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Beschuldigt: Illegale Pornografie bei Teenagern nimmt zu

Jugendliche verbreiten immer mehr illegale Pornografie. Das schlägt sich in der Kriminalstatistik des Kantons Graubünden nieder.

Mario
Engi
Montag, 15. April 2019, 04:30 Uhr Markante Zunahme
In Präventionsunterrichten sensibilisiert die Polizei Jugendliche, keine Filme mit sexuellem Hintergrund zu verschicken.
KEYSTONE/SYMBOLBILD

Die Zunahme ist augenfällig: Von allen Fällen von Sexualstraftaten in Graubünden waren 2018 deren 59,5 Prozent Tatbestände der Pornografie. 2017 waren es noch 39,5 Prozent. «Es sind diverse Faktoren, die zur Zunahme führten. Am markantesten dürfte die Tatsache sein, dass die Pornografie mit Smartphones überall und jederzeit zur Verfügung steht», erklärt Roman Rüegg, Mediensprecher der Kantonspolizei Graubünden.

Konkret reden wir von 78 Fällen im Kanton, in denen es zu einer Anzeige wegen Pornografie kam. In den Tatbestand der Pornografie fliessen am häufigsten ein: Verbreitung harter Pornografie, Handlungen zum Eigenkonsum harter Pornografie, Gewaltdarstellungen, sexuelle Belästigungen und Nötigungen, Verbreitung und Konsum von harter Pornografie mit tatsächlichen sexuellen Handlungen mit Minderjährigen. Wer also verbotene Inhalte via Whatsapp oder einen anderen Messenger weiterverbreitet, verletzt das Gesetz. Und es macht vor Minderjährigen nicht Halt. Auch wenn sie ohne böse Absicht, mit gegenseitigem Einverständnis mit ihrem Smartphone im Schlafzimmer fotografieren, riskieren sie ein Strafverfahren wegen der Herstellung und dem Weiterverbreiten von harter Pornografie. Fotografiert also ein 15-Jähriger seine gleichaltrige Freundin in einer aufreizenden Pose, kann diese als pornografisch eingestuft werden, wenn der Gesamteindruck darauf ausgelegt ist, potenzielle Betrachter sexuell aufzureizen. Laut Rüegg werden in solchen Fällen entsprechende Strafuntersuchungen eingeleitet. «Ob der 15-jährige Freund sich strafbar machen würde, entscheidet die zuständige Gerichtsbehörde.»

Es sind bedrückende Zahlen, die schweizweit registriert werden - ganz besonders, was ausgerechnet jugendliche Konsumenten angeht. 2009 gingen national noch 861 Anzeigen wegen Pornografie ein. 2018 wurden 1386 Fälle verzeichnet. Der Anteil jugendlicher Beschuldigter bei illegaler Pornografie betrug satte 25,5 Prozent.

Polizei ist aktiv

Einfluss auf die steigenden Zahlen dürfte die Kantonspolizei selber haben. Sie ist in diesem Bereich selbst aktiv. Und: «Internationale sowie nationale Bekämpfungsstrategien sowie daraus erfolgende Zusammenarbeiten zwischen Bund und Kantonen zeigen ihre Auswirkungen», so Rüegg.

Oftmals seien sich Konsumenten gar nicht darüber bewusst, was illegale Pornografie heisse. Im Falle der Jugendlichen geht die Kantonspolizei auf sie zu. «Die Jugendlichen werden von uns in den Präventionsunterrichten darauf sensibilisiert/unterrichtet, dass sie in keiner Art und Weise Fotos/Filme mit sexuellem Hintergrund verschicken sollen», so Rüegg. In ihrem Übermut müssten die Jugendlichen mit entsprechender Themenaufklärung geschützt werden. Man müsse sich bewusst sein, und damit sind wohl Jugendliche und Erwachsene gemeint, dass auf digitalen Datenträgern gespeicherte Daten Spuren hinterlassen. Einmal in falsche Hände geraten, liessen sich diese nur noch sehr schwer entfernen. «Das Internet vergisst nicht!»

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