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Bündnerin an der Spitze einer Landeskirche

Bündnerin an der Spitze einer Landeskirche

Erstmals steht mit Rita Famos in der Schweiz eine Frau an der Spitze einer nationalen Glaubensgemeinschaft. Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz wählte Famos am Montag an einer virtuellen Herbstsynode in Bern zu ihrer Präsidentin.

Südostschweiz
vor 4 Monaten in
Politik
Rita Famos tritt die Nachfolge von Gottfried Locher an.
PRESSEBILD

Rita Famos erreichte im ersten Wahlgang mit 47 Stimmen das absolute Mehr der stimmberechtigten Anwesenden deutlich. Die im Kanton Zürich wohnhafte Bündnerin wurde als Präsidentin der Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) für die Amtsdauer 2021 bis 2022 gewählt. Zum Rennen für das Präsidium angetreten war neben Famos auch die Westschweizer Pfarrerin Isabelle Graesslé. Auf Graesslé entfielen 25 Stimmen.

Die neugewählte EKS-Präsidentin sagte nach ihrer Wahl in einer Videobotschaft, sie sei sehr glücklich über das in sie gesetzte Vertrauen. Sie werde die Ärmel hochkrempeln und dazu beitragen, dass sich die evangelische Kirche gemeinsam bewege. Die Kirche lebe von der Vielfalt und der Arbeit an der Basis. Es gelte Zusammenzustehen und im Vertrauen auf Gottes Kraft den Dienst in der Nachfolge Christi zu leisten.

Die Glocke hat geläutet, die November Synode der EKS beginnt. Während der heutigen virtuellen Synode wird das Komm-Team...

Gepostet von Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz am Montag, 2. November 2020

«Fröhliche Macherin»

Vor der Wahl hatten sich verschiedene Delegierte der Kantonalkirchen für Famos ausgesprochen. Dabei wurde sie mehrfach als tatkräftige, dynamische und vermittelnde Person bezeichnet. Die EKS sei durch die Geschehnisse rund um den bisherigen EKS-Präsidenten Gottfried Locher erschüttert worden und diese Krise sei noch nicht überwunden. Famos sei eine Person mit einer geerdeten Theologie und habe die Fähigkeit Vertrauen wieder aufzubauen. Sie sei die richtige für diese schwierige Lage.

Die Delegierte der Zürcher Kantonalkirche bezeichnete Famos als Zürcher Kandidatin, auch wenn sie eine Bernerin mit Bürgerorten in Graubünden und Luzern sei. Sie sei «eine fröhliche Macherin, auf die Verlass sei und die die Kirche vorantreiben» wolle.

Delegierte aus dem Kanton Waadt verwiesen vergebens darauf, dass es seit 35 Jahren keinen Westschweizer Präsidenten oder eine Westschweizer Präsidentin der Evangelischen Kirche gegeben habe.

Unrühmlicher Abgang

Der bisherige EKS-Präsident, Gottfried Locher, war im Mai nach Vorwürfen im Zusammenhang mit mutmasslichen Grenzverletzungen gegenüber kirchlichen Mitarbeiterinnen zurückgetreten.

Die Geschehnisse um den Abgang von Locher werden derzeit von einer von der Synode beauftragten Untersuchungskommission in Zusammenarbeit mit einer Anwaltskanzlei untersucht. Laut der Anwaltskanzlei ist die Untersuchung in vollem Gang und verschiedene Befragungen finden derzeit statt. An der Herbstsynode wurden keine Angaben zum materiellen Inhalt der Untersuchung gemacht.

Die 54-jährige Famos hatte bereits vor zwei Jahren für das Amt kandidiert und war damals Locher unterlegen. Famos ist seit 28 Jahren in verschiedenen Funktionen für die reformierte Kirche tätig. Seit 2013 ist sie in der Zürcher Landeskirche Abteilungsleiterin Spezialseelsorge.

Neuanfang

Mit einer Frau an der Spitze will die EKS die Chance auf einen Neuanfang nach der Affäre Locher wahrnehmen. Famos hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass sie ein anderes Führungsverständnis als Locher habe. Sie bezeichnete sich als Teamplayerin und berief sich auf Zwingli, der die hellsten Köpfe um sich versammelt und die Bibel übersetzt habe.

Zu ihrer Motivation stellte Famos im Vorfeld der Wahl fest, dass es gelte mit der neuen personellen Besetzung des Präsidiums eine Kultur des gegenseitigen Vertrauens aufzubauen und eine transparente, kollegiale Führungskultur zu etablieren.

Die im Kanton Bern geborene und aufgewachsene Famos ist verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder. Ihr Mann Cla Reto Famos ist FDP-Stadtrat in Uster ZH. Famos selber gehört nach eigenen Angaben keiner Partei an.

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