Die Frage nach dem Warum bleibt
Es ist eine Tat, die viele Menschen fassungslos macht. Ein 33-jähriger Mann soll in der Nacht auf gestern in einer Wohnung am Foralweg in Chur absichtlich einen Brand verursacht und damit sich sowie seine zwei Kinder getötet haben. Von diesem Szenario geht die Kantonspolizei Graubünden aus, wie sie gestern mitteilte.
Alarm um 3.05 Uhr
Am Sonntagmittag ist noch nicht viel klar über die Ereignisse der Brandnacht am Foralweg. Bekannt ist: Um 3.05 Uhr geht bei der Einsatzleitzentrale der Kantonspolizei Graubünden eine Meldung über einen Wohnungsbrand in dem sechsstöckigen Mehrfamilienhaus am Foralweg ein. Die Feuerwehr Chur rückt unverzüglich mit allen verfügbaren Kräften aus; 70 Feuerwehrleute kämpfen am Ende gegen die Flammen.
Die Feuerwehrleute evakuieren auch die mit dem Haus Nummer 19 zusammengebauten Nachbargebäude; 48 Bewohnerinnen und Bewohner müssen sich aus 38 Wohnungen in Sicherheit bringen. Sie werden im nahen «Café Inside» im Kornquader-Center betreut. Sechs Hausbewohner werden mit Krankenwagen der Rettung Chur sowie der Spitäler Thusis und Schiers mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Kantonsspital transportiert.
Längst ist am Foralweg ein Grossaufgebot an Rettungskräften im Einsatz. Neben der Feuerwehr und dem Sanitätspersonal stehen 13 Einsatzkräfte der Stadtpolizei Chur sowie das Care-Team-Graubünden im Einsatz.
Die traurige Gewissheit
Während der Löscharbeiten stossen die Rettungskräfte auf drei Leichen. Sie liegen in jener Wohnung, von welcher der Brand ausgegangen ist. Am Sonntagmittag ist lediglich die Rede von einem Erwachsenen und zwei Kindern, welche bei dem Feuer ihre Leben verloren haben.
Im Laufe des Sonntags zeigt sich: Bei den drei Toten handelt es sich um einen Vater sowie seine Tochter und seinen Sohn. Die Kantonspolizei geht mittlerweile davon aus, dass der Vater den Brand absichtlich gelegt hat. «Die Staatsanwaltschaft wird zusammen mit uns jetzt weiter ermitteln», erklärt Markus Walser, Mediensprecher der Kantonspolizei Graubünden, am Nachmittag. «Dabei geht es auch um die Frage, wie es zu dieser Tat gekommen ist.»
Die meisten können heim
Glück im Unglück haben dagegen die meisten anderen Geretteten. «Sechs der acht in Pflege verbrachten Personen konnten das Spital schon im Laufe des Sonntagvormittags wieder verlassen», sagt Walser am Nachmittag. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner der beiden angrenzenden Häuser können rasch wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.
Wie lange die Wohnungen im Haus Nummer 19 nicht bewohnbar sind, ist noch unklar. Klar ist dagegen: Die Bewohnerinnen und Bewohner müssen vorläufig anderswo unterkommen. «Für die Unterbringung in einem solchen Fall kommt normalerweise die Hausratsversicherung des jeweiligen Mieters auf», sagt Markus Feltscher, Direktor der Gebäudeversicherung Graubünden. «Nur wer keine entsprechende Versicherung hat, muss für allfällige Kosten während dieser Zeit selber aufkommen.»
Wie hoch der Schaden am Gebäude ist, vermag Feltscher noch nicht zu sagen. Die Gebäudeversicherung werde auf jeden Fall dafür aufkommen – auch für die Reinigungs- und Instandstellungsarbeiten.
Olivier Berger wuchs in Fribourg, dem Zürcher Oberland und Liechtenstein auf. Seit rund 30 Jahren arbeitet er für die Medien in der Region, aktuell als stellvertretender Chefredaktor Online/Zeitung. Daneben moderiert er mehrmals jährlich die TV-Sendung «Südostschweiz Standpunkte». Mehr Infos
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