Kanton Glarus sucht weitere Unterkünfte
Bis Ende Jahr könnten weitere rund 60 Ukrainerinnen und Ukrainer ins Glarnerland kommen, so der Kanton. Er ruft deshalb dazu auf, geeignete Wohnungen oder Häuser zu melden.
Bis Ende Jahr könnten weitere rund 60 Ukrainerinnen und Ukrainer ins Glarnerland kommen, so der Kanton. Er ruft deshalb dazu auf, geeignete Wohnungen oder Häuser zu melden.
Derzeit leben gut 240 seit dem Februar geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer im Kanton Glarus. Bis Ende Jahr könnten noch einmal 40 bis 60 dazukommen, heisst es in einer Mitteilung des Kantons. Für sie würden noch weitere Unterkünfte benötigt. Eigentümer und Eigentümerinnen von geeigneten Häusern oder Wohnungen werden gebeten, sich an die Asylbetreuung, Rain 8, Ennenda zu wenden.
Wie die Glarner Asylkoordinatorin Christine Saredi erklärt, sollen Unterkünfte einen angemessenen Standard bieten. «Es sind uns auch schon baufällige Objekte angeboten worden, die wir ablehnen mussten», so Saredi. Problematisch seien auch Gebäude mit Elektro- oder Holzheizungen. Erstere seien im Betrieb derzeit sehr teuer und mit Letzteren müsse der Umgang gelernt werden. Und schliesslich sollten die Objekte nicht allzu abgelegen sein, damit die Betreuung nicht zu aufwendig wird.
Schweizweit bis 85 000 Geflüchtete
Der Kanton Glarus stützt sich bei seiner Prognose auf Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM). Das SEM geht davon aus, dass in den verbleibenden Monaten des laufenden Jahres schweizweit monatlich zwischen 3000 und 5000 Asylanträge von Menschen aus verschiedenen Ländern gestellt werden. Bis Ende 2022 werden laut dem Szenario des SEM insgesamt 80 000 bis 85 000 Ukrainerinnen und Ukrainer in die Schweiz geflüchtet sein.
Im Kanton Glarus leben laut Asylkoordinatorin Christine Saredi derzeit rund 150 Ukrainerinnen und Ukrainer in Unterkünften des Kantons, rund 30 in einer eigenen Wohnung und gut 60 bei Gastfamilien. Die Unterbringung bei Gastfamilien habe in letzter Zeit erwartungsgemäss an Bedeutung verloren. «Nach mehreren Monaten haben sowohl die Geflüchteten wie die Gastfamilien ein Bedürfnis nach mehr Privatsphäre», sagt Saredi.
Es droht ein Winter ohne Heizung
Russland habe in jüngster Zeit gezielt die Infrastruktur in der Ukraine angegriffen, so der Kanton. Die Aussicht auf einen Winter ohne Heizung werde mutmasslich weitere Ukrainerinnen und Ukrainer aus ihrer Heimat vertreiben.
Engpässe gibt es hierzulande laut dem Kanton nicht nur bei der Unterbringung, sondern auch bei der Betreuung von Geflüchteten. Denn auch die Zahl von Asylanträgen von Menschen aus Afghanistan, Syrien oder der Türkei nehme zu. «Der Anteil der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) dabei ist hoch», so der Kanton. Auch sie gelte es adäquat zu betreuen und unterzubringen. «Und der Arbeitsmarkt für Betreuungspersonen mit sozialpädagogischer Ausbildung oder Erfahrung in der Asylsozialhilfe ist ausgetrocknet», sagt Christine Saredi.
Daniel Fischli arbeitet als Redaktor bei den «Glarner Nachrichten». Er hat Philosophie und deutsche Sprache und Literatur studiert. Mehr Infos
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