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Russischer Kriegsgegner Kagarlizki zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt

Der prominente russische Soziologieprofessor und Kriegsgegner Boris Kagarlizki ist von einem Berufungsgericht in Moskau zu fünf Jahren Lagerhaft wegen angeblicher Rechtfertigung von Terrorismus verurteilt worden. Das Urteil trat am Dienstag sofort in Kraft, der 65-jährige Angeklagte wurde noch im Gerichtssaal verhaftet, wie die Agentur Interfax meldete.

Agentur
sda
13.02.24 - 17:47 Uhr
Politik
ARCHIV - Ein Polizeiwagen mit dem russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny kommt vor dem Beginn des Prozesses zum Bezirksgericht Babuschkinskij an. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa
ARCHIV - Ein Polizeiwagen mit dem russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny kommt vor dem Beginn des Prozesses zum Bezirksgericht Babuschkinskij an. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa
Keystone/AP/Alexander Zemlianichenko

Kagarlizki, früher Professor an der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, gilt in Russland als einer der wenigen linksgerichteten, an Arbeits- und Gewerkschaftsfragen interessierten Denker. Auf dem von ihm geleiteten Portal «Rabkor» (Arbeiterkorrespondent) hatte er Ende 2022 ein Video hochgeladen über den ukrainischen Versuch, die russische Brücke zur annektierten Halbinsel Krim zu sprengen.

Dieses Video legten ihm die russischen Sicherheitsbehörden als Rechtfertigung von Terrorismus im Internet aus und nahmen ihn in Untersuchungshaft. In einem ersten Prozess in Syktywkar in Nordrussland wurde Kagarlizki im Dezember 2023 unerwartet nicht zu Haft, sondern zu einer Geldstrafe von 600 000 Rubel (etwa 6000 Euro) verurteilt. Der Professor kam frei und bezahlte die Strafe. Doch die Staatsanwaltschaft focht das Urteil an und setzte in dem Berufungsverfahren eine viel schwerere Strafe durch.

Die russische Justiz versucht mit drakonischen Urteilen, Kritik an dem seit fast zwei Jahren dauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine zu unterbinden.

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