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Regierung und Wirtschaft können mit Entscheiden gut leben

Regierung und Wirtschaft können mit Entscheiden gut leben

Im Kanton Graubünden sind die Wirtschaftsverbände mehrheitlich einverstanden mit den verschärften Massnahmen des Bundesrates. Etwas Bedauern äussert der Bündner Gesundheitsdirektor Peter Peyer. 

Patrick
Kuoni
03.12.21 - 19:04 Uhr
Politik
Betreiber verantwortlich: Klubs können selbst entscheiden, ob sie eine Masken- und Sitzpflicht einführen oder nur noch Geimpfte und Genesene reinlassen. 
Jean-Christophe Bott / Keystone

Der Bundesrat hat die Massnahmen gegen das Coronavirus aufgrund der aktuellen Situation wie erwartet verschärft. Die Zertifikatspflicht wird auf Proben und Trainings in fixen Gruppen erweitert und gilt ab Montag ebenso für Veranstaltungen draussen ab 300 Personen. In öffentlichen Räumen muss neu auch trotz Zertifikat eine Maske getragen werden. Ausgenommen sind Restaurants, wo allerdings im Sitzen konsumiert werden muss. Gleiches gilt auch für Klubs und Bars. Betriebe können allerdings freiwillig nur noch Geimpfte und Genesene reinlassen und dafür auf die Masken- und Sitzpflicht verzichten. Antigentests sind nur noch 24 Stunden gültig und Homeoffice wird – wo möglich – dringend empfohlen. Ausserdem muss drinnen eine Maske getragen werden, wenn sich mehr als eine Person am Arbeitsort befindet.

Winter als «Zitterpartie»

Eine wichtige Änderung gab es ausserdem für den Bündner Tourismus: Die Quarantäneliste bei der Einreise wird ab heute Samstag aufgehoben. Trotzdem bleiben die Freudensprünge im Tourismus aus, denn zum einen ist die Schweiz neu auf der Risikoliste von Deutschland – das heisst, Ungeimpfte müssen dort bei der Rückkehr in Quarantäne. Und der Bundesrat hat zum Schutz vor der Omikron-Variante entschieden, dass bei der Einreise ein PCR-Test und nach vier bis sieben Tagen zusätzlich mindestens ein Antigentest gemacht werden muss. Ernst «Aschi» Wyrsch, Präsident von Hotelleriesuisse Graubünden, hält deshalb fest: «Mit dieser Testpflicht verteuert sich die Reise in die Schweiz für die Gäste. Die Wintersaison wird eine Zitterpartie.» Das Wichtigste sei aber trotzdem, dass die Quarantänepflicht bei der Einreise aufgehoben worden sei. «Grottenschlecht» für die Reputation sei es, dass die Schweiz auf der Risikoliste Deutschlands gelandet sei. «Trotzdem sind die Grenzen offen und dies bleibt entscheidend.»

Forderung erfüllt

Wenig am Bundesratsentscheid auszusetzen hat Franz Sepp Caluori: «Der Bundesrat hat punkto Gastronomie und Nachtgastronomie genau das umgesetzt, was wir zusammen mit der Bündner Regierung gefordert haben», sagt der Präsident von Gastrograubünden. Gerade für die Klubs wäre das 2G-Konzept aber eine Einschränkung, da so die ungeimpften Jungen fernbleiben würden. «Aber so können sie zumindest den Betrieb in reduzierter Form aufrecht erhalten und für die anderen Mitarbeitenden Kurzarbeit beantragen.» Er appelliert an die Jungen, sich doch noch impfen zu lassen, um so «solidarisch aus dieser Pandemie rauszukommen». «Ein Stein vom Herzen» fällt Caluori wegen der Aufhebung der Quarantänepflicht, da viele Saisonniers aus dem Ausland nun ohne Probleme einreisen können.

Bedauern über fehlende Schultests

Der Bündner Gesundheitsdirektor Peter Peyer hielt am Freitag vor den Medien fest: «Die Massnahmen gehen in die richtige Richtung, hätten aber da und dort etwas deutlicher ausfallen können.» Die Bündner Regierung hätte sich gemäss Peyer insbesondere im Bereich Homeoffice eine verbindlichere Regelung gewünscht. «Bedauerlich ist es ausserdem, dass die Kantone weiter keine Verpflichtung haben, Schul- und Betriebstests durchzuführen.» Der Bund lasse der Bevölkerung, aber auch den Kantonen weiterhin viele Freiheiten und viel Eigenverantwortung. «Wir hoffen, diese wird wahrgenommen, ansonsten werden wohl bald neue Massnahmen nötig werden.» Die Fallzahlen würden in Graubünden weiter stark steigen, ausserdem seien die Labors, welche die Tests auswerteten, immer noch stark ausgelastet, sodass auch das Contact Tracing nicht immer zeitnah die Kontakte von Angesteckten informieren könne. «Wir hoffen, dass wir die Situation in wenigen Tagen oder spätestens in ein bis zwei Wochen wieder im Griff haben», so der Gesundheitsdirektor.

Peyer gab auch noch ein kurzes Update zur Impfsituation. Letzte Woche hätten sich 451 Personen zum ersten Mal impfen lassen und diese Woche 380. «Das zeigt, dass es weiterhin eine gewisse Nachfrage gibt.» Eine sehr hohe Nachfrage stellt er bei den Booster-Impfungen fest. «Wir sind aber optimistisch, dass ein Grossteil der Personen über 65 bis Weihnachten eine dritte Impfung erhalten hat.»  

Grundsätzlich zufrieden ist man beim Bündner Gewerbeverband mit den neuen Regeln am Arbeitsplatz. Direktor Maurus Blumenthal erklärt: «Eine Homeofficepflicht wäre mancherorts schwierig umzusetzen gewesen. Die einzelnen Betriebe können viel besser einschätzen, was sinnvoll ist, und sie haben ja trotzdem die Möglichkeit, wo es verhältnismässig ist, Homeoffice anzuordnen.» In zahlreichen Betrieben würden ausserdem bereits heute mehr Personen von zu Hause aus arbeiten. 

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