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Weesen will in Fernwärme investieren

Die Weesner Stimmberechtigten sagen sehr klar Ja zu einer Fernwärmeleitung für 1,75 Millionen, obwohl die Energiequelle noch unklar ist.

Pascal
Büsser
19.06.23 - 04:30 Uhr
Politik

Der Weesner Gemeindepräsident ist erfreut. Und überrascht. «Es ist ein sehr positives Resultat, das wir erzielen konnten», sagt Marcel Benz am Sonntagnachmittag. Mit gut 71 Prozent Ja-Stimmen haben die aktiven Stimmberechtigten einem Kredit von 1,75 Millionen Franken für eine rund 800 Meter lange Fernwärmeleitung in der Hauptstrasse zugestimmt.

Benz gibt im Nachhinein zu: Bestenfalls habe er auf eine Zustimmung knapp über 50 Prozent gehofft. Denn vieles ist noch unklar, allem voran die Energiequelle.

Warten auf die KVA

«Wir konnten an der Informationsveranstaltung Anfang Juni leider nicht so viele Informationen liefern, wie wir es selber gerne gehabt hätten», sagt Benz. Insbesondere konnte die Gemeinde keine Aussage zum Preis machen, den eine Kilowattstunde Fernwärme künftig kosten würde.

Denn noch ist unklar, woher die Energie für die Fernwärme künftig kommen wird. Bevorzugte Quelle der Gemeinde ist die Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Linth in Niederurnen. Diese wird allerdings frühestens 2026 entscheiden, ob sie Weesen mit Fernwärme bedient. Dann nämlich, wenn klar ist, ob im Gebiet Biäsche auf Glarner Boden grosse industrielle Abnehmer sich ansiedeln (Ausgabe vom 8. Juni). Nur dann lohnt es sich gemäss KVA, eine Leitung bis nach Weesen zu ziehen.

Wesen könnte die Leitung auch selber bis in die Gemeinde ziehen. Auch das lohnt sich allerdings gemäss Unterlagen nur, wenn sich in der Biäsche künftige Grossabnehmer finden. Eine Alternative für die Gemeinde wäre es, eine Holzschnitzelheizzentrale als Wärmequelle zu bauen. Statt praktisch der ganzen Gemeinde könnte dann allerdings wohl nur die Kernzone mit Fernwärme bedient werden.

Strassensanierung gibt Takt an

Der Grund, dass der Gemeinderat die Vorlage jetzt gebracht hat, liegt in der anstehenden Sanierung der Hauptstrasse. Diese startet im Herbst. Und bietet die Gelegenheit, die Fernwärmeleitung einzubauen. Nach der Sanierung könne die Strasse wegen der Garantiefrist fünf Jahre lang nicht und danach nur unter Auflagen aufgerissen werden, hatte Benz im Vorfeld erklärt.

Trotz der Unsicherheiten sagten die Stimmbeteiligten in Weesen nun klar Ja. Benz vermutet, dass die nationale Klimaschutz-Abstimmung die Vorlage zusätzlich gestützt hat. Interessanterweise war die Stimmbeteiligung bei der nationalen Vorlage mit 43 Prozent höher als bei der kommunalen mit 39 Prozent. Die Zustimmung wiederum war beim Klimaschutzgesetz in Weesen mit 52 Prozent deutlich geringer als bei der konkreten Massnahme zur CO₂-Reduktion im Heizungsbereich.

Neubau geplant: Oberhalb des bestehenden Wasserreservoirs Waid soll ein neues hinkommen.
Neubau geplant: Oberhalb des bestehenden Wasserreservoirs Waid soll ein neues hinkommen.
PRESSEBILD

Mit dem Kredit von 1,75 Millionen Franken werden laut Benz nun auch weitere Planungsschritte betreffend Verteilnetz finanziert. «Bis 2026 müssen wir parat sein», sagt der Gemeindepräsident. Denn mit jeder fossilen Heizung, die vorher durch eine mit erneuerbaren Energien ersetzt wird, verkleinert sich das Potenzial für die Fernwärmelösung. Umgekehrt gilt: Je mehr Fernwärme-Anschlüsse in der Gemeinde realisiert werden, desto günstiger wird die Lösung für alle Fernwärmenutzer.

Massives Ja für Wasserreservoir

Völlig unbestritten war in Weesen der Kredit für den Neubau eines Trinkwasserreservoirs von gut 2,6 Millionen Franken im Gebiet Waid. Es soll zwei bisherige sanierungsbedürftige Reservoire ersetzen und neu auch Strom liefern. Mit gut 92 Prozent Ja-Stimmen muten der Zustimmungswert beinahe nordkoreanisch an.

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