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Schwingkolumne: Der Spagat eines Verbandsarbeiters

Südostschweiz
04.06.24 - 16:00 Uhr
Regionalsport
Kommentar
Fleissiges Arbeiten: Während die Recher den Platz für den nächsten Gäng vorbereiten, wird im Auto an unterschiedlichen Texten gearbeitet.
Fleissiges Arbeiten: Während die Recher den Platz für den nächsten Gäng vorbereiten, wird im Auto an unterschiedlichen Texten gearbeitet.
Bild Annick Vogt

von Patrick Casanova

Diese Zeilen erreichen Sie von der Medientribüne des Zürcher Kantonalschwingfests in Horgen. Während auf den fünf Plätzen eifrig der Schwingerarbeit nachgegangen wird, bearbeiten vom Regen geschützt die Fotografen ihre Bilder. Der Kollege nebenan, seit Jahrzehnten wandelndes Glarner Schwinglexikon, füttert den Liveticker eines Fachorgans. Weiter wird an Texten gefeilt, in Radiomikrofone gesprochen und über die nächsten Spitzenpaarungen gefachsimpelt. Emsiges Treiben, dazwischen aber auch immer Raum für Austausch oder einen Kaffee.

Historisch gewachsen und dem Milizgedanken folgend, wird im Schwingsport ein Teil der Medienarbeit durch die Verbände selbst abgedeckt. Jeder Verband zählt auf Schreiberlinge oder Fotografen aus den eigenen Reihen. Für diese Gattung ist der Festbesuch primär eine schöne Freizeitbeschäftigung und damit Abwechslung zum Berufsalltag. An wichtigen Festen sind aber auch professionelle Journalisten der grossen Häuser anzutreffen. Für diese ist ein Anlass wie hier am Zürichsee ein gewöhnlicher Arbeitstag, an dem daneben noch anderes abgedeckt werden muss. Dieses Nebeneinander von «Hobby»- und Berufsjournalismus erlebe ich als befruchtend. 

Als zuweilen persönlicher Spagat empfinde ich ab und an die eigene Rolle zwischen klassischer Festberichterstattung, welche dann auch in Tages- oder Wochenzeitungen erscheint, sowie der Verbandsarbeit. Beim Schreiben eines Festberichts fühlt man sich grundsätzlich einer gewissen Objektivität verpflichtet. Auf überschwängliches Lob und zu wertende Adjektive versuche ich zu verzichten. Sagen, was ist – das frühere Credo des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein gälte auch hier als Leitplanke. Zugegebenermassen fällt es mir aber schon schwer, bei mal ungünstigem Festverlauf, Wettkampfpech oder diskussionswürdiger Einteilung kritische Worte anzubringen. Da verspüre ich dann doch Respekt vor dem schwingerischen Umfeld, in dem viele von den technischen Aspekten des Nationalsports deutlich mehr verstehen als ich.

Die absolute Unabhängigkeit der Berichterstattung ist ein Ideal, dem im Verbandsjournalismus wohl nie vollumfänglich nachgelebt werden kann. Am Ende ist man primär doch Teil des Spiels. Über unsere bescheidenen Möglichkeiten – Social Media, Website oder breit im Kanton gestreute Texte – versuche ich, möglichst viel Interesse für das Geschehen und kommende Feste zu generieren. Hier sind dann auch eher mal Superlative und andere Stilmittel des Marketingsprechs erlaubt.

* In unserer Schwingkolumne beleuchten Redaktore und Vertreter des Bündner Schwingerverband wöchentlich Facetten rund um den Schweizer Nationalsport und das Geschehen im Kanton.

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