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Stadtrat verwirft Tunnel-Variante mit Anschluss in Jona

Der Stadtrat von Rapperswil-Jona will nur noch zwei von drei Tunnelvarianten weiterverfolgen. Ein grosses Tunnelportal in Jona ist kein Thema mehr. Der Kanton schätzt die Kosten für einen Stadtunnel auf 600 bis 900 Millionen Franken.

Pascal
Büsser
04.05.17 - 09:34 Uhr
Politik
kombi
Der Stadtrat Rapperswil-Jona hat eine Tunnelvariante verworfen.

Seit Herbst 2015 haben Fachleute im Auftrag des Tiefbauamts des Kantons St. Gallen die bauliche und umweltrechtliche Machbarkeit von drei Tunnelvarianten in Rapperswil-Jona geprüft. Am Dienstag präsentierten die Ingenieure anlässlich der vierten Sitzung des Begleitgremiums der Mobilitätszukunft die Schlussergebnisse der laufenden Abklärungen. Darin enthalten ist eine erste Kostenschätzung.

Grundsätzlich geht es darum, Rapperswil-Jona zwischen der Autobahnausfahrt A53-Hüllistein und dem Seedamm zu untertunneln. Aktuell standen noch drei Linienvarianten mit unterschiedlichen Anschlüssen zur Debatte.

625 bis 900 Millionen Franken

Die Kosten können im jetzigen Planungsstadium mit einer Genauigkeit von +/-30 Prozent angegeben werden, wie der Kanton mitteilt. Erst mit dem Vorliegen eines Bauprojekts, über welches auch die Bevölkerung an der Urne befinden kann, wird die Genauigkeit der Kosten auf eine Abweichung von zehn Prozent eingegrenzt. Geschätzt haben die Experten neben den Baukosten auch den Aufwand für die Planung, die Projektierung, den notwendigen Landerwerb, die Mehrwertsteuer und für flankierende Massnahmen. Zudem sind so genannte Risikokosten einkalkuliert. Diese sind vorzusehen, um auf Mehraufwände etwa wegen schwieriger Geologie oder wegen der Behebung von Schäden vorbereitet zu sein. Auf Basis der Preise von 2016 ergeben sich folgenden Zahlen:

  • Stadttunnel Ost (mit Anschluss Jona) 800 Millionen Franken
  • Stadttunnel Mitte (ohne Meienberg-Bahntunnel; mit oberirdischer Linienführung zwischen Seedamm und Tüchelweier) 800 Millionen Franken
  • Stadttunnel Mitte (ohne Meienberg-Bahntunnel; mit unterirdischer Linienführung zwischen Seedamm und Tüchelweier) 900 Millionen Franken
  • Stadttunnel Direkt (mit oberirdischer Linienführung zwischen Seedamm und Tüchelweier) 625 Millionen Franken
  • Stadttunnel Direkt (mit unterirdischer Linienführung zwischen Seedamm und Tüchelweier) 725 Millionen Franken

Die Kostenschätzung der Variante Mitte basiert auf dem bereits vorliegenden Bauprojekt, das 2011 an der Urne abgelehnt wurde. Die Zahlen wurden gemäss Kanton nicht neu gerechnet, sondern teuerungsbereinigt. Der beantragte Realisierungskredit für das 2011 abgelehnte Tunnelprojekt betrug seinerzeit 750 Millionen Franken. Beim Tunnel Mitte handelt es sich um eine leicht veränderte Variante des ursprünglichen Projekts des Kantons.

Stadttunnel Mitte auch ohne Meienberg-Bahntunnel machbar

Der Stadttunnel Mitte soll zwischen Rapperswil und Kempraten unter dem Trassee der S7 realisiert werden. Eine Option sieht vor, den Bahnbetrieb dauerhaft in einen neuen Bahntunnel durch den Meienberg zu verlegen und damit das Trassee zu befreien. Bereits 2016 hatten die SBB aufgezeigt, dass ein solcher Bahntunnel baulich und fahrplantechnisch machbar wäre. Die SBB rechneten allerdings mit sehr hohen Realisierungskosten. Sie veranschlagte diese auf rund 300 Millionen Franken – mit einer Ungenauigkeit von 50 Prozent. Diese kämen zu den oben genannten Kosten dazu. Zudem wäre der Kanton bei der Realisierung des Stadttunnels abhängig von den SBB.

Eine Alternativoption wäre laut Kanton der Bau eines Strassentunnels unter dem Trassee der S7. Ein Meienbergtunnel wäre dann nicht mehr notwendig, es entstünden aber Mehrkosten wegen aufwändiger Bauarbeiten mit Hilfsmassnahmen für den laufenden Bahnbetrieb.

Beim Stadttunnel direkt handelt es sich um eine kostenoptimierte Variante des Tunnel Mitte ohne Anschluss in Kempraten.

Stadtrat versenkt Tunnel Ost

Auf Empfehlung des Stadtrates von Rapperswil-Jona wurde entschieden, die Variante Ost nicht mehr weiterzuverfolgen. Die Beteiligten sehen für den Stadttunnel Ost aufgrund der baulichen Herausforderungen und des umfangreichen städtebaulichen Eingriffs in Jona kaum Chancen für eine Realisierung eines solchen Projekts. Für den Anschluss Jona hätte auf der Wiese Grünfels ein grosser Anschlusskreisel gebaut werden müssen. Auch Liegenschaften wären mutmasslich betroffen gewesen.

Die Varianten Mitte und Direkt unterzieht der Kanton nun einer weiteren Zweckmässigkeitsprüfung. Sie soll vertiefte Ergebnisse zu Kosten-Nutzen und Risiken der verbliebenen Varianten liefern.

In die Beurteilung einbezogen werden laut Kanton städtebauliche Überlegungen zum Bereich Bahnhof Rapperswil-Güterstrasse, welche sich der Stadtrat derzeit zusammen mit Fachleuten macht. Denn die grösste bauliche Herausforderung ist und bleibt der Untergrund im Bereich Bahnhof und Güterstrasse - insbesondere bei einer unterirdischen Linienführung. Weit weniger tangiert wäre der schwierige Baugrund bei einer oberirdischen Variante, was die Kosten um etwa 100 Millionen Franken mindern würde.

Die Zweckmässigkeitsbeurteilung beginnt im Sommer und soll bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Die Ergebnisse werden voraussichtlich anfangs 2018 der Bevölkerung präsentiert, bevor Stadtrat und Kanton die Bestvariante bestimmen und anschliessend projektieren können.

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