×

«Kaum ein Wochenende ohne Vandalismus»

Zersplitterte Holzbänke und mit Kritzeleien verschmierte Wände. Mit diesem Anblick waren die Gemeindebetriebe Bonaduz Rhäzüns nach dem Wochenende konfrontiert – wieder einmal. Es ist eine Problematik, die in den vergangenen Jahren zugenommen hat.

Corinne
Raguth Tscharner
Dienstag, 14. Mai 2019, 04:30 Uhr Gemeindebetriebe Bonaduz Rhäzüns appellieren

«Kaum ein Wochenende ohne Vandalismus», schreiben die Gemeindebetriebe Bonaduz Rhäzüns auf ihrer Facebookseite. Diesmal sind es zwei Bankreihen des Unterstandes des alten Eisplatzes, die laut dem Post «traktiert» wurden. Sie sind eigentlich an der Wand angebracht, damit Eisläufer und Eishockeyspieler dort im Winter ihre Schuhe anziehen können. Jetzt liegen sie zersplittert am Boden und das nicht zum ersten Mal. «Sie waren letztes Jahr schon alle kaputt. Erst im Herbst haben wir sie neu montiert», bestätigt Andi Weber, Leiter der Gemeindebetriebe Bonaduz Rhäzüns.

Der Unterstand des Eisplatzes sei bei weitem kein Einzelfall, so Weber. Vandalismus sei ein Problem, das in der Gemeinde in den vergangenen fünf Jahren zugenommen habe. «Es ist generell so, wenn wir irgendwo Sitzgelegenheiten aufstellen oder wieder reparieren; Die Haltbarkeit einer solchen Einrichtung ist nicht mehr davon abhängig, wann das Holz faul wird, sondern von Leuten, die vorbeikommen und nicht wissen, was sie tun sollen», so Weber.

Respekt und Zivilcourage sind gefragt

Für die unschöne Entwicklung vermutet Weber verschiedene Gründe. «Einer ist die Verfügbarkeit und der Preis von Alkohol», so der Leiter der Gemeindebetriebe. Vor 20 Jahren sei dieser im Verhältnis zum Lohn teurer gewesen als heute.

Ein anderer Grund sei das fehlende Bewusstsein darüber, wie viel Aufwand und Arbeit hinter der Produktion einer Sitzbank oder einer Feuerstelle stecke. «Heute sieht man alles als billig und zum Wegwerfen an», so Weber. Auch die Kosten würden den Menschen, die an diesen Orten feiern, egal zu sein scheinen.

Zudem fehle es immer häufiger an Zivilcourage, meint Weber. Wo früher die Mitmenschen eingegriffen und andere auf ihr Fehlverhalten hingewiesen hätten, herrsche heute Stille.

Gitterzäune können keine Lösung sein

Der Sachschaden, der in der Gemeinde aufgrund von Vandalismus entsteht, schätzt Weber auf mehrere zehntausend Franken pro Jahr. Auf rund 1500 Franken belaufe sich alleine der neue Schaden beim Unterstand des alten Eisplatzes.

Ob die Bänke sofort oder erst im Herbst repariert werden, darüber hat die Gemeinde noch nicht entschieden. Ebenso überlege man sich, den Bereich vielleicht mit einem Gittertor abzusperren und nur zu öffnen, wenn er offiziell gebraucht werde, sagt Weber. Man sei halt einfach im Zwiespalt. «Wir wollen den Leuten, die am Wochenende etwas machen wollen, ja eigentlich auch etwas bieten. Und der Platz unter dem Dach wäre ideal dafür.» Es könne doch nicht sein, dass man alles verbieten oder überwachen müsse. Ausserdem: Je öfter man etwas reparieren müsse, desto mehr sinke auch die Motivation bei den Mitarbeitern der Gemeinde. «Sie merken einfach, dass die Arbeit nicht wirklich geschätzt wird», meint Weber.

Auch der Abfall wird zum Problem

Aber nicht nur Vandalismus, auch Littering stellt die Gemeindebetriebe Bonaduz Rhäzüns vor grosse Probleme. Den Abfall einfach irgendwo liegenzulassen, ist laut Weber normal geworden. Vor rund fünf Jahren hätten sie noch eine Kehrrichttour machen müssen. Heute seien es zwei, teilweise sogar drei. «Und dann müssen wir nicht die Abfalleimer lehren, sondern den Abfall von überall rund herum einsammeln. Man steht nicht einmal von der Bank auf, um den Abfall in einen Eimer zu werfen. Oder man wirft beispielsweise einfach Büchsen aus dem Auto», sagt Weber.

Mehrmals pro Jahr räumen die Gemeindebetriebe mit Hilfe von Schülern zudem auf dem Gemeindegebiet auf. Dabei werden Pneus gefunden oder auch mal ganze Küchen- oder Schlafzimmereinrichtungen. Die Bergung und Entsorgung solcher Abfälle ist aufwändig und kostspielieg. «Letztes Jahr lag beispielsweise eine Waschmaschine in einem Tobel. Zwei Leute mussten den ganzen Flusslauf mit einer Motorschubkarre entlanglaufen, um überhaupt an den Ort zu kommen. Oder wir fanden Bauschutt mit giftigen Materialien, den wir nur mit dem Heli korrekt entsorgen konnten», erzählt Weber. Die Waschmaschinenbergung habe rund 2000 bis 3000 Franken gekostet. Der Helieinsatz 5000 bis 6000 Franken. Geld, das die Steuerzahler berappen müssen.

Kommentar schreiben

Kommentar senden