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Wer wenig hat, fühlt sich vom System stärker benachteiligt

Mehr als die Hälfte der Menschen in der Schweiz empfinden die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz als eher oder sehr ungerecht. Dies zeigt eine am Montag veröffentlichte repräsentative Umfrage im Auftrag der Zeitschrift «Beobachter».

Agentur
sda
27.04.26 - 12:18 Uhr
Politik
Mehr als die Hälfte der Befragten unter vierzig meinten, sie würden heute finanziell schlechter dastehen, als es ihre Eltern im selben Alter waren. (Archivbild)
Mehr als die Hälfte der Befragten unter vierzig meinten, sie würden heute finanziell schlechter dastehen, als es ihre Eltern im selben Alter waren. (Archivbild)
KEYSTONE/GAETAN BALLY

Seit dem letzten «Gerechtigkeitsbarometer» im Sommer vor zwei Jahren, der ersten derartigen Umfrage des Forschungsinstituts GFS Bern, hat die Unzufriedenheit in der Schweiz demnach zugenommen. Ein Drittel der Befragten war der Meinung, das System sei «eher nicht gerecht», 18 Prozent sagten sogar, es sei «überhaupt nicht gerecht».

Gemäss der repräsentativen Erhebung, für die GFS Bern rund 2000 Personen befragte, war das Einkommen ausschlaggebend für das Gerechtigkeitsempfinden. Noch stärker als bei der ersten Befragung ziehe sich ein Graben durch die sozialen Schichten, schrieb der «Beobachter» am Montag in einer Mitteilung an die Medien. Sein Fazit: «Wer wenig hat, fühlt sich vom System deutlich stärker benachteiligt.»

Während zwei Drittel der Wohlhabenden zufrieden auf das Geschehen blicken würden, sähen drei Viertel der Geringverdienenden die Dinge anders. Gegenüber 2024 ist laut dem Beobachter der Prozentsatz derjenigen, die sich «eher» oder «sehr» gerecht behandelt fühlten, von 68 auf 56 Prozent gesunken. Meinungsforscherin Cloé Jans vom Institut GFS Bern erklärte dazu, letzten Endes laufe alles darauf hinaus, wer profitiere und wer die Last trage.

Geld entscheidet darüber, wer Gerechtigkeit erfährt

Ihr zufolge steht die Kostenfrage derzeit über fast allem - sei es bei der Miete, Krankenkassenprämien oder der AHV. Auf individueller Ebene stehe das eigene Portemonnaie unter Druck und politisch werde über Milliardenprojekte gestritten, sagte Jans dem «Beobachter». Immer weniger Menschen würden daran glauben, dass Leistung auch Wohlstand mit sich bringe.

Neben Umwelt- und Gleichstellungsfragten beschäftigten 81 Prozent der Befragten hohe Prozess- und Anwaltskosten. Immer mehr teilten die Sorge, dass Gerechtigkeit in der Schweiz käuflich geworden sei. Trotz der Kritik bleibe aber «das Vertrauen in den Kern des Staates krisenfest», so die positive Nachricht aus der Umfrage.

Zwar streite die Schweiz derzeit heftig, sie tue dies aber immer noch auf einem «gemeinsamen Fundament von Demokratie, Freiheit und Bildung».

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