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«Von solch dubiosen Geschäften sind die Finger zu lassen»

Bei der Bündner Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei werden immer wieder betrügerische Online-Kapitalanlagen zur Anzeige gebracht. Die Prävention der Behörden scheint nicht zu wirken.

Südostschweiz
Dienstag, 10. November 2020, 10:21 Uhr Kantonspolizei Graubünden warnt vor Anlagebetrügern
Die Betrüger ködern ihre Opfer mit vermeintlich lukrativen Finanzanlagen in Aktien, Optionen oder Krypto-Währungen.
PIXABAY

«Kampf gegen Windmühlen»: Leicht resigniert warnt die Bündner Kantonspolizei heuer bereits zum dritten Mal vor betrügerischen Online-Kapitalanlagen. Schon im Februar und März machte die Kantonspolizei auf die Masche der Betrüger aufmerksam.

Fast vierzig solcher Betrugsfälle wurden der Bündner Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei seit 2018 zur Anzeige gebracht. Vierzig Fälle, in denen die Opfer um insgesamt gut drei Millionen Franken geprellt wurden. In diesem Herbst zum Beispiel investierte ein Mann über 600'000 Franken – und verlor das ganze Geld. Er hatte es online anlegen wollen, so wie die meisten Opfer, die in der Folge vorzeitig bezogene Pensionskassengelder an Unbekannte verlieren.

Die Geschädigten würden mit lukrativen Finanzanlagen in Aktien, Optionen oder Krypto-Währungen geködert, heisst es in der Mitteilung der Kantonspolizei. Nach der Errichtung eines digitalen Kontos tätigen die Anleger Geldüberweisungen an ausländische Gesellschaften. Die Anleger können die vermeintlichen Geldanlagen und Gewinne jederzeit online überwachen. In einigen Fällen überzeugten Kontaktpersonen die Geldgeber sogar, das eingesetzte Geld vor Verlust zu sichern und für eine entsprechende Versicherung Geld nachzuzahlen.

Um das Vertrauen der Anleger zu gewinnen, würden teilweise auch Renditen ausbezahlt. Die Anleger würden dadurch Vertrauen gewinnen und noch grössere Investitionen tätigen, schreibt die Kantonspolizei weiter. Danach würden aber Kontaktaufnahmen mit den Betrügern ins Leere laufen. Das investierte Geld verschwindet.

«Wundersame Vermehrung» und «Unbekannt» – keine gute Kombination

Die Kantonspolizei macht in ihrer Mitteilung ein kleines Rollenspiel: Man stelle sich vor, dass man einem Unbekannten eine erhebliche Geldsumme an Erspartem zur wundersamen Vermehrung übergeben würde. «Die Aspekte ‹Unbekannt› und ‹wundersame Vermehrung› müssen bei realistischer Betrachtung zwangsläufig zum Schluss führen, dass es sich um organisierte Kriminalität handeln dürfte und die Finger von solch dubiosen Geschäften zu lassen sind», schreibt die Kantonspolizei in durchaus emotionalem Tonfall.

Um den Polizeibeamten etwas Stress zu ersparen, kann man sich im Falle eines Falles auf ihre Tipps besinnen:

  • Investitionen mit der Hausbank oder der Beratungsstelle des Vertrauens besprechen.
  • Unter keinen Umständen ID- oder Passkopien versenden.
  • Keine Anlagen unter Zeitdruck tätigen.
  • Nicht von professionellem Auftritt blenden lassen.
  • Nur Geldanlagen tätigen, die man versteht.

(jas)

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Guten Tag Herr Barandun

Davon hat die Kantonspolizei Graubünden in ihrer Mitteilung nichts geschrieben. Sie verweist aber auf die FINMA, die Finanzmarktaufsicht, die auf ihrer Seite folgendes dazu schreibt:

«Häufig werden die potenziellen Käufer telefonisch angegangen, massiv bearbeitet und geradezu zum Kauf gedrängt. Die Telefonverkäufer operieren teilweise von ausländischen Call-Centers aus. Über dieses sogenannte 'Cold Calling' wird zum Beispiel mit einem geplanten Börsengang geworben, der den Wert der Aktie angeblich um ein x-Faches ansteigen lassen soll. Dazu werden schön gestaltete Internetauftritte oder aufwändige Hochglanzprospekte der Gesellschaften präsentiert. Diese werden von den Anlegern fälschlicherweise als Zeichen der Seriosität der Gesellschaft gewertet.»

Freundliche Grüsse
Ihr SO-Team