×

Benkner Ortsbürger erteilen Behörde den Blankoscheck

Die Ortsbürger von Benken wollen weiter den Klettenseehof zurückkaufen. Und geben dem Ortsverwaltungsrat dafür finanziell freie Hand. Gegenanträge blieben an der Jahresversammlung chancenlos. Was die Ortsgemeinde nach einem Kauf mit dem Hof macht, will sich der Ortsverwaltungsrat noch überlegen.

Pascal
Büsser
13.04.17 - 15:43 Uhr
Politik
2394169
2394169
MARKUS TIMO RÜEGG

Wie die Stimmung in der Benkner Rietsporthalle ist, zeigte sich gleich zu Beginn. Bauer Niklaus Fischli stellte den Antrag, des Traktandum Klettenseehof ersatzlos zu streichen. «So können wir uns viel Geld und Unfrieden ersparen», erklärte Fischli. Im Traktandum forderte die Orstbehörde einen Blankoscheck für den Rückkauf des Klettenseehofs, um den seit bald 20 Jahren gestritten wird (Ausgaben vom 29. März und 8. April).

Ein Rückkauf sei nicht im Interesse der Mehrheit der Ortsbürger, erklärte Fischli, der den Hof selber für seinen Schwiegersohn kaufen will. «Es wäre an der Zeit, dass Benken zur Ruhe kommt.»

Medien stehen in der Kritik

Zumindest die klare Mehrheit der 188 Stimmberechtigten, die zur Versammlung gekommen waren (das ist ein Viertel aller Ortsbürger), sah es anders als Fischli. Sie lehnte seinen Streichungsantrag ab. Und folgte der Argumentation des Ortsverwaltungsrats, dass der Unruhestifter Fischli selber sei.

Ebenso chancenlos blieb später Fischlis Antrag, das Geschäft an die Urne zu verweisen. «Das wäre erstmalig in der Geschichte», sprach Geri Kühne, Ortsgemeindepräsident von 1988 bis 2004, dagegen. «Wir sind doch Mannen und Frauen genug, dass wir offen zu unseren Entscheiden stehen können.» Zuvor hatte Kühne abermals betont, dass die Ortsgemeinde mit den dreiteiligen Verträgen von 1995 eine Win-Win-Situation für die Ortsgemeinde und die sieben Bauern im Doggen wollte. Alle ausser Kurt Schnider, der sich später eine Pachtzinsreduktion erstritt, hätten das auch so gesehen. Zwei Bauern aus dem Doggen stimmten ihm zu.

Der aktuelle Ortsgemeindepräsident Albert Glaus beschrieb den Rechtsstreit mit Niklaus Fischli nach Kurt Schniders Selbstmord 2010. «Anders als die Medien glauben machen, haben stets wir eine Einigung gesucht.» Und die Gegenseite alles juristisch angefochten.

Unterstützt wurde Glaus von Anwalt Markus Roos, der die Ortsgemeinde vertritt. Er beklagte die einseitige Medienberichterstattung im Vorfeld der Versammlung und die «Gehässigkeit der Journalisten». Das tue ihm leid für den Ortsverwaltungsrat. Unerwähnt liess er, dass Präsident Glaus auf eine ausführliche Stellungnahme in der «Südostschweiz» ausdrücklich verzichtet hatte.

Nur ein Anwalt darf reden

Danach erklärte Roos lange, warum die juristischen Aussichten der Ortsgemeinde gut seien, den Hof aus dem Nachlass Schnider zurückkaufen zu können. Die Ausführungen von Gegenanwalt Brändli wollte eine Mehrheit nicht hören. Sie lehnte mit 70 zu 60 Stimmen ab, dass Brändli das Wort bekommt. Glaus verriet, dass der Rechtsstreit die Ortsgemeinde bisher 230 000 Franken gekostet habe. Dem stellte er mehr als 660 000 Franken gegenüber, welche die Ortsgemeinde verloren hätte, wenn sie bei allen Bauern die Pachtzinsen wie bei Schnider angepasst hätte.

Für den Klettenseehof liegt das aktuelle Angebot der Ortsgemeinde bei 460 000 Franken, wie Glaus verriet. Auf die Frage, was denn der Ortsverwaltungsrat mit dem Hof zu tun gedenke, sagte Glaus: «Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht.» Einige stellten infrage, ob die Gemeinde den Klettenseehof für diesen Preis wieder an einen Bauern verkaufen könnte.

Priska Hunold stellte den Antrag, das Geschäft zurückzuweisen, bis der Ortsverwaltungsrat ein Konzept habe. Das wurde deutlich abgelehnt. Über 140 Bürger stimmten schliesslich dafür, dass die Ortsgemeinde den Klettenseehof aus dem Nachlass Schnider vom Konkursamt zurückkaufen soll.

Diskussionslos und ohne Gegenstimme genehmigt wurde die Jahresrechnung 2016, die mit einem Überschuss von rund 530 000 Franken abschloss. Ebenso gab es keine Gegenstimmen beim Budget 2017, das ausgeglichen daherkommt.

«Earum que min con nihicabore perum harum seceperum sendio molor suntla.»

«Anders als die Medien schreiben, haben stets wir eine Einigung gesucht.»

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Politik MEHR