kopf des verteufelten Idols

«Die Demokraten benutzen Taylor Swift als Postermädchen.»

Laura Loomer, Trump-Influencerin
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