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Nach Schüssen sitzen zwei Männer in Haft

Nach den Schüssen in Kaltbrunn laufen die Ermittlungen zu den Hintergründen. Die Polizei geht davon aus, dass die vier Beteiligten sich kannten. Warum sie stritten, liegt noch im Dunklen.

Christine
Schibschid
Dienstag, 21. Juli 2020, 09:11 Uhr Krimi-Szenen in Kaltbrunn
Tatort: An der Kreuzung Benkner-/Gaster-/ Käsereistrasse in Kaltbrunn, wo am Freitagabend die Schüsse abgegeben wurden, ist inzwischen wieder Normalität eingekehrt.
Bild Thomas Senn

Drei Mal habe er es knallen hören, erzählt ein Kaltbrunner, der am Freitagabend Zeuge der Schüsse im Dorfzentrum wurde. «Ich dachte erst, jemand zündet Feuerwerk», sagt er. Als er dann aus dem Fenster gesehen habe, sei ihm aber schnell klar gewesen, dass es Schüsse waren. «Ich habe auf der Strasse zwei Autos gesehen, eins hat dem anderen den Weg abgeschnitten. Nach einigen Sekunden sind beide schnell davongefahren», so der Augenzeuge.

Panik oder Angst seien nach der Schussabgabe im Dorf nicht umgegangen. «Viele haben gar nichts davon mitbekommen, bis die Polizei kam», so der Zeuge. Die Beamten seien ohne Blaulicht angerückt. «Das ging ziemlich ruhig vonstatten». Die halbe Nacht sei die Polizei mit der Aufnahme von Spuren beschäftigt gewesen. «Das war es eher, was vielen Leuten aufgefallen ist», sagt der Zeuge, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Schütze noch nicht bekannt

Wie die Polizei am Samstag mitteilte, war es auf der Dorfstrasse gegen 20.30 Uhr zu einem Streit zwischen einem 54-jährigen Schweizer und einem 35-jährigen Kosovaren gekommen, bei dem der Schweizer im Gerangel leicht verletzt wurde. Um dem 54-Jährigen zu helfen, kamen ein 27-jähriger Schweizer und ein gleichaltriger Deutscher hinzu. «Die beiden Männer sind dem Kosovaren dann gefolgt», sagt Polizeisprecher Hanspeter Krüsi. Die Schüsse seien im Verlauf der Verfolgung gefallen. Die Polizei geht davon aus, dass einer der beiden 27-Jährigen, die später hinzukamen, sie abfeuerte. «Wer von ihnen, wissen wir nicht», sagt der Polizeisprecher. Die beiden Männer wurden im Zuge der eingeleiteten Fahndung gefasst. Der Kosovare stellte sich. Den verletzten 54-Jährigen brachte die Rettung ins Spital.

Laut Krüsi befanden sich die beiden Männer, die als Schützen infrage kommen, gestern Nachmittag noch in Haft. Die Staatsanwaltschaft habe Untersuchungshaft beantragt. Das Zwangsmassnahmengericht habe noch nicht über den Antrag entschieden.

Rolle der «Helfer» unklar

Nun laufen die Ermittlungen zu den Hintergründen des Streits. Ganz zufällig kamen die 27-Jährigen offenbar nicht hinzu: «Wir gehen davon aus, dass sich alle Beteiligten kannten», so Krüsi. Die Männer kämen teils aus der Gegend, teils von ausserhalb des Kantons. Der Deutsche wohne nicht in der Schweiz. Warum es Streit gab, kann Krüsi nicht sagen: «Es wird eine Zeit dauern, bis das geklärt ist. Wir sehen Zusammenhänge, kommunizieren diese aber aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.»

Zu beleuchten sei auch, warum der Schütze mit einer Waffe unterwegs war. «Wir müssen klären, woher er sie hat, ob sie legal war und ob ein Verstoss gegen das Waffengesetz vorliegt», sagt Krüsi. Derzeit sei offen, ob der Mann über die Bewilligung verfügte, eine Waffe bei sich zu tragen, oder nicht.

War jemand gefährdet?

Gegenstand der Ermittlungen ist auch, wie und mit welchem Ziel die Schüsse abgegeben wurden und ob dabei jemand gefährdet war. Die Fragen spielen eine Rolle bei den strafrechtlichen Konsequenzen, die auf den Schützen zukommen.

Ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren, ist noch offen. Die Ergebnisse der Blut- und Urinproben liegen noch nicht vor.

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