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«Autoposer» in Corona-Zeiten auf Radar von Polizei und Lärmgegnern

In einigen Kantonen läuft nach Klagen aus der Bevölkerung eine Offensive gegen Autoposer. Reihenweise verzeigt die Polizei Protzer und zieht aufgedröhnte Autos ein. Das Phänomen ist auch auf den politischen Radar geraten. Der Bund warnt vor Sackgasse-Lösungen.

Agentur
sda
Freitag, 05. Juni 2020, 10:00 Uhr Bern

Autotuning ist nichts neues. Motorenlärm ist nun mal Musik in den Ohren von Liebhabern aufgemotzter, oft geleaster, blitzblank polierter PS-Boliden. Während des Corona-bedingten Lockdowns mit den geschlossenen Grenzen und leeren Strassen hat sich das Phänomen nun aber offenbar zugespitzt. Freie respektive laute Fahrt für freie Bürger lautete an vielen Hotspots die Devise.

In einigen Kantonen führt die Polizei seit Anfang April ganz bewusst gezielte Kontrollen gegen Autoposer durch. Beinahe im 24-Stunden-Takt gab es in den letzten Tagen und Wochen Meldungen zu Anzeigen, Beanstandungen oder Stilllegungen von hochgetunten Autos.

«Neben Eigenbeobachtungen der Polizei treffen vermehrt Meldungen aus der Bevölkerung ein», bestätigte Stefan Blättler, Präsident der kantonalen Polizeikommandanten, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA diese Eindrücke. Dementsprechend würden die Korps ein Augenmerk auf die Problematik richten.

Mehr Verzeigungen und Beschlagnahmungen

In der Stadt Winterthur zum Beispiel gab es in diesem Jahr bereits hundert Verzeigungen wegen unerlaubter technischer Änderungen und Lärm, 2019 waren es im ganzen Jahr deren dreissig. Die Kantonspolizei Zürich hat im Jahr 2020 bereits rund 250 Rapporte im Bereich Tuning an die Untersuchungsbehörden geschrieben, wie sie auf Anfrage bekannt gab.

Die St. Galler Kantonspolizei zeigte im Mai bei drei Schwerpunkteinsätzen rund 50 Poser an und legte elf Fahrzeuge wegen unerlaubter technischer Veränderungen still. Rund hundert Anzeigen waren es seit Anfang April im Kanton Thurgau.

Auch der Kanton Aargau ist ein Hotspot und geht verstärkt gegen Autoposer vor. Tägliche Lärmklagen genervter Bürger halten die Polizei auf Trab. In vielen Aargauer Gemeinden wehrt sich die Bevölkerung mit Petitionen. Meldungen über Dutzende Verzeigungen gab es auch aus Chur GR.

«Protzgehabe» vielerorts ein Ärgernis

Für die Baselbieter Polizei sind die Poser ebenso ein Problem, wie es auf Anfrage hiess: «Junge Autofahrer stellen ihre PS-starken Boliden zur Schau und lassen die Auspuffe röhren. Solches 'Protzgehabe' ist während der letzten Wochen vielerorts zum Ärgernis geworden», so der Baselbieter Polizeisprecher Adrian Gaugler.

Auch die Verkehrspolizei Basel-Stadt hat die Kontrollen hinsichtlich technischen Veränderungen am Fahrzeug, Verursachen von vermeidbarem Lärm und Geschwindigkeitsexzessen intensiviert. Laut Polizeisprecher Toprak Yerguz gibt es vermehrt Meldungen über lärmende oder mutmasslich getunte Fahrzeuge.

Das Thema gerät folglich zunehmend auch auf den Radar der Politik. Gas geben in dieser Frage wollen namentlich alt Nationalrat Karl Vogler (CVP/OW), Nationalrätin Gabriela Suter (SP/AG) und Ständerat Thierry Burkart (FDP/AG). Der Bundesrat will ein Postulat Voglers annehmen, das die Prüfung von Massnahmen gegen übermässigen Motorenlärm verlangt.

Manipulationen an Auspuffanlagen

Vogler fordert insbesondere griffigere Sanktionen gegen die Verwendung illegaler Bauteile oder veränderte Fahrzeuge. Zudem sollen die Polizeikontrollen intensiviert werden. Gemäss den Angaben der Kantonspolizei Zürich wurden typenfremde oder abgeänderte Auspuffanlagen, Fahrwerke, Licht und Felgen am häufigsten beanstandet.

Burkart will in der laufenden Sommersession ein Postulat einreichen, das eine umfassende Analyse der Problematik verlangt, wie die «Aargauer Zeitung» berichtete. Suter will in drei Vorstössen PS-Beschränkungen für Junglenker, die Einführung von Lärmblitzern sowie eine Dezibelgrenze für Motorräder.

