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«Die Mitarbeitenden sind schon jetzt ziemlich am Anschlag»

Derzeit gibt es im Glarnerland noch 30 freie Betten für Geflüchtete. Nach den Schätzungen des Bundes dürfte diese Reserve nicht lange reichen.

Sara
Good
20.09.22 - 04:30 Uhr
Politik
Deutsch als Zweitsprache: Geflüchtete aus der Ukraine büffeln in Oberurnen.
Deutsch als Zweitsprache: Geflüchtete aus der Ukraine büffeln in Oberurnen.
Pressebild

Der Kanton Glarus sucht für den Winter dringend neue Unterkünfte für Geflüchtete. In den nächsten Monaten könnten wieder mehr Menschen aus der Ukraine in die Schweiz kommen. Damit rechnet das Staatssekretariat für Migration (SEM). Dieses geht bis Ende Jahr von 3000 bis 5000 Menschen pro Monat aus. Runtergebrochen aufs Glarnerland ergibt das monatlich 15 bis 25 neue Geflüchtete. «Wobei diese Zahl noch vorsichtig geschätzt ist», wie Hauptabteilungsleiter Soziales, Andreas Zehnder, ergänzt.

Das stellt die Asylbetreuung vor neue Herausforderungen. Momentan seien noch rund 30 Plätze frei. Falls alle Stricke reissen, bietet das neu umgebaute Schulhaus in Rüti weitere 30 Betten. Der Kanton wendet sich darum an Haus- und Wohnungseigentümer, welche ihre frei stehenden Unterkünfte gegen Miete zur Verfügung stellen. 

Über 300 Geflüchtete im Glarnerland

Andreas Zehnder rechnet mit 30 bis 50 neuen Plätzen, die jetzt nötig seien. Das Amt arbeitet nicht nur mit privaten Anbieterinnen, sondern auch mit Immobilienfirmen zusammen. Von Januar bis Ende August hat der Kanton Glarus über 300 Menschen aufgenommen. Ein Grossteil der Geflüchteten stammt aus der Ukraine. Es gibt aber auch zahlreiche Menschen, die zum Beispiel aus Syrien, Afghanistan oder der Türkei gekommen sind. Unter ihnen sind inzwischen neun unbegleitete minderjährige Asylsuchende, welche besonders intensive Betreuung brauchen. «So viele Flüchtlinge mussten wir noch nie bewältigen», so Andreas Zehnder. «Die Mitarbeitenden sind schon jetzt ziemlich am Anschlag.» Eine ähnliche Situation dürfte es das letzte Mal während der Jugoslawienkriege gegeben haben.

Von den Menschen aus der Ukraine leben die meisten in einer Kollektivunterkunft. Das heisst, dass die Wohnung oder das Haus vom Kanton gemietet werden. Momentan sind das 137 Geflüchtete. 67 weitere Menschen leben bei Privatpersonen. 17 Personen können sich durch ihre Erwerbstätigkeit eine eigene Unterkunft finanzieren.

Sara Good verantwortet die Glarner Inhalte auf «suedostschweiz.ch». Zudem kreiert sie multimediale Inhalte und schreibt Artikel für die «Glarner Nachrichten». Sie hat den Diplomlehrgang am MAZ absolviert und Multimedia Production in Chur studiert. Mehr Infos

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