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Verdingkinder: Der Kanton will sich nicht entschuldigen

Verdingkinder müssen weiter auf eine Entschuldigung des Kantons warten. Regierungspräsident Hansjörg Trachsel verweist auf die Gemeinden.

Südostschweiz
Mittwoch, 23. Oktober 2013, 08:30 Uhr
Walter Emmisberger, Präsident des Vereins Fremdplatziert, fordert eine stärkere Anerkennung der Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen.

Chur. – Eine Anfrage von SP-Grossrat Mathis Trepp vermochte die Bündner Regierung zu keiner Entschuldigung an die Verdingkinder zu bewegen. Die Hauptverantwortung für die ihnen angetanen Gräuel liege bei den Gemeinden und nicht beim Kanton, sagte Regierungspräsident Hansjörg Trachsel vor dem Parlament.

Dabei wäre eben diese Entschuldigung für Betroffene ein wichtiges Signal, wie Loretta Seglias im Interview sagt. Die Historikerin hat an mehreren Forschungsprojekten zu fürsorgerischen Zwangsmassnahmen mitgearbeitet.

Die Geschichte eines Verdingkindes

Auch Walter Emmisberger, Präsident des Vereins Fremdplatziert, fordert eine stärkere Anerkennung der Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. Emmisberger, einst selbst ein Verdingkind, berichtet aus seiner von Gewalt und Ausbeutung geprägten Jugend in Heimen und bei Pflegeeltern. Es sei aber wichtig, trotz des erfahrenen Leids nicht den Kopf hängen zu lassen, sondern sein Leben in die Hand zu nehmen, sagt der diesjährige Prix-Courage-Preisträger. (gmd)

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