Auch der Touring-Club Schweiz (TCS) will sich des Themas annehmen, hat aber seine Position noch nicht festgelegt, wie Mediensprecher Daniel Graf auf Anfrage sagte. Der politische Ausschuss werde sich erst noch damit befassen und allfällige Beschlüsse fällen müssen.

Skepsis beim Bundesamt für Strassen

Beim Bundesamt für Strassen (Astra) hält man wenig von einer Leistungsbeschränkung für Fahrzeuge von Junglenkern. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass eine solche Regelung «nicht zielführend und praxisgerecht ist», erklärte Mediensprecher Thomas Rohrbach gegenüber Keystone-SDA. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) kam 2019 zu ähnlichen Schlüssen.

Damit würde man nur Zweitfahrzeuge in Familien fördern, da Neulenkende ein schwächeres Fahrzeug verwenden müssten. «Und wo soll man bei der Leistung die Grenzen ziehen?», beschreibt Rohrbach eine weitere Knacknuss. Überdies sei die Beurteilung von unerlaubten technischen Änderungen an einem Fahrzeug sehr aufwändig. Eine beweissichere Feststellung könne nur anhand einer aufwändigen und kostspieligen Vorbeifahrtmessung gemacht werden.

Auch ein Lärmradar lässt sich laut Astra nur sehr schwer realisieren. Der Lärmgrenzwert gilt laut Rohrbach nur für einen genau definierten Fahrzustand auf einem normierten Belag. Zudem würden die Geräuschemissionen im Fahrzeug nicht angezeigt. «Im Gegensatz zur Geschwindigkeit weiss der Fahrende daher nicht, wie laut das Fahrzeug ist respektive von aussen wahrgenommen wird.»

Lärmblitzer in Zürich und Bern abgeblitzt

Die Kantonsparlamente von Zürich und Bern haben Tests mit Lärmblitzern - relativ knapp - bereits abgelehnt. Dafür fehle die rechtliche Grundlage, wurde von der Mehrheit namentlich argumentiert. Für die Schaffung sei der Bund zuständig. Es gebe überdies keine gesetzliche Definition von vermeidbarem Lärm.

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Die Mehrheit (also die Opfer, auf die der Lärm entsorgt wird, den die Minderheit der infantilen Wichtigtuer eigens für sie produziert) sollte:
1) wenn immer möglich Strafanzeige erstatten (was allerdings schwierig ist, weil die Tat-Urheber oft sofort wieder abhauen; deshalb wendet die Polizei von New York City Nulltoleranz bzw. "Operation SOUND TRAP" an.
Hingegen wenn die Polizei persönlich vor Ort steht, werden durch diese paar wenigen Kontrollen die meisten Dezibelexhibitionisten nicht erwischt.
Die Lösung wäre einfach:
2) Automatisierung: SOUND-TRAPS (siehe NYC), vergleichbar mit Geschwindigkeits-Blitzern, die wir längst kennen.
3) Weit härtere Strafen (Fahrzeug-Entzug, was Leasing-Folks allerdings kaum erschüttern dürfte; hohe Bussen und Fahrausweis-Entzug), denn dass seit Jahren das Problem des mutwillig zusätzlich erzeugten Motor-Lärms grösser statt kleiner wird, ist der evidenteste Beleg, dass die wirksame Therapie – von Mächtigen – torpediert wird. Bisher ist es so, dass die paar wenigen, die erwischt werden, bald wieder dasselbe Kinderspiel auf unseren Strassen und auf unseren Nasen herumtanzend vollführen: eben als Beleg der Unwirksamkeit bisheriger Massnahmen, sonst würde dieses schä(n)dliche Treiben ja weniger und nicht mehr.
Dass für diesen bisherigen Unwirksamkeits-Leerlauf eine Menge Steuergelder ver(aus)pufft werden, ist ein Nebenaspekt, der dem Wahlvolk ebenfalls Beine machen sollte.
3) Vor allem aber, das ist die Voraussetzung für 2) und 3) müssten wir ein anderes Parlament wählen!
Ein anderes Parlament wählen auch in Zürich, wo der Antrag der GRÜNEN (unterstützt von SP, EVP und GLP) leider knapp scheiterte an den anderen Parteien:
https://www.bluewin.ch/de/newsregional/zuerich/laute-sportwagen-kantons…
Siehe Kommentar:
https://www.suedostschweiz.ch/polizeimeldungen/2020-06-01/die-wochenend…

Kontrollieren ist sehr gut aber alle die ein Sportliches Fahrzeug besitzen in einen Topf werfen gehört sich nicht die Polizei sollte sich etwas mässigen und nicht Willkürlich Halter anprangern obwohl MFK Abnahme vorgelegt werden.